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Ist doch nur Geld?! #

Viele Frauen finden das Thema Finanzen langweilig. Oder sie haben Angst. Doch Finanzwissen ist lernbar, und genau das sollten Frauen auch tun. Denn die Alternative lautet: Viel Spaß in der Altersarmut! Ein Plädoyer. #


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: Die Furche (4. März 2021)

Von

Barbara Haas


Monetäre Symbolik. Den 1000- Schilling-Schein zierte einst die Pazifistin und erste Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Die Visionärin setzte sich zeitlebens für die Emanzipation der Frau ein.
Monetäre Symbolik. Den 1000-Schilling-Schein zierte einst die Pazifistin und erste Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Die Visionärin setzte sich zeitlebens für die Emanzipation der Frau ein.

Ich mag keine Horrorfilme. Die Geschichten sind fad, und es hat schon einen Grund, warum die mit „special effects“ überhäuften Filmstücke quasi nie einen Oscar abstauben. Und: Tatsächlich machen sie mir Angst, und die brauche ich als Alltagskick nicht. Aber es ist egal, wenn ich dieses Filmgenre komplett ignoriere, denn es schadet mir nicht. Womit wir beim Thema wären. Und der Frage: Gibt es Parallelen zwischen Horrorfilmen und Finanzen? Ja, denn vielleicht langweilen mich Bilanzen, Aktien oder Fonds auch zu Tode, oder sie sind mir zu undurchsichtig oder gruseln mich sogar – aber wenn ich mich vor der Kontrolle meiner Finanzen wegducke, entsteht mir zu 100 Prozent ein Schaden. Frauen, die sich nicht aktiv um ihr Geld, ihre Vorsorge und ihr Vermögen kümmern, sind ärmer. Und zwar ärmer, als sie sein müssten.

Eigenes Bankkonto erlaubt seit 1957 #

Und damit hier kein falscher Gedanke aufkommt: Frauen sind auch so schon benachteiligt, was Geld, Vermögen und die Höhe ihrer Pension angeht. Das nennt man strukturelle Benachteiligung, denn Frauen verdienen weniger als Männer, das heißt Gender-Pay-Gap. Frauen sind zwar mittlerweile besser ausgebildet, aber sie streben immer noch überproportional Berufe an, die schlechter bezahlt werden – ich sage, das ist ein globales Missverhältnis, weil Berufe mit gesellschaftlicher Relevanz zwar immer stärker gebraucht werden, aber immer noch einfach weniger wertgeschätzt sind. Und Frauen haben, was ihre Einkommenskurve übers Leben angeht, Nachteile, wenn sie Kinder bekommen. Sollte nicht sein, ist aber so. In Zahlen heißt das: Frauen, die ein Kind kriegen, haben auch zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes ein Einkommen, das 51 Prozent unter dem liegt, was sie ein Jahr vor der Geburt hatten (wie eine Studie der Uni Zürich für Österreich erhoben hat). Und nur der Vollständigkeit halber: Bei Männern schlägt sich die Vaterschaft de facto nicht nieder. Frauen sind also mit der noch immer oft unfairen Gehaltsstruktur, ihren systematisch unterbezahlten Jobs und der ganzen Care-Arbeit ganz grundsätzlich benachteiligt. Dass ein Teil des Gender-Pay- Gaps auch durch die viele Teilzeit kommt, dass diese wiederum mit unzureichenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu tun hat und dass am Ende Frauen stehen, die eine durchschnittliche Pension von 1167 Euro brutto bekommen (Männer: 2024 Euro brutto), ist ein Ergebnis dieser strukturellen miesen Behandlung von Frauen und ihrer gesellschaftlichen Leistung. Aber kommen wir zurück zu meinen ungeliebten Horrorfilmen und der Armut, die nicht sein müsste. Nämlich jene, die durch Angst oder Ignoranz entsteht. Das Internet ist voll mit Sprüchen wie „Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?“ oder „Wenn bei mir wer einbricht und nach Geld sucht, stehe ich noch auf und helfe mit!“ – Sprüche, die sich gerne an Frauen wenden und noch viel lieber von Frauen geteilt und gelikt werden. Warum? Weil es „eh nur Geld“ ist oder weil es reicht, dass sich „das Paar Schuhe ausgeht“? Oberflächlich betrachtet könnte man mutmaßen, dass Frauen das Thema Geld auf die leichte Schulter nehmen. Tatsächlich ist es aber so, dass Frauen vom Geld immer ganz weit weggehalten wurden. Und zwar nicht, weil sie sich nicht dafür interessierten, sondern weil man sie dort einfach nicht haben wollte. Und man musste sie dort auch nicht hinlassen, die rechtliche Absicherung nahm man sich aus dem Jahr 1811. Das Gesetz, das bis zur Familienrechtsreform 1976/1978 galt, beschreibt die Scheidungsanwältin Helene Klaar in einer ORF-Dokumentation zum Weltfrauentag recht deutlich. „Der Mann durfte die Frau vertreten, er durfte ihr Vermögen verwalten, die Zinsen ihres Vermögens durfte er sich für die Mühe der Verwaltung behalten.“ Frauen wurden also geheiratet, und Männer machten (ihre) Geschäfte. Erst seit 1957 dürfen Frauen in Österreich überhaupt ein eigenes Konto haben und erst seit 1975 dürfen Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten. Und erst die Arbeit machte – alle beneidenswerten Erbinnen einmal ausgenommen – ein eigenes Konto notwendig. Aktuell hat noch immer jede siebte Frau in Österreich kein eigenes Bankkonto – zu diesem Ergebnis kam eine Erhebung der Hello Bank im Oktober 2020. Die Themen Geld, Arbeit und die Frage, welchen Wert ich diesen beiden im Zusammenhang gebe, waren also für Frauen lange Zeit tabu.

