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Ludwig Feuerbach - Gesammlte Werke, Band 1
Seite - 587 -
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bis sie es zusammenscharrt und an allen Ecken und Enden im Schweiß ihres Angesichts zusammenbettelt, das bringt in einer attischen Nacht der schwelgerische Geist in Saus und Braus durch, wie er einst die dicken Folianten der Scholastiker, die auf Kosten und mit der Approbation des päpstlichen Stuhls gedruckt worden waren, durch Carte- sius, Bacon und andere Gedankenfürsten preiswürdigen An- denkens — wer von uns erinnert sich nicht mit herzlichem Vergnügen an diese schönen Universitätsjahre der neuern Menschheit! — zum Ärger der Philisterwelt mit jugend- lichem Mutwillen zum Fenster hinauswarf. Und was das Schlimmste bei der Sache ist: Die Welt weiß noch bis diese Stunde nicht, so sehr sie sich darüber den Kopf zer- bricht, woher der Geist die Mittel zu so großem Aufwand bekommt; denn sowenig die Welt, wie männiglich be- kannt, von Wißbegierde gepeinigt wird, so sehr wird sie es von der Neugierde, und namentlich der, zu wissen, wie- viel einer täglich zu verzehren hat. Die Welt schätzt näm- lich den Mann ganz richtig nur nach dem, was er vermag, was er ausrichten kann. Da nun aber die WTelt, d. h. die meisten Menschen gar keinen oder höchstens nur einen sehr geringen Fonds an Geist und Gemüt besitzen, da das Geld allein das Mittel ihrer Selbstbetätigung und die Quelle ihrer Produktivität ist, so wird — ebenfalls ganz richtig — in der Welt der Wert des Menschen nur nach dem Inhalt seines Geldbeutels angeschlagen, die Summe seiner Geistes- kräfte gleich der Summe seines pekuniären Vermögens an- gesetzt, daher schon die Griechen das Sprichwort hatten: XQ}],uar' avrjo, auf deutsch: Geld ist der Mann. Das große Interesse aber, das die Menschen daran haben, genau und gewissenhaft ihre Kräfte gegenseitig zu berechnen und zu taxieren, kommt von dem Gefühl ihres eignen Un- vermögens her, von ihrem Mißtrauen gegeneinander und von dem Neide, den einer gegen den andern hat, wenn er ein bißchen mehr hat oder es ihm auch nur an Aufwand zu- vortut. Wenn einer dem andern in den Geldbeutel gesehen hat, so hat er ihn gewissermaßen in seinem Neglige über- rascht, wo er sich überzeugen kann, ob die Rolle, die er in der Welt spielt, einen reellen Grund hat oder bloßer Wind ist; er hat jetzt den rätselhaften Knoten seines Lebens, der ihm vorher ein störender dunkler Schmutz- 587
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Ludwig Feuerbach Gesammlte Werke, Band 1
(Gemeinfreie Teile)
Titel
Ludwig Feuerbach
Untertitel
Gesammlte Werke
Band
1
Herausgeber
Werner Schuffenhauer
Verlag
AKADEMIE-VERLAG BERLIN
Datum
1981
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
11.6 x 17.8 cm
Seiten
468
Kategorie
Geisteswissenschaften

Inhaltsverzeichnis

  1. Gedanken über Tod und Unsterblichkeit 175
    1. Vorsprüche 177
    2. Demütige Bitte 179
    3. Vorwort des Herausgebers 180
    4. Einleitung 183
      1. I. Gott 203
      2. II. Zeit, Raum, Leben 241
      3. III. Geist, Bewußtsein 318
      4. IV. Reimverse auf den Tod 360
      5. V. Schluß 388
      6. VI. Anhang: Xenien 407
  2. Der Ursprung des Bösen nach Jakob Böhme 517
  3. Abälard und Heloise oder Der Schriftsteller und der Mensch 533
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