Seite - 409 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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Germanisierung, statistische
248 ; B. Grafenauer : The National development of the Carinthian Slove-
nes. Ljubljana 1946 (www.sistory.si/SISTORY :ID :24794) ; M. Kos :
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4 (1951) 9–19 ; K. Stuhlpfarrer : Germanisierung in Kärnten. 50 Jahre
antislowenische Politik. In : Neues Forum 19 (1972) 39–45 ; G. Fischer :
Das Slowenische in Kärnten, Bedingungen der sprachlichen Sozialisa-
tion. Eine Studie zur Sprachenpolitik. Wien, Sprache und Herrschaft,
Zeitschrift für eine Sprachwissenschaft als Gesellschaftswissenschaft,
Reihe Monographien Nr. 1 /1980 ; A. Suppan : Die österreichischen
Volksgruppen. Tendenzen ihrer gesellschaftlichen Entwicklung im 20 Jahr-
hundert. Wien 1983 ; B. Grafenauer (Hg.) : Urban Jarnik (1784–1844),
Andeutungen über Kärntens Germanisierung/Pripombe o germaniza-
ciji Koroške. Klagenfurt/Celovec 1984 ; Th. Domej : Die Slowenen in
Kärnten und ihre Sprache mit besonderer Berücksichtigung des Zeitalters
1740 bis 1848. (Phil Diss.). Wien 1986, VII, 562 S.; B. Grafenauer :
Oblikovanje severne slovenske narodnostne meje. Ljubljana 1994 (www.
sistory.si/ ?urn=SISTORY :ID :26736) ; W. Wadl : Magdalensberg, Na-
tur, Geschichte, Gegenwart, Gemeindechronik. Klagenfurt 1995, Zitat S.
150 ; J. Hösler : Vom »Kampf um das Deutschtum« über die »Ostforschung«
zur »Freien Sicht auf die Vergangenheit« – Krain und die Untersteier-
mark des 19. Jahrhunderts im Spiegel der deutschsprachigen Geschichts-
schreibung. In : V. Rajšp [e. a.] (Hg.) : Melikov zbornik. Ljubljana 2001,
121–151 ; A. Malle (Red.) : Die Vertreibung der Kärntner Slowenen/
Pregon koroških Slovencev 1942–2002. Klagenfurt/Celovec 2002 ; H.
Valentin : Die Entwicklung der nationalen Frage in Kärnten 1918–1945.
In : H. Valentin, P. Karpf, U. Puschnig (Hg.) : Der Staatsvertrag von
Wien 1955–2005 : Die Kärntner Perspektiven. Kärnten Dokumen-
tation, Bd. 22. Klagenfurt 2006 (www.volksgruppenbuero.at/images/
uploads/band22_final_sc.pdf), 43–44 ; M. Klemenčič, V. Klemenčič :
Die Kärntner Slowenen und die Zweite Republik – zwischen Assimilie-
rungsdruck und dem Einsatz für die Umsetzung der Minderheitenrechte.
Klagenfurt/Celovec [e. a.] 2010, 39–51 (Volkszählungen bis 1939)
105–130, (Volkszählungen 1951–1971) 155–226 (Volkszählungen
1976–2001).
Bojan-Ilija Schnabl
Germanisierung, statistische, Verwendung statisti-
scher Mittel zum Zwecke der → Germanisierung von
Regionen bzw. statistischer Einheiten. Während das
Ziel der St. G. immer dasselbe war, d. h., die relative
Zahl der Angehörigen von nicht deutschen Sprach-
gruppen oder nicht deutscher ethnischer Gruppen so
gering wie möglich darzustellen, war diese Methode
in unterschiedlichen historischen Phasen unterschied-
lich gewichtet. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges
versuchten die österreichisch-ungarischen Behörden
mit den Mitteln der St. G. die führende Rolle der
deutsch- und ungarischsprachigen Bevölkerung bei der
Entscheidungsfindung über alle bedeutenden staatspo-
litischen Fragen zu rechtfertigen. Trotz der intensiven
diesbezüglichen Bemühungen stellten jedoch die An-
gehörigen der deutsch- bzw. ungarischsprachigen Be-
völkerung 1910 lediglich 45,1 % der Gesamtbevölke-
rung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Nach dem Zerfall der Monarchie versuchten die Behörden
vor allem im österreichischen Teil Kärntens mit den
Mitteln der St. G. zu beweisen, dass Kärnten/Koroška
ein deutsches Land sei, um damit den Anschluss des
mehrheitlich slowenisch besiedelten Teiles → Süd-
kärntens an Österreich zu rechtfertigen. Andererseits
versuchten die Behörden mit den Mitteln der St. G.
die Forderungen der österreichischen Volksgruppenan-
gehörigen nach Volksgruppenschutz gemäß Art. 62–69
des Friedensvertrags von Saint-Germain zu übergehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Zweck der
St. G., die statistische Relevanz der Angehörigen der
slowenischen und kroatischen Volksgruppe in Kärn-
ten/Koroška, Steiermark/Štajerska und im Burgenland/
Gradišće/Gradiščanska zu verringern, um so die Be-
stimmungen des Art. 7 Österreichischer Staatsvertrag,
der ebenso die Volksgruppenrechte definiert, zu unter-
laufen.
Die Behörden führten die St. G. mittels der Feststel-
lung der → Umgangssprache aus, d. h. jener Sprache,
die eine Person unabhängig von der → Muttersprache
in der Öffentlichkeit verwendete. Diese Fragestellung
war für Angehörige von Volksgruppen und → Minder-
heiten die ungünstigste. Denn sie machte es für An-
gehörige ebendieser Gruppen in der Monarchie und
später in der Republik Österreich faktisch unmöglich,
ihre Muttersprache anzugeben, wenn sie in einem
mehrheitlich deutsch bzw. in einem sprachsoziologisch
deutsch dominierten Sprachgebiet oder in deutschen
Sprachinseln (z. B. in urbanen Zentren) lebten. Für alle
österreichischen Spracherhebungen nach dem Ersten
Weltkrieg ist auch die Veränderung der Definition für
dieselbe statistische Bevölkerungskategorie charak-
teristisch. Bei der St. G. machten in allen Phasen der
Spracherhebung jene Kräfte ihren Einfluss geltend, die
gegen eine völlige Gleichberechtigung der »Minder-
heiten« mit der »Mehrheit« waren. Diese versuchten
(bis zur letzten Sprachenerhebung 2001), insbeson-
dere in Kärnten/Koroška, in der Steiermark/Štajerska
und im Burgenland/Gradišće (slow. Gradiščanska), auf
unterschiedlichste Weise ihr Ziel zu erreichen, die tat-
sächliche zahlenmäßige Stärke der Angehörigen der
Volksgruppen in allen Phasen der Volkszählung zu be-
weisen : von den Vorbereitungen und Umsetzung der
Volkszählung bis hin zur Erklärung der Ergebnisse und
deren Verwendung bei der Volksgruppengesetzgebung.
Die habsburgischen Behörden führten erstmals 1846
eine Erhebung der ethnischen Struktur der Bevölke-
rung unter der Leitung von Karl → Czoernig durch,
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55