unbekannter Gast
vom 20.10.2017, aktuelle Version,

Kollegiatstift Mattighofen

Propsteigebäude in Mattighofen
Pfarrkirche Mattighofen

Das Kollegiatstift Mattighofen in baulicher Verbindung mit der Pfarrkirche Mattighofen steht in der Stadtgemeinde Mattighofen im Bezirk Braunau am Inn in Oberösterreich. Das im 15. Jahrhundert gegründete Kollegiatstift bzw. Propsteigebäude und heutige Pfarrhof steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Anfang des 15. Jahrhunderts fasste Konrad V. von Friedburg aus dem Geschlecht derer von Kuchl den Entschluss, in Mattighofen ein Kollegiatstift zu errichten. Da er früh starb und keine Erben vorhanden waren, wurde der Plan von seinem Bruder Hans und seiner Frau Katharina von Krey (Kraig) in die Tat umgesetzt. Am 29. November 1438 unterzeichnete der Bischof von Passau, Leonhard von Laiming, den Stiftungsbrief. Erster Stiftsdekan wurde der damalige Kanonikus von Mattsee und Pfarrer von Pischelsdorf, Friedrich Peterlehner. Das Stift wurde unter anderem von den Päpsten Nikolaus V. und Pius II. bestätigt.

Durch zum Teil unfähige Leitung kam es jedoch bald zu einem Niedergang des Stiftes und Besitzungen, die man von den Gründern geerbt hatte, mussten veräußert werden. So wurden ab der Reformationszeit keine neuen Kanoniker mehr ernannt und das Stift sollte in ein Jesuitenkonvent umgewandelt werden. Kurfürst Maximilan Emanuel von Bayern, unter dessen hoher Protektion das Stift stand, holte sich daraufhin von Papst Innozenz XI. und dem Fürstbischof von Passau, Johann Philipp von Lamberg, die Genehmigung, das Stift zu einer Propstei zu erheben. Im Jahre 1685 wurde mit Johann Friedrich Ignaz Graf von Preising der erste Propst investiert.

Im Jahre 1864 verlieh Papst Pius IX. den Mattighofener Pröpsten das Recht zum Gebrauch der Pontifikalien.

2008 erhielt das Stift durch den Bischof von Linz Ludwig Schwarz ein neues Statut. Dem Stiftskapitel gehören jetzt 10 Kanoniker an: der Propst, fünf Kapitularkanoniker und vier Ehrenkanoniker. Am 31. Oktober 2008 fand unter seiner Leitung ein Pontifikalamt statt, in dem die ersten beiden Kanoniker und Walter Brugger, der seine Dissertation über das Stift geschrieben hatte, zum Ehrenkanonikus ernannt wurden. Propst blieb Walter Plettenbauer, der sich um eine Wiederbelebung des Stifts bemüht hatte.

Das Stiftskapitel

  • Mons. Walter Plettenbauer, Propst (seit 1983), Landeskurat der Bürgergarden, Schützen- und Traditionsvereine Oberösterreichs
  • Leon Sireisky, Kapitularkanonikus, Stiftspfarrer in Mattighofen, Pfarradministrator von Pischelsdorf, Bezirksfeuerwehrkurat des Bezirkes Braunau
  • Mons. Ewald Kiener, Kapitularkanonikus
  • Johannes Enichlmayr, Kapitularkanonikus, Autor des Buches "Die christlichen Wurzeln sind unsere Zukunft", Herausgeber der Zeitschrift "Neuevangelisierung"
  • Marek Michalowski, Kapitularkanonikus, Pfarrer von Friedburg, Pfarradministrator von Lengau und Schneegattern
  • Walter Heinzl, Kapitularkanonikus
  • Prälat Walter Brugger, Ehrenkanonikus, Kurat der Wieskirche zu Freising
  • Mons. Stefan Hofer, Ehrenkanonikus, Pfarrprovisor von Braunau-Maria Königin
  • Marek Duda, Ehrenkanonikus, Pfarrer von Emmersdorf (jene Pfarre war dem Stift bis ins 16. Jh. als Weinpfarre inkorporiert)

Die Kanoniker dürfen die schwarze Soutane mit violetten Knöpfen und Nähten, sowie das Kapitelkreuz am Band tragen. Als Kopfbedeckung benützen sie ein violettes Birett.

Die Stifts- und Propsteipfarrkirche

Inneres der Stiftskirche

Die Kirche ist der Himmelfahrt Mariens geweiht, das Patrozinium ist am 15. August.

