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vom 19.06.2020, aktuelle Version,

Schloss Seisenegg

Schloss Seisenegg – Südostseite

Schloss Seisenegg liegt in der Gemeinde Viehdorf unweit der Bezirksstadt Amstetten in Niederösterreich auf einem schmalen Felsgrat, auf dem sich bereits im 13. Jahrhundert eine Doppelburganlage befand.

Geschichte

Bereits im 13. Jahrhundert ist die Doppelburganlage Seisenegg als bedeutender Verkehrsknotenpunkt zwischen der Donau und dem Ybbsfeld nachweisbar. Ein „Heinrih de Sisaneke“ wird um 1267 in einer Lilienfelder Urkunde genannt.[1]

Im Jahr 1303 verkauften die ritterständischen Payn/Paiger ihre Anteile an der Burg an Heinrich I. von Walsee. Zur gleichen Zeit veräußerte auch Konrad, Sohn des geächteten Konrad von Summerau, den anliegenden freieigenen Burgstall zu Seuseneck an den Walseer.[2] Mit der Erbteilung der Walseer vom 25. Jänner 1350[3] kam die Feste Sewsenekk mit Schloss Scharnstein, den Gütern um Enns und weiteren Besitzungen an Reinprecht I. von Walsee, der mit seinen erfolgreichen Söhnen Rudolf I., Reinprecht II. und Friedrich V. den sogenannten Walseer „Zweig von Seuseneck“ begründete.[4] Bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1483 ließen die Walseer die Burg durch Pfleger verwalten. In diese Zeit fällt auch der wesentliche Ausbau der Burg mit dem mächtigen Bergfried und der zweigeschossigen Burgkapelle mit ihrem umfangreichen Freskenzyklus.

1483 brachte die Erbtochter Barbara von Wallsee den Besitz an die Grafen von Schaunberg. 1499 folgte Andreas „Krobath“ Ritter von Lappitz († 1506), der bereits 1484 als Pfleger auf Seisenegg eingesetzt worden war, nachdem er 11 Jahre zuvor die Herrschaft Leiben im Yspertal erworben hatte. Sein Enkel, der Jurist Ulrich von Lappitz († 1531) wird als Besitzer der Herrschaften Weitenegg, Leiben und Seisenegg genannt.

Im Jahr 1588 heiratete Christoph von Schallenberg Margaretha Marusch Lappitz von Seisenegg. Schallenberg wurde 1594 „Regent der niederösterreichischen Lande“ und 1595 Kommandant der Donauflotte.[5]

Der aus dem Wiener Bürgertum stammende Jurist und kaiserliche Rat in der Finanzverwaltung Johann Linsmayer (1542–1608) erwarb 1598 die Burg Seisenegg sowie zahlreiche andere Besitzungen in Niederösterreich, wie etwa Schloss Weinzierl, Schlickenreith, Edla, das Amt Neustadtl, Freyenstein, Karlsbach, Wasen; und das Kupferbergwerk Radmer in der Steiermark. Dort ließ er das kleine Schlößchen Greiffenberg errichten. 1602 wurde er in den erblichen Adelsstand als „Edler von Greiffenberg“ erhoben und erhielt noch 1608 die Freiherrenwürde.[6]

Als Ort der barocken Adelskultur wurde die zum wohnlichen Schloss umgestaltete Burg im 17. Jahrhundert durch die Dichterin Catharina Regina von Greiffenberg in Verbindung mit der Schallaburg bei Melk zu einem bedeutenden Zentrum protestantischer Kultur in Niederösterreich.[7]

Die Reichsfreiherren von Risenfels besaßen das Schloss vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Melanie von Risenfels (1898–1984) war mit Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana verheiratet.[8] Infolge einer Einsturzkatastrophe im Jahr 1923 wurde das mittelalterliche Hochschloss und Teile des Renaissancebaus dem langsamen Verfall preisgegeben, die Anlage blieb aber weiterhin bewohnt. Erst 1991 durch Thomas Wassibauer[9] und ab 2005 von Maximilian Mautner Markhof wurde das Burg-Schloss-Ensemble wiederhergestellt.[10]

Aktuelle Nutzung

Seit 2005 beherbergt das in Privatbesitz befindliche Schloss ein Kulturzentrum sowie ein Standesamt und bietet so den Rahmen für Konzerte und Hochzeiten.

Literatur

  • Viktor von Handel-Mazzetti: Die Zakking-Sumerauer. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Jahrgang 11, 1912, S. 41–115 (bes. S. 95–98 und Abschnitt „Die letzten Sumerauer und deren Verschwinden aus der Seuseneck-Sumerauer Gegend.“ S. 105–112), PDF auf ZOBODAT.
  • Max Doblinger: Die Herren von Walsee. Ein Beitrag zur österreichischen Adelsgeschichte. Aus dem Archiv für österr. Geschichte (Bd. XCV, II. Hälfte, S. 235) separat abgedruckt (= Archiv für österreichische Geschichte. Band 95, S. 235–578, I-15103/95, ISSN 0003-9322). Wien 1906, 344 Seiten (bes. Kapitel „Der Zweig von Seuseneck: Reinprechts I. Söhne Rudolf I., Reinprecht II. und Friedrich V. bis zur Wende des 14. Jahrhunderts.“ S. 73–102).
Commons: Schloss Seisenegg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Eintrag über Burg-Schloss Seisenegg auf NÖ-Burgen online – Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Universität Salzburg
  2. Handel-Mazzetti 1912, S. 95.
  3. Urkunde: Oberösterreichisches Urkundenbuch, weltlicher Teil (540-1399) 1350 I 25 im europäischen Urkundenarchiv Monasterium.net.
  4. Doblinger 1906, S. 73.
  5. Hans Hurch: Christoph von Schallenberg, ein österreichischer Lyriker des XVI. Jahrhunderts. Tübingen 1910.
  6. Horst-Joachim Frank: Catharina Regina von Greiffenberg. Leben und Welt der barocken Dichterin. Sachse & Pohl, Göttingen 1967, S. 10.
  7. Heimo Cerny: Catharina Regina von Greiffenberg geb. Freiherrin von Seisenegg (1633-1694). Herkunft, Leben und Werk der größten deutschen Barockdichterin. In: Amstettner Beiträge. Amstetten 1983.
  8. Eintrag in Burgen Austria: http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1668
  9. Großartiger Wiederaufbau von Schloss Seisenegg bei Amstetten. In: Amstettner Stadtnachrichten. 26. Mai 1992, S. 9.
  10. Viel neue Hoffnung für das Schloss Seisenegg. In: Niederösterreichische Nachrichten (NÖN), Ausgabe Amstetten, Woche 30/2005, S. 26.