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Kraftwerk Straße#

Ein französisches Unternehmen hat einen Straßenbelag entwickelt, der Strom produziert.#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 14. Oktober 2016) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Straßenbelag, der Strom produziert
Konzipiert für die schlaue Stadt: eine Solarstraße.
Foto: © Colas/Joachim Bertrand

Wien/Paris. (aum) Die Energie liegt auf der Straße. Zumindest im Fall der französischen Firma Colas. Sie hat einen Straßenbelag entwickelt, der aus Solarpaneelen besteht. Auf diese Weise könnte man beispielsweise die Straßenbeleuchtung mit Strom versorgen, oder man könnte Elektroautos auftanken - die Einsatzmöglichkeiten sind zahllos. Wattway, heißt dieses revolutionäre Produkt und 20 Quadratmeter davon reichen beispielsweise aus, um die Stromversorgung eines durchschnittlichen Haushalts sicherzustellen, erklärte Colas-Sprecher Pascal Tebibel auf einem Symposium zum Thema Smart Cities im Haus der Europäischen Kommission am Mittwoch in Wien.

Fotovoltaischen Zellen sind an sich sehr fragil. Doch durch mehrere Beschichtungen aus Harz und Polymeren werden diese derart geschützt, dass sie sogar den schwersten Lkw standhalten. Trotzdem kommt noch genügend Licht für die Stromproduktion durch. Wer handelsübliche Solarpaneele kennt, weiß, dass es sich dabei um eine glatte Angelegenheit handelt. Ungeeignet also für die Straße, wo - egal ob für Fußgänger oder Kraftfahrzeuge - Grip gefragt ist. Doch auch daran hat Colas gedacht: Die oberste Schicht der Zellen ist rutschfest und mit herkömmlichen Asphalt vergleichbar. Bestehende Straßen müssen nicht der fotovoltaischen Fläche weichen. Sie kann direkt auf dem bestehenden Belag angebracht werden, dessen natürlicher Ausdehnung sie sich sogar anpasst.

Der Preis wurde nicht verraten, jedoch übersteigt er jenen handelsüblicher Solarpaneele. "Wir haben noch nicht das Stadium industrieller Serienfertigung erreicht", sagte Tebibel im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Allerdings will man 2018 so weit sein.

In Frankreich sind bereits erste Tests angelaufen. Umweltministerin Ségolène Royal will 1000 Kilometer Straßen mit Solarzellen auslegen lassen. Im Département Vendée findet sich inzwischen die erste Elektro-Tankstelle, die durch den innovativen Straßenbelag mit Strom versorgt wird. Anfragen für die Solarstraße kommen laut Tebibel in Europa sowohl aus nordischen Staaten als auch aus dem Süden. Wien habe jedoch noch kein Interesse bekundet.

Wiener Zeitung, Freitag, 14. Oktober 2016