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»Generalplan Ost« und die Slowenen.
Buchcover Drava Verlag
kerungszahl und Siedlerbedarf«). Dieser Logik folgend
wurde die slowenische Bevölkerung aller annektierten
Gebiete durch den Apparat des RKF, insbesondere
aber des »Rasse- und Siedlungshauptamts« (RuSHA),
einer Selektion nach den rasse- und erbbiologischen
Merkmalen der »Deutschen Volksliste« unterzogen
(Heinemann, Göttingen 2003, 282 f.). Nach Plänen
des »Reichskommissariats für die Festigung deutschen
Volkstums« sollten 220.000 bis 260.000 Slowenen in
drei Wellen ausgesiedelt werden. Tatsächlich wurden,
nach einem Tätigkeitsbericht des RKF von Ende 1942,
etwa 17.000 »deutschfeindliche« Slowenen nach »Rest-
serbien« »evakuiert« ; 37.000 slowenische und →
»win-
dische« Grenzbewohner teils als »Eindeutschungsfä-
hige« (11.000), teils als »fremdvölkische« Arbeitskräfte
ins Altreich verbracht (Aly, 286).
Bei der Deportation der 917 Kärntner Slowenen
(Männer, Frauen und Kinder) in Lager der Volksdeut-
schen Mittelstelle (VoMi) im Deutschen Reich am 14.
und 15. April 1942 scheint ein Zusammenhang mit
dem »Generalplan Ost« weniger eindeutig. Mit Aus-
nahme von Tone Ferenc wird ein Zusammenhang
zwischen der Vertreibung von Kärntner Slowenen und
dem »Generalplan Ost« in der Literatur kaum erwähnt. Wohl vor allem deshalb, weil sich der Erlass Himm-
lers vom 25. August 1941 zu allererst der Umsiedlung
der Kanaltaler widmet (→ Val Canale/Kanaltal/Ka-
nalska dolina). Diese aber war schon im Rahmen des
deutsch-italienischen »Abkommens über die Umsied-
lung der Deutschen aus Südtirol« vom 23. Juni 1939
vorgesehen, lange bevor ein »Generalplan Ost« über-
haupt existierte. Darüber hinaus wurde in den Köp-
fen der Nationalsozialisten die Frage der Umsiedlung
der deutschen Minderheit aus Südtirol spätestens seit
1939 (eventuell auch schon seit Ende der Zwanziger-
jahre) mit der Vertreibung der Slowenen aus Kärnten/
Koroška verbunden.
Vergleicht man allerdings die am 14./15. April 1942
durchgeführte »Aktion K« mit der Zwangsaussiedlung
der Slowenen aus der Štajerska (Untersteiermark) und
aus der Gorenjska (Oberkrain) und der im November
1941, so wird deutlich, dass Organisation, Komman-
dostruktur, Durchführung und Ablauf nahezu iden-
tisch sind (Karner, 2005, 21). Im Unterschied zu den
aus den besetzen jugoslawischen Gebieten ausgesie-
delten Slowenen kam es bei den Kärntner Slowenen
jedoch nicht zu einer generellen rassischen Überprü-
fung (Karner, 2005, 21). Eine solche erübrigte sich
offenbar, da alle von der »Aktion K« Betroffenen als
»volks- und staatsfeindlich« klassifiziert wurden und
somit ohnehin bloß eine strafweise Deportation ins
»Altreich« zwecks Zwangsarbeit infrage kam. In der
»Anordnung Nr. 46/I des Reichskommissars für die
Festigung deutschen Volkstums« vom 25. August 1941
heißt es dazu : »Zur Bereinigung der volkspolitischen
Lage« seien die »Betriebe der etwa 200 slowenischen
Familien dieses Gebietes, die als volks- und staatsfeind-
lich bekannt sind« heranzuziehen (Absatz 3). Unter
Punkt 4 : »Die Feststellung, welche Slowenen als staats-
feindlich zu evakuieren bzw. in das Altreich zu über-
führen sind, erfolgt durch die Dienststellen des Chefs
der Sicherheitspolizei und des SD, der sich wegen der
geplanten Ansetzung von Kanaltalern auf den Betrie-
ben der Slowenen mit den Dienststellen des Reichs-
kommissars für die Festigung deutschen Volkstums in
Verbindung setzt« (Sima, 156 f.). Tatsächlich wurden
alle aus Kärnten/Koroška in die Lager der Volksdeut-
schen Mittelstelle, nämlich Hesselberg, Frauenaurach,
Hagenbüchach, Schwarzenberg, Rehnitz, Eichstätt,
Wildsheim, Ettlingen, Rastatt, Weisenburg, Wernfels,
Gerlachsheim, Buch, Altenberg-Terneberg, Rettenbach
und Altötting, deportierten Slowenen – ob Frauen,
Männer oder Jugendliche – zur Zwangsarbeit in ver-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55