Seite - 440 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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Görtschacher, Urban
(KKSAD) [Klub der Kärntner slowenischen Akademi-
ker in Wien].
Görtschacher, Urban (* um 1485 ; † nach 1530), Ma-
ler, → Bildstock.
Görz → Gorizia/Gorica/Görz/Gurize.
Gosposvetski zvon [Maria-Saaler Glocke], natio-
nalverteidigender slowenischer Verein in Ljubljana
und Prevalje in den frühen 1920er-Jahren. Der Ver-
ein wurde bald nach dem Ende des Ersten Weltkrie-
ges in Ljubljana gegründet. Der erste Vorsitzende war
Dr. Radolsav → Kušej. Ihm folgte in dieser Position
Dr. Josip Ciril → Oblak, der später auch einige Zeit
Vorsitzender des Vereins Bran-i-bor war. Der Kern der
Mitglieder des Gosposvetski zvon setzte sich aus der slo-
wenischen Intelligenz zusammen, die gezwungen war,
Kärnten zu verlassen (→ Vertreibung 1920). Bereits
nach zwei Jahren hatte der Verein ca. 1.000 Mitglieder.
Nach der →
Volksabstimmung wirkte der Verein noch
einige Jahre, hörte dann jedoch auf zu bestehen, da
seine nationalverteidigenden Aufgaben von der → Ju-
goslovanska matica und danach vom → Klub koroških
Slovencev [Klub der Kärntner Slowenen] übernommen
und wahrgenommen wurden. Der Verein Gosposvetski
zvon sorgte in erster Linie für die Propaganda im Zu-
sammenhang mit der Volksabstimmung und setzte sich
für eine Vereinigung des slowenischen Teiles → Süd-
kärntens mit Jugoslawien (→ Volksabstimmungspro-
paganda). Nach der Volksabstimmung galt seine Sorge
jenen Kärntner Slowenen, die in Österreich geblieben
waren und jenen, die für Kärnten/Koroška wirkten so-
wie für die kärntnerslowenischen Flüchtlinge im dama-
ligen → Jugoslawien. Der Gosposvetski zvon hatte in der
ersten Hälfte der 1920er Jahre eine bedeuten Funktion
im öffentlichen Leben. Unterstützung sammelte er auf
unterschiedliche Weise : durch Schenkungen, durch die
Veranstaltung von Sportveranstaltungen, durch Bü-
chersammlungen usw. Einige Zeit war der Gosposvetski
zvon parallel mit der Jugoslovanska matica tätig, danach
kamen dessen Mitglieder zur Ansicht, dass für Kärn-
ten/Koroška eine eigene Organisation notwendig sei.
Der Verein veröffentlichte auch Literatur zu Kärnten/
Koroška.
Lit.: T. Zorn : Koroški Slovenci v letih 1920–1930. In : J. Pleterski, L.
Ude, T. Zorn (ur.) : Koroški plebiscit. Ljubljana 1970, 514 ; A. Suppan :
Jugoslawien und Österreich 1918–1938. Bilaterale Aussenpolitik im euro- päischen Umfeld. Wien, München 1996, 644 ; J. Stergar : Klub koroških
Slovencev v Ljubljani. In : T. Bahovec (Hg.) : Eliten und Nationwer-
dung/Elite in narodovanje – Die Rolle der Eliten bei der Nationali-
sierung der Kärntner Slovenen/Vloga elit pri narodovanju koroških
Slovencev (Unbegrenzte Geschichte/Zgodovina brez meja, Bd./zv.
10). Klagenfurt/Celovec [e. a.] 2003, 36 ; D. Grafenauer : Življenje in
delo Julija Felaherja in koroški Slovenci (Phil. Diss., Univerza v Mari-
boru). Maribor 2009.
Danijel Grafenauer ; Üb.: Bojan-Ilija Schnabl
Gostinčar, Josip (Publizist, Kulturaktivist) → Mir
[Der Friede].
Grabelsdorf/Grabalja vas im Frühmittelalter. Die
heutige Ortschaft Grabelsdorf/Grabalja vas unterhalb
des Felsrückens der Gracarca/Gračarca südlich des
Klopeiner Sees/Klopinjsko jezero im → Jauntal/Pod-
juna war bereits prähistorisch ein bedeutender Sied-
lungspunkt, was zahlreiche hallstatt- und La-Tène-
zeitliche Grabfunde widerspiegeln. Ein zugehöriges
Herrschaftszentrum wird auf dem Höhenrücken der
Gracarca/Gračarca angenommen, der auch als mög-
liche Variante für die Lokalisierung der norischen
Hauptstadt Noreia diskutiert wird. Römerzeitliche
Spolien aus der Umgebung lassen auch eine kaiserzeit-
liche bzw. spätantike Siedlung im Umfeld vermuten.
Im Verlauf des 7. Jh.s etabliert sich im Bereich des
heutigen Grabelsdorf/Grabalja vas eine frühmittelal-
terliche Siedlung, deren Bevölkerung sich anhand zahl-
reicher Grabfunde manifestiert. Auf einem prominen-
ten Geländesporn knapp oberhalb der Siedlung fanden
sich mehrere hallstattzeitliche Hügelgräber, La-Tène-
zeitliche Kenotaphe sowie frühmittelalterliche Kör-
perbestattungen. Im flachen Gelände darunter wurden
Hinweise auf weitere frühmittelalterliche Körpergräber
und Brandbestattungen beobachtet. Von besonderer
Bedeutung für die archäologische Erforschung → Ka-
rantaniens war die Nachbestattung eines Mannes im
dominierenden, eisenzeitlichen Tumulus auf dem Ge-
ländesporn. Er war mit einer awarischen Gürtelgarni-
tur, zwei Messern, einem Knochenbehälter, einem da-
maszierten, einschneidigen fränkischen Schwert (Sax)
und einem fränkischen Reitersporn ausgestattet. Diese
Kombination westlicher Bewaffnung und Rüstung mit
östlicher Tracht und Repräsentationsweise gilt als ty-
pisch für die Zeit der eigenständigen Herrschaft sla-
wischer Eliten über den Ostalpenraum und findet sich
in den slawisch besiedelten Arealen Oberösterreichs,
der Steiermark und Kärntens (→ Slovenia submersa,
→ Toponyme, slawische [slowenische] in der Steier-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55