So, jetzt aber endlich die gute Nachricht: Geld ist gar nicht schmutzig! Und noch eine gute: Man darf und soll auch darüber reden. Zur Abwechslung haben sich das Internet und Social Media einmal als eine positive Kraftquelle offenbart, denn in den letzten Jahren sind ein paar richtig tolle Finanz- Influencerinnen aus dem Boden geschossen, die gegen all diese Tabus ankämpfen und das auch noch mit großem Erfolg. Eine, die mich sehr beeindruckt, ist Natascha Wegelin, besser bekannt als Madame Moneypenny. Die 35-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in die finanzielle Unabhängigkeit zu begleiten. Das macht sie über einen Blog, ein Buch, über Workshops, und sie hat auf den Sozialen Medien bereits eine enorm große Fangemeinde. Was sie tut? Sie fordert Frauen heraus, rät ihnen dazu, ein Haushaltsbuch anzufangen, um überhaupt rauszufinden, wo gespart werden kann und wo Potenzial für einen Vermögensaufbau steckt. Oft bekommt sie aber Antworten wie „Ich hab doch keine Zeit für so ein Haushaltsbuch“ oder „Ich denke, bei meinem Einkommen nützt das ohnehin nichts“. Diesen Frauen sagt sie: „Ja, also dann wünsche ich viel Spaß in der Altersarmut und in der Abhängigkeit – es gibt nämlich keine Alternative –, auch wenn du Alleinerzieherin bist. So sieht es aus!“ Ich hatte Natascha zu Gast beim „Wienerin Gründerinnentag“ und war von ihrer forschen, deutschen Art erst selbst ein bisschen eingeschüchtert, doch der Erfolg gibt ihr recht. In ihren „Moneystories“ erzählen Frauen davon, wie sie es tatsächlich geschafft haben, ein Vermögen aufzubauen oder zumindest ihre Schulden loszuwerden. Manchmal geht beides innerhalb eines Jahres, und eine betroffene Frau sagte damals: „Ich hätte es zwar nie für möglich gehalten, aber so schwer war es gar nicht.“

Patschen-Portfolio für Faule #

Eine zweite, sehr beeindruckende Finanzfrau ist Larissa Kravitz, besser bekannt als Investorella. Die Wienerin kommt aus einer Bankerfamilie und hat ihre erste Aktie mit 14 Jahren gekauft, doch was sie will, ist nicht ein „Wow, toll“ für ihren Lebensweg, sondern ein „Aha, so geht das“ ihrer Hörerinnen, denen sie in ihrem Podcast regelmäßig Tricks aus der Finanzwelt beibringt. Dass man keine Angst vor Aktien haben muss, dass eine gute Idee für die Vorsorge nicht Sparbuch heißt, sondern man sich besser ein Patschen-Portfolio anlegt – das übrigens, wie der Name schon sagt, eine Anlegeform für Faule ist.

Diese dringend notwendige Bewegung ist gerade erst in Gang gesetzt worden, doch für mich ist sie eine der feministischsten Zeichen unserer Zeit, denn nur das eigene Geld stärkt die eigene Unabhängigkeit. Ja, es war und ist ein Genderthema – denn Moneytalks wurden die längste Zeit nicht mit Mädchen geführt, doch die Zeit ist reif. Auch für diesen Perspektivenwechsel. Oder um mit Madame Moneypenny zu sprechen: „Wenn du deine Finanzen nicht kontrollierst, dann tut es jemand anders!“

Die Autorin ist Ressortleiterin „Geld & Gründen“ des Magazins „Wienerin“ sowie Vorstandsfrau von „Frauennetzwerk Medien“.

Die Furche, 4. März 2021