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Martin Krusche & Richard Mayr#

"Interferenzen"#

Hier geht es in eine Praxis des Kontrastes. Vorweg: Grundverschiedene Codesysteme als bevorzugte Mediensizuationen zweier Akteure. Einer ist ein Mann der Texte. Einer ist in Bildwelten zuhause. Ein laufender Prozeß. Schriftsteller Martin Krusche und Fotograf Richard Mayr, überdies durch sehr unterschiedliche Lebenswelten und Biographien im Kontrast zueinander, haben im März 2018 einen dialogischen Prozeß eröffnet.

Richard Mayr bei der Bildbearbeitung – (Foto: Martin Krusche)
Richard Mayr bei der Bildbearbeitung – (Foto: Martin Krusche)

Der unmittelbare Auslöser dafür war ein dokumentarisches Foto, zu dessen Entstehen beide auf dem Set waren, ohne in der Sache voneinander zu wissen. Mayr steckte im Korb eines Feuerwehrkrans, um das künstliche Fundament eines Storchennestes zu fotografieren. Krusche kam als Passant vorüber und fotografierte das Fahrzeug-Ensemble, welches von dem riesigen Ausleger überragt wurde.

Als Mayrs Foto in den Social Media auftauchte, entspann sich ein Stück Verständigung darüber, was sich dahinter auftun mag. Mayr hat sich während vieler Jahre vor allem mit Reportagen und Menschenbildern befaßt, dabei sein Handwerk verfeinert, außerdem die Welt kennengelernt.

Krusche lotet derzeit Zusammenhänge und Schnittpunke zwischen drei Genres aus: Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst. Dabei spielt für ihn das Thema Design eine wichtige Rolle, weil es völlig grenzenlos verknüpft, was in der Antike einst über die Unterscheidung zwischen Artes liberales und Artes mechanicae als getrennt betrachtet wurde.

Was sind nun Erzählweisen der Kunst? Welche Wahrnehmungserfahrungen ergeben sich dort, wo Massenproduktion und Massenkonsum zusammentreffen? Welche unterschiedlichen Codes manifestieren sich, wenn Menschen ihre spirituellen und kulturellen Bedürfnisse umsetzen, ohne sich dabei um den etablierten Kunstbetrieb zu kümmern? Wie manifestiert sich das in einem konkreten Lebensraum, also etwa in der Kleinregion Gleisdorf?

Das 2018er Kunstsymposion mit dem Titel „Interferenzen“ wird im letzten Quartal des Jahres umgesetzt. Bis dahin soll der Dialog von Krusche und Mayr zu einigen Statements über die Arbeitsergebnisse geführt haben, die dann in einer Station dieses Prozesses gezeigt werden können und zur Debatte stehen.

Das Setting der Ausgangssituation“ – (Foto: Martin Krusche)
Das Setting der Ausgangssituation“ – (Foto: Martin Krusche)
Das Motiv auf dem Dach als Anlaß für Dialog und Diskurs: Was als Storchennest angelegt ist, kann natürlich, je nach Zuschreibung, auch eine ganz andere Funktion erhalten – (Foto: Richard Mayr)
Das Motiv auf dem Dach als Anlaß für Dialog und Diskurs: Was als Storchennest angelegt ist, kann natürlich, je nach Zuschreibung, auch eine ganz andere Funktion erhalten – (Foto: Richard Mayr)

Damit wird dann eine Option eröffnet, über die der Dialog nach außen getragen werden kann. Das zielt auf die Konferenz in Permanenz, in deren Rahmen 2019 erörtert werden soll, worauf sich ein geistiges Leben abseits des Landeszentrums stützen kann, durch das Positionen möglich sind, auf denen wir uns den fundamentalen Umbrüchen dieser Zeit gewachsen fühlen.

Da kann sich kulturelles Leben nicht in dekorativen Momenten erschöpfen, denn die neue Automatisierungswelle der Vierten Industriellen Revolution erschüttert derzeit unsere sozialen und kulturellen Fundamente.

Das heißt, wir erleben derzeit eine anregende Modernisierungskrise, in der wir die menschliche Koexistenz mit Maschinen neu deuten müssen, weil die Maschinen inzwischen Dinge können, welche wir bisher bloß Menschen zugetraut haben. Richard Mayr ist übrigens als Unternehmer mit solchen Zusammenhängen vertraut. Siehe dazu: Roboter Robert (Ein Zimmer als Knecht). Das bedeutet, dieses Projekt ist von Erfahrungen zum Themenspektrum in Theorie und Praxis getragen. Zum Thema Vierte Industrielle Revolution und deren Hintergünde siehe: Industrielle Revolutionen (Ein kleiner Überblick)

Bild 'symp2018_600'

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