Geschichte

Der erste Kirchenbau, der am Ort eines keltischen Heiligtums errichtet worden war, geht auf das 6. Jahrhundert zurück[1], und war Maria geweiht, damit ist die Kirche eine der ältesten Marienkirchen Österreichs. Diese ursprüngliche hölzerne Kirche wurde im 10. Jahrhundert durch einen steinernen Bau ersetzt. In der Spätgotik wurde das Dach mit Spitzbögen einbewölbt, der Turm mit gotischen Formen versehen und ein Oratorium angebaut.

1649 wurde die Kirche barock umgestaltet und von 1774 bis 1779 nach Plänen von Franz Anton Kirchgrabner grundlegend erneuert. Dabei wurden die beiden Querhäuser angebaut und die neue Innenausstattung im spätbarocken bis frühklassizistischen Stil ausgeführt.

1974 erfolgte eine Außenrenovierung, 1986 eine Innenrenovierung.

Ausstattung

Die Kirche besitzt wertvolle Skulpturen der beiden Apostel Petrus und Paulus von Thomas Schwanthaler, die am Hochaltar platziert sind. Das Hochaltarbild wurde von Franz Ignaz Oefele gestaltet und zeigt die Himmelfahrt Mariens, darüber ist ein rundes Gemälde der heiligen Dreifaltigkeit zu finden, welches aus der Hand des Mattighofener Meisters Joseph Binninger stammt. Neben dem Hochaltar besitzt die Kirche noch vier weitere Seitenaltäre, darunter eines mit einem Altarbild hl. Florian aus der Hand des Burghauser Meisters Johann Nepomuk della Croce.

Die Deckenfresken wurden ebenfalls von della Croce gestaltet. Ihnen liegt das theologische Konzept der Rettung des Volkes Gottes zugrunde, das wahrscheinlich von Propst Mutschelle erarbeitet wurde. Besonders interessant sind die Darstellung der Szene Ester vor König Xerxes in der Vierung und die Darstellung des Stifterehepaares mit den ersten Chorherren über dem Hochaltar.

Eine sehr schön gemachte Kreuzigungsgruppe ist rechts über der Kommunionbank aufgehängt. Vom Presbyterium gelangt man auch in die Taufkapelle, die mit Stuckarbeiten von Johann Michael Vierthaler ausgestattet ist.

Im Jahre 1997 wurde eine neue Orgel eingebaut, die auch als Konzertorgel genützt werden kann.

Kreuzgang

Kreuzgang des Kollegiatstifts

Ein Teil des gotischen Kreuzganges, der Kirche und Kapitelhaus verbindet, ist erhalten und mit Fresken aus der Renaissancezeit ausgestattet. Er wird als Werktagskapelle genutzt.

Krypta

Unter dem Propsteigebäude ist ein Raum aus der Gründungszeit des Stiftes erhalten, welcher durch sein schönes gotisches Gewölbe besticht und im Volksmund Krypta genannt wird. Vor der Landesausstellung 2012 wurde er renoviert und dient nun als Veranstaltungsstätte. Ihr ursprünglicher Verwendungszweck ist unbekannt, es wird aber davon ausgegangen, dass es sich entweder um ein Dormitorium oder Refektorium der Kanoniker gehandelt hat. Auch eine Verwendung als Vorratslager ist nicht auszuschließen.

Geläute

Nachdem das Geläute den beiden Weltkriegen zum Opfer gefallen war, wurden am 1. Oktober 1949 neue Glocken bei der Gießerei Pfundner in Wien bestellt, die am 18. Dezember geweiht wurden:

  • Glocke 1 Ton c‘ 1955 kg Marienglocke
  • Glocke 2 Ton e‘ 1055 kg Josefsglocke
  • Glocke 3 Ton g‘ 564 kg Petrus und Paulus
  • Glocke 4 Ton a‘ 425 kg hl. Florian, hl. Leonhard, hl. Sebastian

Eine kleine Sterbeglocke von 1695 ist erhalten.

Liturgische Geräte

Vor allem aus der späten Barockzeit sind dem Stift einige sakrale Gegenstände von zum Teil bedeutendem kunst- und kulturhistorischem Wert erhalten. So etwa eine 90 cm hohe Monstranz aus 1760/1770 oder eine Lavabogarnitur, welche das Wappen des Propstes Joseph Ferdinand Guidobald Graf von Spaur (später bayerischer Hofbischof in München) zeigt. Auch 2 mit Emailplaketten versehene Kelche besitzt das Stift.

Literatur

  • Walter Brugger: Die Gründung des Kollegiatstiftes Mattighofen, in: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 13, Linz 1981, S. 5–106.
  • Franz Sonntag: Bildchronik Mattighofen, Ried 1997.
  Commons: Pfarrhof Mattighofen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise