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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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400 »Generalplan Ost« und die Slowenen. modern anmutende sozioökonomische, ökologische und landschaftsplanerische Elemente, etwa die Anlage von »wasserwirtschaftlich und klimatologisch wich- tigen Schutzpflanzungen«. Sahen frühere Pläne eine Dezimierung der einheimischen Bevölkerung durch »Evakuierung« vor, so sollten jetzt Teile der »boden- ständigen Bevölkerung« auf Kolchose- und Sowchose- land »umgesetzt« werden, teilweise sogar Besitzrechte an Grund und Boden erhalten, allerdings nur jene, die nach »Auslese nach dem Leistungsprinzip« dazu beru- fen schienen. Die erwünschte Dezimierung der slawi- schen Bevölkerung ergibt sich indirekt durch gewaltige (kolonnenweise) Zwangsarbeitsprojekte sowie die ge- forderte radikale »Entstädterung« – allein für die Re- gion Leningrad war eine Reduktion der Bevölkerung um drei Millionen Menschen vorgesehen. Seit Sommer 1942 ging es allerdings nicht mehr bloß darum, die »rassen- und raumpolitischen« Ziele allein im Osten durchzusetzen, sondern es eröffnete sich jetzt die Chance, diese auch im Westen, in allen erober- ten und besetzten Gebieten umzusetzen. Zwar hatte die »Lösung der Judenfrage« absolute Priorität, doch Himmler forcierte weiter »seinen« »Generalplan Ost« und verlangte diesen zu einem europäischen »Gesamt- siedlungsplan« umzubauen, in den neben den Ostge- bieten nun auch das Elsass, Lothringen, Oberkrain die Südsteiermark sowie Böhmen und Mähren einbezogen werden sollten (Alsace, Lorraine, Gorenjska, Štajerska, Česko, Moravsko) (Heinemann, Wissenschaft  …, 2006, 53). Dieser »Generalsiedlungsplan«, erstellt durch das Planungsamt des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums unter Federführung Konrad Meyers, datiert am 29. Oktober 1942, existiert nur in Fragmenten, fertiggestellt wurde er nie. Der Mangel an brauchbaren und umsiedlungswilligen Siedlern, vor al- lem aber der Kriegsverlauf – nach Stalingrad flohen die begehrten »Volksdeutschen« in Massen vor der Roten Armee – machten das Planungswerk schwieriger. Aus den erhaltenen Fragmenten geht indes hervor, dass, wie von Himmler erwünscht, bei der flächenmäßigen Be- rechnung nun auch die Gorenjska (Oberkrain) und die Štajerska (Untersteiermark) einbezogen worden waren (Dispositionen und Berechnungsgrundlagen für einen Generalsiedlungsplan, 29. Oktober 1942 und 23. De- zember 1942). Der »Generalplan Ost« und der »Generalsiedlungs- plan« wurden auf dem Höhepunkt des Massenmordens in Osteuropa entwickelt, als Millionen sowjetischer Kriegsgefangener und Millionen Juden starben. Wäh- rend die »Endlösung« trotz der militärischen Verluste unerbittlich fortgeführt wurde, erlosch nach der Nie- derlage von Stalingrad das Interesse Hitlers an einem endgültigen Generalplan Ost. Nach dem Ausbleiben eines militärischen Sieges erwies sich der »Generalplan Ost« nur abgeschwächt realisierbar (Snyders, 414), doch Teilprojekte wurden bis zum Ende des Krieges umgesetzt. So erfolgte etwa auf Grundlage der Fassung des »Generalplan Ost« vom Mai 1942 die Aussied- lung von mehr als hunderttausend Polen und Juden aus der Region Zamość (Generalgouvernement). Und nach dem »Generalsiedlungsplan« vom Oktober 1942 wurden rund 100.000 Menschen aus dem Elsass, aus Lothringen und Luxemburg in den unbesetzten Teil Frankreichs »umgesiedelt«. Ebenfalls nach dem »Generalsiedlungsplan« wurden 35.000 bis 40.000 Slowenen und Sloweninnen aus dem Gebiet Brežice nach Serbien und Kroatien abgescho- ben (dem sog. Ranner Dreieck in der Štajerska [Un- tersteiermark], das ist das an der Sava [Save] gelegene Gebiet zwischen Krško [Gurkfeld], Brežice [Rann], Sevnice [Lichtenwald] und Radeče [Ratschach]). Es galt Platz zu schaffen für die Umsiedlung von Gott- scheer Deutschen aus dem Gebiet der Sprachinsel im Kočevje (Gottschee) im ehemaligen österreichischen Kronland →  Krain/Kranjska, das damals italienisch besetztes Gebiet war (Haas, Stuhlpfarrer, 599). 1942/43 erfolgten weitere Zwangsaussiedlungen in das Deutsche Reich : 35.092 Slowenen und Slowenin- nen aus der Štajerska (Untersteiermark) und 3.324 aus der Gorenjska (Oberkrain) und der →  Mežiška dolina (Mießtal) (Karner, 2000, 307). Im »Generalsiedlungsplan« vom Oktober 1942 wa- ren die Slowenen erstmals ausdrücklich erwähnt und ihnen eine »Wiedereindeutschungsfähigkeit« von 50 Prozent attestiert worden, d. h., der Hälfte der Slowenen und Sloweninnen war zugebilligt worden, germanisiert zu werden, der anderen Hälfte war das Schicksal der Zwangsarbeit zugedacht. Als »Gesamtbevölkerungs- zahl« war im »Generalsiedlungsplan« für die Goren- jska (Oberkrain) und die Štajerska (Untersteiermark) 737.200 ausgewiesen, davon wurden als »vorhandene deutsche Bevölkerung« 107.500 klassifiziert, weitere 331.000 galten als »eindeutschungsfähig«. Die Diffe- renz zwischen der vorhandenen Bevölkerung abzüg- lich der deutschen und der »eindeutschungsfähigen« Bevölkerung galt als »rassisch unerwünscht«. Diese 298.700 Slowenen sollten durch »deutsche Siedler« er- setzt werden (Roth, 1993, Tabelle II. »Erstrebte Bevöl-
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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