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Notiz 050: Die Ehre des Handwerks 2021#

(Ein Teilbereich des Geflechts)#

von Martin Krusche

Eines der unausrottbaren Krusche-Mantras in der regionalen Wissens- und Kulturarbeit lautet: Vernetzung ist kein Inhalt, sondern ein Werkzeug! Wir haben alle erlebt, wie über die Jahre derlei Begriffe – Nachhaltigkeit, Solidarität, Szene, Vernetzung etc. – zu einer Art von Duftmarken gewandelt wurden. Die Wörter wanderten in die Regale der Public Relations. Ihre kritische Befragung findet eher nicht statt.

Zwei Schrauber bei guter Laune: Feinmechaniker Karl Lagler (links) und Gastronom Gottfried Lagler.
Zwei Schrauber bei guter Laune: Feinmechaniker Karl Lagler (links) und Gastronom Gottfried Lagler.

Ich bin seit einer Weile damit beschäftigt, eine Arbeitssituation zu vertiefen, in der ich mit ganz unterschiedlichen Menschen aus höchst unterschiedlichen Kompetenzbereichen zu tun hab. Nein, wir gründen nichts. Wir hissen keine Flagge. Wir kommunizieren und kooperieren.

Ich hab kürzlich mit dem Schrauber und Gastronom Gottfried Lagler begonnen, mich auf einer praktischen Ebene dem Thema „Die Ehre des Handwerks“ zu widmen. Dazu gehört dieses ethische Prinzip: Man sagt nur, was man kann. Und man kann das, was man sagt.

Das Aufbauschen von Posen, die nicht durch ausreichende Sachkenntnis unterlegt sind, gehört zu den sicheren Mitteln, um aus einem Schuppen, einer Werkstatt, einer Garage hochkant rauszufliegen. Ein Großmaul vergeudet bloß anderer Menschen Zeit.

Staunen und fragen#

Ich hatte eben so eine Situation auf dem Anwesen von Feinmechaniker Karl Lagler. Zu zehn Dingen, die mir vertraut waren, kamen 20 Dinge, die ich nicht wußte, aber er. Soll ich ein Geheimnis verraten? Der gute Handwerker hält Nichtwissen, das sich zeigen darf, nicht für Inkompetenz, sondern für Kompetenz.

Dumm ist, wer ohne Sachkenntnis und ohne zu fragen loslegt, während neben ihm ein erfahrener Mensch steht. Ich hab übrigens noch nie erlebt, daß es mir einen Gesichtsverlust eingebracht hätte, zu einem Routinier zu sagen: Ich weiß das nicht.

Jüngst übrigens bei einem Werkzeug, das ich schon öfter gesehen hab, aber nicht zuordnen konnte. „Wofür ist das? Für Brunnröhrl?“ (Auweia! Dazu müßte es was von einem Bohrer haben. Hat es nicht.) Die Antwort: zum Zerkleinern von Rüben, Kartoffeln oder Obst als Futter für Tiere.

Allerhand Werkzeug ist heute nicht mehr allgemein bekannt.
Allerhand Werkzeug ist heute nicht mehr allgemein bekannt.

Das Vernetzen. Ich suche und pflege Kontakte zu Menschen ganz wesentlich nach der Qualität unseres Umgangs miteinander. Freilich schätze ich ein breites Panorama unterschiedlicher Kompetenzen. Und ich bevorzuge es, wenn jemand sich aus eigenem Antrieb bewegen mag, sich nicht auf Trittbretter schwingt, um wo mitzufahren.

Trifft sich das mit einem passenden Kommunikationsverhalten und etlichen Schnittpunkten in den Interessenslagen, dann wird sehr viel möglich. Was nun „Die Ehre des Handwerks“ angeht, habe ich dazu schon öfter gearbeitet. Das geht nun aktuell auf eine nächste Ebene.

In der alten agrarischen Welt war Handfertigkeit eine Kompetenz von zentraler Wichtigkeit. Sie war ein Angelpunkt, um den sich die Frage nach dem Wohlergehen der Leute einer Wirtschaft drehten. Aus diesem Bereich kamen wichtige Beiträge, die aus der Oststeiermark, einem vormaligen Armenhaus der Monarchie, jene blühende Gegend machten, deren Vorteile wir heute genießen dürfen. Allein deshalb ist es ein wichtiger Aspekt meines Gesamtvorhabens.

Rückblickend#