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vom 06.08.2016, aktuelle Version,

Thyrsus (Sagengestalt)

Statue des Riesen Thyrsus über dem Portal der Stiftskirche Wilten, geschaffen von Nikolaus Moll 1716/19

Der Riese Thyrsus ist eine Sagenfigur aus Tirol, die in Leithen bei Reith gelebt haben soll.

Thyrsus wird in der Sage vom Riesen Haymon erwähnt. Überlieferungen zufolge war er stärker, gewandter und einen halben Kopf größer als Haymon.

Zur Zeit der Pest soll Thyrsus schwer erkrankt sein. Um die übrigen Dorfbewohner nicht anzustecken, soll er sich in den Gewölbekeller seines Hauses zurückgezogen haben, wodurch Leithen von der Pest verschont geblieben ist.

Allgemeines

Thürse, Thürsus oder Thurse sind in der germanischen Mythologie Bezeichnungen für urzeitliche Riesen. Die Hrimthursen sind demnach Frost- und Reifriesen, die vom Weltriesen Ymir abstammen.

In der Sage vom Riesen Haymon allerdings ist Thyrsus ein Eigenname.

Überlieferung

Die Ursache des Streits zwischen den beiden Riesen Haymon und Thyrsus wird unterschiedlich wiedergegeben:

Eine Überlieferung erzählt davon, dass Thyrsus sich vom neuzugereisten Haymon ("Rheinländer") provoziert fühlte, da er bereits seit Ewigkeiten im Oberinntal lebte.

Eine andere Überlieferung spricht von einer plötzlichen Zerstörung von Haymons Schloss. Eine Variante dieser Überlieferung berichtet, dass Thyrsus das Schloss zerstört habe, während Haymon schlief. Eine andere Form der Überlieferung spricht davon, dass Haymons menschliche Nachbarn die Tat begangen hätten, und dass Haymon durch die Anschuldigung eines Bauern gegen Thyrsus aufgebracht wurde, da der Bauer wissend den unschuldigen Thyrsus als den Täter nannte.

Der Kampf zwischen den beiden Riesen fand der Überlieferung nach beim Weiler Thyrschenbach – heute: Dirschenbach – statt.

Im Verlauf des Kampfes stach Haymon mit seinem Schwert dem Thyrsus eine tiefe Wunde in die Ferse, sodass ein Strahl hellen Blutes heraussprang. Thyrsus nahm einen Wasen, stopfte sich damit die Wunde zu und flüchtete ins 
Karwendel. Das 
viele
 Blut, 
welches 
er
 verloren hatte,
 sickerte 
ins 
Gestein. Haymon aber holte ihn in der Nähe des Leitnerkogel ein und erschlug ihn. Die letzten Worte des Riesen Thyrsus sollen gelautet haben: „Spritz Bluet! Sei für Viech und Menschen gut!“

Erst
 lange
 Zeit
 später, 
als
 die 
Geschichte
 längst 
vergessen 
war, 
fanden
 Bauern
 das heilende
 Thyrsusblut – von
 diesen "Dirschenblut"
 genannt – 
in
 den
 Steinen
der 
Karwendelbergen
. Aus dem Thyrsenblut wird das heilkräftige Tiroler Steinöl gewonnen.

Das Wappen von Reith bei Seefeld

Verschiedenes

  • Gegenüber von der Kapelle zum Heiligen St. Magnus in Reith (bereits in Leithen) liegt das Riesenhaus, worin Thyrsus gelebt haben soll.
  • Thyrsus wird zusammen mit einem Fisch (als Symbol für das Steinöl) im Gemeindewappen von Reith bei Seefeld dargestellt.

Literatur

  • Michael Unterwurzacher (Hrsg.): Im Reich des Patscherkofel. Sagen und Fakten rund um Innsbrucks Hausberg und das Südöstliche Mittelgebirge. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8482-4026-5.
  • Michael Forcher: Der Riese Haymon oder die wahre Geschichte, wie ein frommer Adelsherr zum Drachentöter und Klostergründer und nach Jahrhunderten zum Namenspatron für einen Literaturverlag wird. Haymon Verlag, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-85218-529-3.
  • Wolfgang Morscher, Berit Mrugalska-Morscher: Die schönsten Sagen aus Tirol. Haymon Verlag, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-85218-833-1.