Seite - 406 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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Germ, Matthias
Stempel mit Jahresab-
schluss 1930 der Hranilnica
Št. Tomaž (Detail)
Ortsdreieck (→ Bürgermeister, Ortsbauernführer und
NS-Ortsgruppenleiter) sowie die deutschen Genossen-
schaftsverbände eine wesentliche Rolle. Inkludiert war
auch Alois Maier Kaibitsch als Beauftragter des
Reichskommissars für die Festigung deutschen Volks-
tums, RKFDV. Alle Vorsitzenden der Kreditgenossen-
schaften und viele weitere Funktionäre wurden inhaf-
tiert oder im April 1942 ins Deutsche Reich deportiert
(→ Deportationen 1942). Personell wird die Vernich-
tung mit dem kommissarischen Verwalter aller slowe-
nischen Kassen und der Zveza koroških zadrug Karl
Geissner, dem Direktor der Raiffeisen-Zentralkasse
in Klagenfurt/Celovec, verbunden. Der »Abwicklung«
versuchte man einen rechtlichen Anstrich zu geben und
die Liquidierung der Genossenschaften wurde mit Ra-
tionalisierungsmaßnahmen im Genossenschaftswesen
begründet (vgl. auch → »Generalplan Ost«).
Lit.: Letopis slovenskih posojilnic 1889–1909. Celje 1889–1909 ; Jubi-
läums-Bericht der Zentralkasse landwirtschaftlicher Genossenschaften in
Kärnten pro 1909 anläßlich der Feier des zehnjährigen Bestandes. Kla-
genfurt 1910 ; J. Sitter : Die Anfänge des slowenischen Genossenschafts-
wesens in Südkärnten und deren Struktur, Einordnung und Position in
der österreichischen Genossenschaftsorganisation unter besonderer Berück-
sichtigung der Warenorganisation (Dipl.-Arb.). Linz 1981 ; A. Malle :
Pomen slovenskih hranilnic in posojilnic na Koroškem. In : 100 let Poso-
jilnice Dobrla vas. Dobrla vas 1990, 13–41 ; A. Malle : Nekateri aspekti
obnove slovenskega zadružništva na Koroškem po drugi svetovni vojni.
In : V. Rajšp [e. a.] (Hg.) : Melikov zbornik. Ljubljana 2001, 95–106 ; A.
Malle : Vloga slovenske duhovščine pri vzpostavljanju ekonomskih struk-
tur na Koroškem. In : T. Bahovec (Hg.) : Eliten und Nationwerdung.
Klagenfurt/Celovec 2003, 223–263 ; A. Malle [e. a.] : Vermögensentzug,
Rückstellung und Entschädigung am Beispiel von Angehörigen der slowe-
nischen Minderheit, ihrer Verbände und Organisationen. In : C. Jabloner
[e. a.] (Hg.) : Veröffentlichungen der Österreichischen Historiker-
kommission. Bd. 23/1. Wien-München 2004.
Avguštin Malle
Germ, Matthias (Matthäus, Matej, * 17. Jänner 1867
Adlešiči [Črnomelj, Bela krajina], † 17. Februar 1923
Eisenkappel/Železna Kapla), Priester.
Nach dem Theologiestudium in Klagenfurt/Celovec
und der Ordination (1892) wirkte G. als Kaplan in Kla-
genfurt/Celovec (1892–1893), St.
Jakob i. R./Šentjakob
v R. (1893–1894), St. Michael ob Bleiburg/Šmihel pri
Pliberku (1894–1895), als Provisor in St.
Stephan unter
Feuersberg/Šteben (1895–1896) und in Rabelj/Raibl/
Cave del Predil (1896–1909). Seit 1909 war er Pfarrer
in → Eisenkappel/Železna Kapla, wo er bis zu seinem
Tod wirkte. G. setzte sich in der Pfarre und Schule für
die Rechte der Slowenen ein und musste in der labilen
Zeit vor der →
Volksabstimmung die Zerstörung des Pfarrhofes vor allem durch aufgebrachte einheimische
Frauen hinnehmen, so die Pfarrchronik.
Quellen : ADG, Personalakt Germ ; Liber memorabilium, Chronik der
Pfarre Eisenkappel.
Lit.: J. Till : Die Kärntner Slowenen und die Diözese Gurk-Klagenfurt.
In : A. Moritsch (Hg.) : Kärntner Slovenen. Koroški Slovenci 1900–
2000. Klagenfurt [e. a.] 2000, 67–169 ; P. G. Tropper : Nationalitäten-
konflikt, Kulturkampf, Heimatkrieg, Dokumente zur Situation des slowe-
nischen Klerus in Kärnten 1914–1921. Klagenfurt 2002.
Josef Till
Germanisierung, Prozess und/oder planmäßige Po-
litik der »Eindeutschung« nicht deutscher oder nicht
deutschsprachiger Territorien und Menschen durch
graduelle Kolonisierung und Besitzergreifung oder
durch Assimilierung von nicht deutschsprachigen bzw.
historisch von nicht »germanischen« Völkern und de-
ren Gebieten.
In Kärnten/Koroška ist G. in der Frühphase der in-
terkulturellen Beziehungen als Prozess zu verstehen,
der auf wirtschaftliche, politische und feudalrechtliche
Ursachen zurückzuführen ist. Dabei indiziert etwa das
Fortbestehen paralleler Rechtsordnungen, des Standes
der → Edlinger/kosezi und einer zumindest partiell
eigenständigen → Edlingergerichtsbarkeit aufgrund
des frühmittelalterlichen → Personalitätsprinzips ins-
besondere Prozesse der → Akkulturation. Gleiches gilt
angesichts der → Windischen-Ideologie des Erzher-
zogtums Kärnten/Koroška grundsätzlich auch für die
frühe Neuzeit.
Nach Bogo →
Grafenauer umfasste das ursprüng-
lich von → Slawen Ende des 6. Jh.s besiedelte Gebiet
den Raum zwischen Donau/Donava und der oberen
Adria/Jadran, zwischen dem Ursprungsgebiet der Drau/
Drava und dem Balaton/Plattensee/Blatno jezero in der
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55