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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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428 Glančnik, Dr. Jernej Glančnik, Dr. Jernej (* 22. August 1844 St.  Stefan/ Šentštefan [Völkermarkt/Velikovec], † 14. Jänner 1905 Maribor), Anwalt, ethnopolitisch engagierter Aktivist im Genossenschaftswesen und in der Wirtschaft. G. besuchte laut Šlebinger die Volksschule in sei- nem Heimatort, das Gymnasium in Klagenfurt/Celo- vec, inskribierte 1864 an der juridischen Akademie in Zagreb, studierte danach Jus in Graz (1865–1869) und promovierte 1871. G. war danach Konzipient in Kranj, →  Celje und →  Maribor, wo er 1877 eine eigene An- waltskanzlei eröffnete. Ab 1869 liefen mit seinem Zu- tun Vorbereitungen zur Gründung einer slowenischen Darlehenskasse nach tschechischem Vorbild, die jedoch auf systematischen ethnonational begründeten Wider- stand und Schikanen seitens der deutsch orientierten steirischen Landesbehörden bzw. der Statthalterei stieß. Diese wiesen mehrere Ansträge, teils weil sie auf Slo- wenisch waren, zurück, und so wurden die Statuten erst 1872 genehmigt. Auf seine Initiative (Šlebinger) bzw. zusammen mit Franc Rapoc (1842–1882) (An- drejka/Baš) wurde schließlich 1882 die Posojilnica za Maribor in okolico [Sparkasse für Maribor und Umge- bung] in Maribor gegründet. G. leitete sie bis zu sei- nem Tod, wobei er sie zu einem blühenden Geldinstitut der slowenischen Untersteiermark/Spodnja Štajerska ausbaute, das sich in einer national-verteidigenden Rolle sah : Die Posojilnica förderte das slowenische Ge- sellschafts- und Vereinsleben, unterstützte Schulen in Abwehr der diesbezüglichen Aktivitäten →  deutsch- nationaler Vereine und »rettete unzählige slowenische Bauernhöfe, Händler und Gewerbetreibende vor dem Konkurs« (Kronika slovenskih mest, 1935). Die Posojil- nica wurde mit der Zeit zur Säule der wirtschaftlichen Autonomie der steirischen Slowenen. Gleichzeitig mit der Posojilnica wurde 1882 das Slovensko politično dru- štvo [Slowenischer politischer Verein] gegründet, in dem sich G. ebenfalls engagierte. Aktiv war er auch im Katoliško tiskovno društvo [Katholischer politischer Ver- ein] und zwischen 1894–1898 in der Čitalnica [Lese- verein]. Die Posojilnica errichtete 1899 den Narodni dom [Volkshaus] nach Plänen des tschechischen Ar- chitekten Jan Veijrych als einen wahren slowenischen Vereinspalast (Šlebinger), in dem zahlreiche sloweni- sche Vereine ihren Sitz hatten. Die Gründungsurkunde – die bei Restaurierungsarbeiten 1964 wiedergefunden wurde, ist von Dr Jernej Glančnik, Franjo Dolenc, Josip Rapoc, Dr. Franc Voušek, Dr. Anton Mlakar, Jožef Knez, dem Leiter des Gebäudes Dr. Filip Terč, Ivan Majcinger und Dr. Ferdinand Dominkuš ge- fertigt (Zgodovinsko društvo dr. Franceta Kovačiča). G. unterstützte ethnopolitisch engagierte Unternehmen, besonders auch Schüler, und wirtschaftete vorbildlich. Lit./Web : SBL (Janko Šlebinger : Glančnik, Jernej [1844–1905] http://www.slovenska-biografija.si/oseba/sbi201122/ ; Rudolf An- drejka, Franjo Baš : Rapoc, Franc [1842–1882]) – K. Vertovšek, KMD 1906, 25 (nach Šlebinger) ; Posojilnica v Mariboru (Narodni dom). In : Kronika slovenskih mest Jg 2 (1935) 58–59, URN :NBN :SI :DOC- FDRUZN9P, www.dlib.si ; B. Hartman : Narodni dom Maribor – 100 let Narodnega doma, www.nd-mb.si/arhiv/100-let-narodnega-doma/ ; Dr. Filip Terč, Zgodovinsko društvo dr. Franceta Kovačiča (google : Nakaj-zapisov-o-dr-Filipu-Tercu) Bojan-Ilija Schnabl Glas pravice [Stimme der Gerechtigkeit] (1921), ers- tes slowenisches Blatt in der Zeit nach der →  Volks- abstimmung in Kärnten/Koroška. Herausgeber waren Valentin →  Podgorc und Jurij →  Trunk in Klagen- furt/Celovec. Vorgesehen war eine vierzehntägliche Erscheinungsweise, doch erschienen vom 21. Jänner bis zum 10. Juli lediglich 11 Nummern. Ab der 3. Num- mer wurde das Blatt in Wien gedruckt, da in Kärnten/ Koroška alle Druckereien den Druck verweigerten. Seine Ausrichtung war christlichsozial, doch war er in zahlreichen Fragen sehr ambivalent. Der verantwort- liche Herausgeber Valentin Podgorc hatte bereits während der Volksabstimmungszeit, mehr jedoch noch danach, einige Ansätze der deutschen Kärntner Politik übernommen, vor allem die Parole von der natürlichen Einheit des Landes und der wirtschaftlichen Verbin- dung der Bauern mit Klagenfurt/Celovec. Im Blatt überwogen wirtschaftliche Beiträge. In den Beiträgen kommen antisozialistische Haltungen zutage, →  An- tisemitismus und ein Mangel an Verständnis für die Frauenfrage. In zahlreichen deutschsprachigen Beiträ- gen wurden insbesondere die markantesten Beispiele der Verfolgungen und Diskriminierungen identitätsbe- wusster Slowenen in der Zeit nach der Volksabstim- mung aufgezeigt, es wurde die konsequente Einhaltung des →  Vertrags von Saint-Germain gefordert und ein eigenständiges Auftreten bei Wahlen propagiert. Lit.: ES (A. Malle). – T. Zorn : Glas pravice – prvi slovenski časnik na avstrijskem Koroškem po plebiscitu. In : ČZN n. v. 11 (1975) 323–329. Avguštin Malle ; Üb.: Bojan-Ilija Schnabl Glaser, Karel (Karol, * 3. Februar 1845 Reka [Hoče– Slivnica, Štajerska], † 18. Juli 1913 ebd.), Orientalist, Indologe, Literaturhistoriker, Übersetzer.
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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