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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 454 -
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454 Grammatik Pohlin propagierte eine überregional verständliche Sprache, die sich der volkssprachlichen Tradition entge- genstellt, weil er die Sprache der einfachen Bevölkerung als Hindernis für die Entwicklung von staatlichen und religiösen Funktionsweisen einer Sprache betrachtete. Gerade dafür wurde Pohlin von späteren Gramma- tikern kritisiert. Als Gutsmann 1777 bei Kleinmayr in Klagenfurt/Celovec seine Windische Sprachlehre unter besonderer Berücksichtigung slowenischen Sprachma- terials aus Kärnten/Koroška veröffentlichte, setzte auch er sich zum Ziel, das Slowenische durch Systematisie- rung dem Status einer einfachen ländlichen Sprache zu entheben und zu einer Kultursprache zu machen (→  Windischentheorie). In den zweiten Teil seiner G. (»Wortfügungen und Eigenschaften der Windischen Sprache«) integrierte Gutsmann eine Art erste slo- wenische Phraseologem-Sammlung (»Von besonderen Mund- und Redensarten«) (→  Windisch). Von den Ideen der Aufklärung geprägt, veröffent- lichte Kopitar 1808 seine Grammatik der Slavischen Sprache in Krain, Kärnten und Steyermark. Mit diesem Werk erlangte das Slowenische in den aufkommenden sprachwissenschaftlich-komparativen Werken, im Rah- men indoeuropäischer Etymologien, Bedeutung. Das Slowenische sei – so Kopitar – nicht nur in politischen Belangen, sondern auch im wissenschaftlichen Bereich unbeachtet und auf die private Alltagssprache be- schränkt geblieben. Auch die Verteilung der südslawi- schen Sprachen und im Besonderen des Slowenischen unter fremd(sprachig)er Herrschaft schwäche den Ein- flussbereich dieser Sprachen durch politische Nichtbe- achtung sowie mangelnde Kommunikation unter den Südslawen. Kopitars G. sollte dagegen eine einheit- liche Rechtschreibung und eine überregional verständ- liche →  Standardsprache schaffen. Ausgangspunkt für die Konstruktion einer solchen Gesamtsprache war die detaillierte Beschreibung der einzelnen slawischen Dia- lekte. Kopitar definierte sowohl die Methode der Lin- guistik als auch das Prinzip der G. als deskriptiv. Ihre Aufgabe sei, den Sprachbestand sprachwissenschaftlich zu dokumentieren, um davon ausgehend Möglichkei- ten der Annäherung zwischen den unterschiedlichen →  Dialekten nach dem Prinzip der Verständlichkeit auszumachen. Dem romantischen Konzept der Volks- sprache folgend (re)konstruierte Kopitar durch die Analyse des Sprachgebrauchs einen Standard, der als Leitbild einer zukünftigen Schriftsprache gelten sollte. Zur Zeit der →  illyrischen Provinzen galt als Di- rektive für die Schulen der Unterricht in der Landes- sprache. Valentin →  Vodnik veröffentlichte 1811 die erste ausschließlich slowenischsprachige G., die sich als Systematik für den »Hausgebrauch« der slowe- nischsprachigen Bevölkerung verstand. Sein Begriff der →  Muttersprache bezeichnet dabei jene familiäre Un- mittelbarkeit, auf deren Basis bisher der Spracherwerb der slowenischsprachigen Bevölkerung erfolgte. Der Sprach- und Schriftunterricht sollte ohne den Zwang einer fremden Sprache erfolgen. Zu Beginn des 19. Jh.s erschienen regionalsprach- lich geprägte G., z. B. in der Steiermark/Štajerska die Theoretisch-praktische Windische Sprachlehre von Johann Leopold Schmigoz (1812), das Lehrbuch der windi- schen Sprache von Peter Dajnko (1824) sowie die G. von Anton Johann Murko (1832 und 1843) und Jožef →  Muršec (1847). In Dajnkos Werk spiegeln sich die Anfänge des →  Illyrismus. Eine G. mit überregionaler Bedeutung war das Lehr- gebäude der Slowenischen Sprache im Königreich Illyrien und in den benachbarten Provinzen (1825) von Franc →  Metelko. Diese G. förderte die Etablierung des Slowenischen als Bildungssprache in →  Krain/Kran- jska, auf sie bezogen sich zahlreiche spätere Grammati- ker wie Anton Janežič. Das →  Revolutionsjahr 1848 brachte für das Slowe- nische vorübergehend eine gleichberechtigte Verwen- dung in Schulen, Gesetzestexten und Ämtern (→  Ok- troyierte Märzverfassung, →  Landesverfassung 1849, →  Amtssprache, →  Kundmachung [1], →  Landesver- fassung). Matija →  Majar versuchte in dieser Phase des Aufbruchs eine Einbindung des Slowenischen in eine gesamtsüdslawische Sprache im Rahmen einer G. (Pravila 1848). Majar schlug zwei parallele Sprachsys- teme vor : Eine Sprache für den alltäglichen mündlichen Gebrauch, die den bisherigen Sprechgewohnheiten entspricht und die er als »Unterdialekte« des Illyrischen verstand, eine zweite Sprache der schriftlichen Kultur, welche die südslawischen Sprachen zu einer allgemei- nen sog. illyrischen Gesamtsprache verschmelzen sollte. Dadurch sollte eine bedeutende slawische Schriftkultur sowie ein größerer Austausch zwischen den slawischen Sprachen ermöglicht werden. Auch seine Slovnica za Slovence (1850) ist der G. dieses Illyrischen gewidmet, sie ist jedoch auf Slowenisch verfasst und sollte als Un- terrichtsmaterial in den nunmehr slowenischsprachig geführten Schulen verwendet werden. Eine wichtige Grundlage für alle späteren sloweni- schen G. stellte Franz →  Miklosichs (1813–1891) Vergleichende Grammatik der slawischen Sprachen (1852–
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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