Seite - 447 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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Grafenauer, Franc
Grabstein von Franc
Grafenauer in Egg/Brdo bei
Hermagor/Šmohor, Foto
Vincenc Gotthardt
Jahre 1965. In : Carinthia I. Klagenfurt 1993, Nr. 183, 353–366 ; Ob-
likovanje severne slovenske narodnostne meje. Ljubljana 1994 (www.sis-
tory.si/?urn=SISTORY :ID :26736) ; http://www.sistory.si/.
Üb.: P. Diaconus : Zgodovina Langobardov – Historia Langobardorum.
Maribor 1988.
Lit.: V. Rajšp (Hg.) : Grafenauerjev zbornik. Ljubljana 1996, darin ins-
besondere die Beiträge von : D. Mihelič : Bogo Grafenauer – utrinki iz
življenja in dela ; P. Štih : In memoriam. Akademik prof. dr. Bogo Grafe-
nauer ; D. Samec : Bogo Grafenauer – bibliografija.
Vincenc Rajšp ; Üb.: Bojan-Ilija Schnabl
Grafenauer, Franc (* 2. Dezember 1860 Brugg/Moste
bei Egg/Brdo [Hermagor – Pressegger See/Šmohor –
Preseško jezero], † 13. Dezember 1935 ebd.), Orgelma-
cher, Politiker, Gemeinderat von Egg/Brdo, Landtags-
abgeordneter, Reichsratsabgeordneter.
Nach der Absolvierung der Grundschule in Egg/
Brdo und der vierten Klasse in Hermagor/Šmohor
nahm ihn sein Vater, der aus einer Kleinbauernfamilie
stammte und sich den Status eines Orgelbaumeisters
und Gemeindeausschussmitglieds erarbeitet hatte, zu
sich in die Lehre. Nach seinem Tod übernahm G. das
Geschäft und wurde mit der Einführung der ersten pneumatischen Orgel in Feldkirchen (Trg) zum Pio-
nier auf dem Gebiet der Orgelbaukunst in Österreich.
Er baute jedoch nur wenige weitere Orgeln in Kärnten/
Koroška und anderen benachbarten Ländern, da sein
politisches Engagement später den größten Teil seiner
Konzentration verlangte. Unter dem Einfluss Andrej
→ Einspielers, des eigenen Vaters und einschlägiger
Literatur beschäftigte sich G. viel mit der Politik und
den in Kärnten/Koroška vorherrschenden sozialen und
wirtschaftlichen Verhältnissen, was seine Wahrneh-
mung für die nationale Frage schärfte, sodass er schon
bald soziopolitische Ambitionen entwickelte. Von der
panslawistischen Idee (→ Panslawismus) erfasst, ließ
er sich auf politische Diskurse mit seinen Gegnern ein
und machte im Wochenblatt Parlamentär sowie nicht
zuletzt im → Mir, zu jener Zeit die einzige sloweni-
sche Zeitung in Kärnten/Koroška, sein Volk auf gesell-
schaftliche Unzulänglichkeiten vor Ort aufmerksam
(z. B. auf die wirtschaftliche Abhängigkeit der Slowe-
nen von den Deutschen), kritisierte in diesem Zusam-
menhang die öffentlichen Körperschaften und ihre
Politikführung bezüglich → Schul-, Amts- und Ge-
richtswesen und thematisierte die Polarisierung im ei-
genen Volk (→ Amtssprache, → Deutschtümler). Die
Konsequenz daraus war eine 1888 erhobene Anklage,
laut welcher G.s Vater wegen Majestätsbeleidigung zu
sechs Monaten Haft verurteilt wurde und ihm selbst
eine dreimonatige Untersuchungshaft wegen Hoch-
verrats einbrachte. Von da an bekannte sich G. noch
stärker zum Slowenentum und ließ sich nach seiner
Entlassung sogleich in den Gemeinderat von Egg/Brdo
wählen. Dies war der Beginn seiner politischen Karri-
ere. 1890 wurde das slowenische Organ → Katoliško-
politično gospodarsko društvo za Slovence na Koroškem
[Katholisch-politischer und landwirtschaftlicher Ver-
ein für die Slowenen in Kärnten] gegründet, so dass die
Kärntner Slowenen seit 1873 erstmals wieder als selbst-
ständige politische Organisation auftreten und einen
Kandidaten für die Landtagswahl aufstellen konnten.
1884 wurden mit Franc → Muri und Gregor → Ein-
spieler nach Andrej → Einspieler erneut Slowenen
in den Kärntner Landtag gewählt. 1896 gesellte sich
auch G. unter die Abgeordneten und brillierte hier als
hervorragender, humorvoller Redner bis zum Ausbruch
des Ersten Weltkriegs. Mit dem Sieg des klerikalen
Lambert → Einspielers bei den Reichsratswahlen
1897 hatten die Kärntner Slowenen einen Wahlerfolg
auf staatlicher Ebene. 1907 kandidierte auch G. er-
folgreich für das Parlament und erreichte 1911 trotz
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55