Ring#

Ring
Das Wort bezeichnet alles Kreisförmige. Als Schmuck und Amulett sind seit altersher Fingerring, Ohrring und Armreifen bekannt, teilweise mit symbolischer Bedeutung wie beim Ehering (Bindung, Ewigkeit …). Mit den Steinen am Ring verband sich der Glaube an bestimmte Eigenschaften und Wunderkräfte. Siegelringe kannten schon die antiken Völker. Ringe waren auch Opfergaben oder Zeichen der Freundschaft. 

Den Verlobungsring gaben Griechen, Römer und Germanen dem Vater der Braut als Zeichen des Ehevertrages. Erst im christlichen Mittelalter erhielt sie selbst die "goldene Fessel". Der Ringtausch bei der Hochzeit wurde Ende des 12. Jahrhunderts Brauch, als die kirchliche Trauung an Bedeutung gewann. Die gleiche Bedeutung, die lebenslange Bindung, kommt auch bei der Profess von Klosterfrauen zum Ausdruck.

Magische Ringe dachte man als mit Zauberkräften begabt. Nach landläufiger Meinung machen sie unsichtbar und unverletzlich, lassen Gedanken lesen und Schätze heben, erregen Liebe, be- und entzaubern und bringen allgemein Glück. Als Orakel (neuerdings als Pendeln wieder sehr beliebt) hängt man seinen Ring an einen Faden und beobachtet dessen Bewegung. Ohne Handbewegung steuert das Unbewusste das Pendel. 

Der Ringfinger (Goldfinger) ist nach alter Meinung durch Nerven oder Adern direkt mit dem Herzen verbunden, weshalb man hier die Eheringe trägt. Die Bezeichnung "Digitus medicinalis" oder Arztfinger verweist auf den Gebrauch des Ringfingers bei Heilungsgesten. 

Ringreiten und -stechen kommt bei Frühlingsbräuchen vor, von denen manche an Ritterspiele erinnern, wie z.B. das Ringelreiten 

Bekannte Redensarten sind "Ringtausch" für heiraten, "Einen Ring durch die Nase ziehen" (jemanden als dumm behandeln - erinnert an den Nasenring der Tanzbären). 

Die Ringelblume oder -rose (Calendula off.) ist ein Korbblütler. Der Name kommt von den ringförmigen Samen. Sie blüht von Juni bis zum Frost intensiv goldgelb bis orange und wurde als Färbemittel von Lebensmitteln und zur Verfälschung von Safran verwendet. Blüten und junge Blätter sind essbar. Wegen der aromatischen Inhaltsstoffe fand sie medizinische (Wundsalben, Tee) und kosmetische Verwendung, kann aber auch Allergien auslösen. Sie wurde im Liebeszauber verwendet und auf Gräbern gepflanzt. Die Blüte folgt dem Lauf der Sonne und schließt sich über Nacht. Bleibt sie am Morgen geschlossen, deutet dies auf Regen hin.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 675 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1935/1987. Bd. 7/Sp. 702 f., Bd. 2/Sp. 149
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2/S.1245f.

Bild:
Andenken an ein goldenes Professjubiläum, Wien 1924. Kleines Andachtsbild. Gemeinfrei


Siehe auch:
Ringe in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern