Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 448 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 448 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I

Bild der Seite - 448 -

Bild der Seite - 448 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I

Text der Seite - 448 -

448 Grafenauer, Franc Franc Grafenauer (1860– 1935), NUK Zuspitzung der nationalen Frage seine Wiederwahl. In der Funktion als Landtags- bzw. Reichsratsabgeord- neter setzte sich G. fast drei Jahrzehnte lang für die schul- und sprachpolitische Gleichberechtigung sowie die wirtschafts- und nationalpolitischen Interessen der Slowenen in Kärnten/Koroška ein. Allerdings konnte er als einziger Kärntner gegen die Übermacht der übri- gen slowenischen Abgeordneten aus →  Krain/Kranjska im klerikalen parlamentarischen Lager, das dem Kaiser weiterhin Treue schwor, und auch gegen die in den spä- ter aus taktischen Gründen geschlossene Allianz des Hrvatsko-slovenski klub [kroatisch-slowenischer Klub] nur wenig für seine Heimat ausrichten. Dies brachte ihm immer wieder scharfe Kritik im liberalen kärnt- nerslowenischen Blatt →  Korošec ein (→  Publizistik). Ab Kriegsbeginn stand G. unter ständiger Beobach- tung, da er als einflussreicher Kärntner-slowenischer Politiker aus der Sicht der deutschnationalen Behörden einen staatsgefährlichen Störfaktor darstellte. Folglich genügte eine russophile Äußerung G.s, um ihn zu arre- tieren und ihm das höchst zulässige Strafmaß von fünf Jahren Gefängnis aufzuerlegen, eine Haftstrafe, die er wegen des kaiserlichen Amnestieerlasses von 1917 nicht absitzen musste. Im Gefängnis entstanden seine Memoiren Hudi dni [Die schlimmen Tage], die 1920 in der Zeitschrift Dom in svet erschienen. Durch die Verurteilung verlor er sein Reichsratsmandat, welches trotz Einleitung juristischer Schritte und parlamenta- rischer Unterstützung seitens des Abgeordneten An- ton →  Korošec nicht revalidiert wurde. Nach seiner Freilassung kehrte er ins →  Gailtal/Ziljska dolina zu- rück, wo er 1919 mit Freiwilligen eine Defensivwehr aufstellte. Nachdem eine militärische Verstärkung der Slowenen nicht rechtzeitig zur Hilfe geeilt war und sich die slowenischen Abwehrtruppen dazu gezwungen gesehen hatten, ihre strategisch wichtigen Standorte Hermagor/Šmohor, Villach/Beljak und Klagenfurt/ Celovec aufzugeben, musste G. wie viele seiner Lands- leute auf gesichertes slowenisches Territorium flüchten. Noch im selben Jahr schickte man G. als Abgeordne- ten der Kärntner Slowenen nach Beograd, dem Re- gierungssitz des Königreichs SHS. Er war an der Vor- bereitung für die →  Volksabstimmung 1920 beteiligt (→  Vertreibung 1920). Erst 1925/26 konnte er nach Kärnten/Koroška zurückkehren. Sein großes Verdienst liegt in der Tatsache, dass die slowenische Bewegung, die zuvor überwiegend von der Geistlichkeit getragen wurde, erstmals die breite slowenische Bevölkerung er- fasst hatte, die sich alsdann zu ihrer slowenischen Iden- tität bekannte und begann, ihre nationalrechtlichen Ansprüche bewusst einzufordern. Lit.: SBL ; PSBL ; ES ; OVSBL. – Slovenec XLVIII (1920) 1, 280. J. Lukan : Franz Grafenauer 1860–1935, Abgeordneter der Kärntner Slo- wenen. Wien 1969 ; J. Lukan : Franz Grafenauer (1860–1935), Volks- tribun der Kärntner. Klagenfurt 1981 ; S. Granda : Koroški Slovenec izvoljen v dunajski Parlament. In : J. Cvirn [e. a.] (Red.) : Slovenska kronika XIX stoletja, 1884–1899. Ljubljana 2003, 269 ; V. Sima : Gra- fenauer, Franc. In : S. Karner (Hg.) : Kärnten und die nationale Frage = S. Karner, A. Moritsch (Hg.) : Aussiedlung – Verschleppung – nationaler Kampf, Band 1. Klagenfurt/Celovec [e. a.] 2005, 300 ; J. Stergar : Prva slovenska poslanca v koroškem deželnem zboru. In : J. Cvirn [e. a.] (Hg.) : Slovenska kronika XX stoletja, 1900–1940. Ljubljana 2005, 206–207. Maja Francé Grafenauer, Franc (* 7. Oktober 1894 Sankt Leonhard bei Siebenbrünn/Šentlenart pri Sedmih studencih [Ar- noldstein/Podklošter], † 25. Februar 1956 Ljubljana), Mittelschullehrer, ethnopolitischer Aktivist. G.s Vater Mihael (1858–1925) war gebürtig aus Brugg/ Moste bei Egg bei Hermagor/Brdo na Ziliji, Organist in Sankt Leonhard bei Siebenbrünn/Šentlenart pri Sed- mih studencih, wo er auch das Orgelspiel unterrichtete, so Johann →  Pipp. G.s Onkel war der Orgelbaumeister, →  Landtags- und Reichsratsabgeordneter zu Zeiten der Monarchie Franc →  Grafenauer (1860–1935). Seine Mutter war Terezija, geb. Flašberger (vlg. Otartova aus Micheldorf/Velika vas). Die Volksschule besuchte G. im heimatlichen Ort, das Gymnasium in →  Villach/ Beljak und in Klagenfurt/Celovec, wo er 1914 auch maturierte. Am 1. November 1914 wurde er in das ös- terreichisch-ungarische Heer einberufen. Er war an der Isonzo-/Soča-Front im Einsatz (2.–5. Offensive). Am 6. August 1916 wurde er gefangen genommen und danach in die Gefangenschaft nach Sizilien und ins italienische Landesinnere verbracht. Er schloss sich den jugoslawi- schen Freiwilligen in Thessaloniki an und war danach Oberleutnant (15.  März 1920–20. Oktober 1920) in den Sicherheitseinheiten Drobollach/Drobrolje, Faak/ Bače und Rosegg/Rožek. Er war auch Mitglied des →  Narodni svet [Nationaler Rat] in Sankt Jakob im Ro- sental/Šentjakob v Rožu. Im Jahr 1919 inskribierte er in die neu errichtete Uni- versität Ljubljana, später in Beograd, wo er Geschichte und Geografie studierte. Er diplomierte an der Univer- sität Beograd am 16. Oktober 1923. Die Lehramtsprü- fung machte er 1926. Er unterrichtete an Gymnasien in Štip (1922–1927), Skopje (1927–1931) und Ljubljana (1931–1945), Novo mesto (1948–1950) und wieder
zurück zum  Buch Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I"
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška