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Notiz 048: Jenseits des Jammertals#

(Ein Auftakt)#

von Martin Krusche

Wenn der Schatten des Habichts den Hühnerhof streift, verfallen die Küken in Panik. Wir haben es prinzipiell besser. Wir sind nicht dem simplen Triebsystem ausgesetzt, wonach ein auslösender Impuls dazu führt, daß man ein bestimmtes Verhaltensprogramm abspult, egal, ob es sinnvoll ist oder nicht. (Oder doch?)

Bild 'notiz048'

Nun liegt eine Woche Lockdown hinter uns. Die Pandemie, in der sich das Coronavirus zu verbreiten sucht, setzt uns Grenzen, macht damit aber andere Möglichkeiten auf. Als Freelancer stehe ich einerseits unter dem erheblichen Druck, daß derzeit meine ganze Jahresplanung den Bach runtergegangen ist, was auch bedeutet, ich hab gerade wichtige Geschäftsgrundlagen verloren.

Dem steht andrerseits gegenüber, daß ich genau solche Schläge schon kenne und mich damit vor allem seit 2010 mehrmals vertraut machen durfte. Das lief jedesmal ohne Einbettung in die kollektive Erfahrung mit derlei Krisenmomenten, weshalb ich mich im aktuellen Lockdown leicht zurechtfinde. Es ist so viel geselliger.

Hinzu kommt, daß ich heute nicht mehr für kleine Kinder sorgen muß und als freischaffender Künstler gründlich geübt bin, mit knappen Mitteln durch schwierige Zeiten zu kommen; bei über 40 Jahren Home Office-Praxis.

Damit will ich sagen, daß ich derzeit nicht gewillt bin, in Depressionen oder helle Aufregung zu verfallen, sondern in dieser Situation handlungsfähig bleiben möchte. Ich möchte mich mit versierten Leuten verständigen, um das beschädigte Arbeitsjahr abzufangen, gut fundierte Projekte weiterzubringen und neue Schritte zu setzen, die einer sich so stark ändernden Situation gerecht werden.

Nicht immer sieht man den Sturm kommen#

Das war während der 12. Kalenderwoche 2020 gut zu erledigen. Ich hatte davor schon beschlossen, die „Konferenz in Permanenz“ neu hochzufahren. Klares Wetter, aber eigentümliche Unruhe. Mitte März war einmal mehr zu notieren: „Vernetzung ist kein Inhalt, sondern ein Werkzeug!“ Siehe dazu: Eine interessante Krise (Oder: Katharsis gibt’s nicht beim Diskonter)!

Ich hab dieser Tage in Forscher Franz Nahrada ein Gegenüber gefunden, mit dem schnell ein Grundkonsens zu finden war, damit es gleich losgehen konnte. Außerdem war mit dem Belgrader Künstler Selman Trtovac die Verständigung ansatzlos auf einem gemeinsamen Punkt, was leicht fiel, weil wir miteinander schon viele Kooperationssituationen absolviert haben. Siehe dazu: Selman und ich (Zur Konferenz in Permanenz)

Nun sind backstage auch noch andere Kulturschaffende in den Austausch gegangen. Jetzt klären wir:

  • Welche Kompetenzen und bevorzugten Themen bündeln sich in unserer Verständigung?
  • Welchen Themen geben wir gerade Vorrang und: verdichten sich dabei bestimmte Schnittpunkte?
  • Lassen sich daraus ein paar Vorhaben ableiten, für die wir eine Zusammenarbeit reizvoll fänden?
  • Was heißt das für die Praxis und wann geht es los?

Schaltstelle, Umschlagplatz…#

Ich verstehe meine „Konferenz in Permanenz“ in dem Zusammenhang jetzt als eine Art Relaisstation. Ich gehe vorerst davon aus, daß Nahrada für unsere Kooperation ein „Basislager“ einrichten/anbieten wird, dem ich zuarbeite, während ich – davon unabhängig – weiter verfolge, was ich mir für 2020 vorgenommen hab.

Da mag man durchschimmern sehen, was ich für ein völlig unverzichtbares Grundprinzip der Wissens- und Kulturarbeit in der Provinz halte: Wir zentralisieren nicht! Siehe dazu auch: Was unverzichtbar bleibt! Die aktuelle „Konferenz in Permanenz“ hat einen Rahmen, eine direkte Vorgeschichte mit dem Titel „Dorf 4.0“. Wie kommt das 4.0 in dieses Gefüge? Ein schlichter Raster:

  • Dorf 1.0: Die alte agrarische Welt.
  • Dorf 2.0: Umbrüche durch eine teilweise Industrialisierung der Region.
  • Dorf 3.0: Das Agrarische, Industrielle und Urbane hat sich in den Dörfern verzahnt.
  • Dorf 4.0: Die Vierte Industrielle Revolution ändert das alles völlig.
Siehe dazu: Das Dorf und die Vier! Es geht dabei unter anderem um eine kollektive Kultur- und Wissensarbeit in der Region, was meint: jenseits des Landeszentrums. Siehe dazu: Das Ringen um Zukunftsfähigkeit!

Wenn die schon erwähnte Verständigung backstage gelingt, wird es weitere Bezugspunkte oder Relaisstationen geben, an denen erfahrene Leute aus dem Kulturbetrieb ihren Schwerpunkt greifbar machen. Wer sich jetzt im Jammertal wohlfühlt, braucht über einen Mangel an Gesellschaft nicht zu klagen. Mir ist es dagegen weit lieber unterwegs zu sein. Da bleibt man auch nicht einsam.