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Buchstabieralphabet#

(Auch Buchstabiertafel und -tabelle benannt)

Kurbeltelefon anno 1890 - Die schlechte Übertragungsqualität machte die Einführung einer Buchstabiertafel nötig, die von den Fernmeldebehörden (Post & Telegraph; Eisenbahn; Schiffahrt) erlassen und veröffentlicht wurde, in der täglichen Praxis auch in Telephonbüchern.

An die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1934 erfolgte Reinigung der deutschen Buchstabentafel von unerwünschten Namen (vgl. Änderung von Straßennamen) erinnert der Newsletter des Dudens : „Unter nationalsozialistischer Herrschaft waren da besonders biblische Namen betroffen, die als jüdisch aufgefasst und daher ,arisiert‘ wurden. So wurde aus David Dora, aus Jacob Jot, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried und aus Zacharias Zeppelin.“

Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde in Deutschland das Telefonalphabet "entnazifiziert" und die Änderungen zumindest teilweise rückgängig gemacht, zwei der ursprünglich fünf jüdischen Namen rehabilitiert: Samuel und Zacharias, dieses Glück hatten David, Jakob und Nathan nicht. Während sich Dora und Nordpol bis heute halten konnten, wurde das nationalsozialistische Jot zu Julius. Ein Comeback feierten Berta, Friedrich und Heinrich (ex: Berta, Fritz, Heinz). Neu in der deutschen Buchstabiertafel, DIN 5009 (aus 1996) in der für Diktate die „postalische Buchstabiertafel“ vorgeschlagen wird, sind der Kaufmann (ex Kurfüst, ursprünglich Karl), Martha (ex Marie) und der Übermut (ex Übel, ursprünglich Überfluß).

Bild 'Buchstabieralphabet_AT_DE'

Bild 'Buchstabieralphabet_I_EU'

In Österreich gilt das Buchstabieralphabet durch ÖNORM A 1081 aus 2010 genormt. Bei den meisten Buchstaben stimmt die österreichische Buchstabiertabelle mit der deutschen nach DIN 5009 überein, doch es gibt einige Buchstaben, bei denen unterschiedliche Begriffe zugrunde gelegt werden. So wird nach der in Österreich verwendeten Buchstabiertabelle der Name Konrad für den Buchstaben K verwendet, (gemäß der deutschen Buchstabiertafel Kaufmann); "Ö" für Österreich, Xanthippe für Xaver und das deutsche "Eszett" heißt scharfes S.

Doch in Österreich wurde nicht ein einziger der fünf biblischen Namen wiederbelebt und selbst das nationalsozialistische "Übel" hat, im Gegensatz zur DIN 5009, überlebt!

In zahlreichen Zeitungsartikeln und Leserbriefen, sowohl in Deutschland als auch in Österreich, wurde und wird diese symbolische, jedoch tief verwurzelte Übernahme und Beibehaltung der NS-Zeit angeprangert und nach einer behutsamen Reform auch des Buchstabieralphabets gerufen, doch die Realität sieht anders aus:

Das DIN Deutsche Institut für Normung e.V., das die Buchstabiertafel als DIN 5009 verwaltet, plant, noch im Jahr 2020 eine Expertenkommission einzusetzen, welche diese Tafel reformieren soll.

Gemäß des für österreichische Normen zuständigen "Austrian Standard Institute" (Österr. Normeninstitut) wurde die ÖNORM A 1081 ersatzlos zurückgezogen: "Es gibt kein zuständiges Fachkomitee mehr, da ein breites Anschreiben an Stakeholder zu keiner Rückmeldung führte. Bei neuerlichem Interesse an diesem Fachbereich gibt es die Möglichkeit, im A.S.I. ein workshop zur Erarbeitung einer ON-Regel zu beantragen"...

Der schwarze Bequemlichkeits-Fleck auf der Weste Österreichs bleibt.

Weiterführendes#

Bericht von: Kurt Hengl