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vom 17.10.2015, aktuelle Version,

Lehrgang universitären Charakters

Der Lehrgang universitären Charakters war eine Studienform, die in Österreich von außeruniversitären Bildungseinrichtungen angeboten wurde. Je nach Ausbildungsdauer konnten an die Absolventen Mastergrade (durchschnittliche Studiendauer 4 Semester) oder akademische Expertentitel (durchschnittliche Studiendauer 2 Semester) verliehen werden. Die Mastergrade in der Weiterbildung sind allerdings nicht identisch mit den Mastergraden aufgrund des Abschlusses ordentlicher Studien (Masterstudien), auch wenn sie zum Teil denselben Wortlaut haben.

Geschichte und Ausblick

Lehrgänge universitären Charakters wurden mit dem Universitäts-Studiengesetz 1997 eingeführt; sie ermöglichten damit erstmals auch privaten Bildungseinrichtungen in Österreich, Studiengänge anzubieten und entsprechende akademische Grade wie den MBA zu verleihen. Die Lehrgänge wurden dazu vom zuständigen Bundesministerium geprüft und genehmigt.

In der Zwischenzeit änderten sich die Rahmenbedingungen für Hochschulbildung in Österreich grundlegend durch eine Reihe von Gesetzen (Fachhochschul-Studiengesetz, Universitäts-Akkreditierungsgesetz für Privatuniversitäten, Universitätsgesetz 2002). Lehrgänge universitären Charakters durften nur mehr bis Ende 2012 angeboten werden, Neuanträge waren noch bis Ende 2003 möglich.

Kritisiert wurde, dass Lehrgänge universitären Charakters einer nur minimalen Qualitätssicherung unterlagen,[1][2] während die privaten Bildungsträger vor entstehenden höhere Kosten für Studierende warnten.[3] Eine Nachfolgelösung wurde zunächst über das Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz (HS-QSG)[4] von 2011 gesucht.[2] In einem Entwurf waren „Zertifikatslehrgänge“[5] geplant, diese fehlen jedoch im letztlich beschlossenen Privatuniversitätengesetz.[6]

Rechtliche Einordnung der Abschlüsse

Ein erworbener Mastergrad (z. B. MPA - Master of Public Administration, MBA - Master of Business Administration, MA - Master of Arts usw.) ist im Sinne der österreichischen Rechtsvorschriften ein akademischer Grad. Masterlehrgänge mussten in den Zulassungsbedingungen, im Umfang und den Anforderungen mit entsprechenden ausländischen Masterstudien vergleichbar sein. Dies wurde vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung überprüft.

Die Mastergrade in der Weiterbildung (Universitätslehrgänge nach § 58 des Universitätsgesetzes 2002, Lehrgänge universitären Charakters nach § 28 des Universitäts-Studiengesetzes, Lehrgänge zur Weiterbildung nach § 9 Abs. 2 des Fachhochschul-Studiengesetzes sowie Hochschullehrgänge nach § 39 Abs. 2 des Hochschulgesetzes 2005) sind aber nicht identisch mit den Mastergraden aufgrund des Abschlusses ordentlicher Studien (Masterstudien), auch wenn sie zum Teil denselben Wortlaut haben.[7]

Akademische Expertentitel sind keine akademischen Grade, sondern Bezeichnungen, die den Inhalt der universitätsnahen Ausbildung widerspiegeln. Nach Abschluss eines entsprechenden Lehrganges können diese Titel im öffentlichen Schriftverkehr (Ämtern und Behörden etc.) auf Briefköpfen, Visitenkarten udgl. als Zusatzinformation angeführt werden, sie können aber nicht in Urkunden eingetragen werden. Die Expertentitel werden, sofern dies in der Ministerverordnung vorgesehen ist, mit einem die Inhalte des Lehrganges charakterisierenden Zusatz verliehen - z. B. „Akademische(r) Verwaltungsmanager(in)“, „Akademische(r) Unternehmensberater(in)“, „Akademische(r) Finanz- und Vermögensberater(in)“, „Akademische/r Industrial Engineer“ usw.

Einzelnachweise

  1. AK Wien: Wildwuchs bei Uni-Weiterbildungslehrgängen (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  2. 1 2 Kontroverse um "Lehrgänge universitären Charakters". In: DiePresse.com. 30. Mai 2010, abgerufen am 23. März 2012.
  3. Verband der ErwachsenenBildungsträger Österreichs (VEBÖ): Private Bildungsträger schlagen Alarm: Lehrgänge universitären Charakters brauchen sichere Zukunft – VEBÖ fordert Fortsetzung "Privater Akademischer Institute" - andernfalls entstehen höhere Kosten für Studierende. In: APA OTS0109 / 30. September 2010 / 10:39 / Channel: Politik. Abgerufen am 23. März 2012.
  4. Bundesgesetz über die externe Qualitätssicherung im Hochschulwesen und die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz – HS-QSG) StF: BGBl. I Nr. 74/2011 (ris.bka)
  5. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung: Neuordnung der externen Qualitätssicherung im Hochschulbereich (PDF; 19 kB)
  6. RIS: Privatuniversitätengesetz
  7. Mastergrade in der Weiterbildung (PDF; 21 kB), Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung