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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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458 Graz wald (Ožbald) →  Gutsmann sowie der Volksdichter und Komponist Leopold Volkmer. Er gab 1783 bzw. 1789 im slowenischen Dialekt der Prlekija (im südöst- lichen Teil der slowenischen Steiermark/Štajerska) die Liederbücher Pesme k tem opravili te svete meše [Lieder für die hl. Messe] und Mešna pesem [Messlieder] heraus, womit er den Gebrauch des Slowenischen ermöglichte. Mit den Theresianischen Verwaltungsreformen, mit denen die zentralen Verwaltungsstellen der inneröster- reichischen Länder abgeschafft und die einzelnen Län- der unter eine unmittelbarere Aufsicht der gesamtstaat- lichen Organe gestellt wurden, beschränkte sich die Verwaltungsfunktion von G. bis zum Ende der Mon- archie vornehmlich auf die Steiermark/Štajerska selbst. Ausnahmen davon waren die Gerichtsbarkeit und das Militär. Das Oberlandesgericht in G. war ab 1854 zu- ständig auch für Kärnten/Koroška, Krain/Kranjska und umfasste den Zuständigkeitsbereich des Generalstabs in G. (1866–83) bzw. des Kommandos des 3. Korps (1883–1918). Dieser umfasste neben der Steiermark/ Štajerska noch Kärnten/Koroška, Krain/Kranjska und das Küstenland/Primorje. 1861 wurde zudem Kärnten/ Koroška verwaltungsmäßig der Steiermark/Štajerska eingegliedert, doch wurde diese Reform rasch wieder zurückgenommen (vgl. Johann N. →  Schloissnig ; →  Landesgesetzblatt, Kärntner). Auch nach 1748 behielt die Universität G. eine emi- nente Bedeutung für einen Gutteil des slowenischen ethnischen Territoriums, die ein Jahrzehnt nach der Auflösung des Jesuitenordens 1782 durch Josef II. in ein Lyzeum umgewandelt wurde. Zur Universität wurde dieses wiederum 1827 durch Franz I., der sie auch in Karl-Franzens-Universität umbenannte. Im Vormärz wurde G. als Universitätsstadt mit zahl- reichen slowenischen Studenten eines der Zentren des slowenischen nationalen Erwachens (→  Preporod) und kulturelles Zentrum der steirischen Slowenen. So wurde bereits 1810 der erste slowenische Verein, die Societas slovenica durch den Skriptor der Lyzealbiblio- thek Janez Nepomuk →  Primic gegründet. Mit dem Namen »Slovenica« appellierte Primic an das allslo- wenische Bewusstsein und kündigte auch im Vorle- sungsverzeichnis seine Vorlesungen im Grazer Lyzeum mit dem Zusatz »in slowenischer Sprache« an. Die wichtigste Aufgabe des Vereins, dessen Ziel es war, die Ideen des slowenischen Völkerfrühlings in der jünge- ren Generation der Grazer Intellektuellen zu festigen, sollte eine »Erfassung des slowenischen Teiles der Stei- ermark/Štajerska in ihrem natürlichen Zustand sowie in wirtschaftlicher Hinsicht sein ; eine Beschreibung der Einwohner, ihrer Besonderheiten, ihrer Bräuche und Gewohnheiten« bzw. eine topografische Beschrei- bung des gesamten Herzogtums Steiermark/Štajerska. Obwohl der Verein in eingeschränkter Form lediglich bis zum Frühjahr 1812 aktiv war, so übte er doch einen Einfluss auf zahlreiche slowenische Intellektuelle aus der Steiermark/Štajerska aus, wie z. B. auf den Philo- logen und religiösen Autor Peter Dajnko, den Lehrer der slowenischen Sprache Koloman →  Kvas sowie auf den Historiker Anton Krempl u. a. Auf die Inititative von Primic wurde 1812 am Gra- zer Lyzeum ein Lehrstuhl (Lektorat) für slowenische Sprache eingerichtet. Primic, der zum ersten Profes- sor für slowenische Sprache am Lyzeum berufen wurde, führte in die deutsche wissenschaftliche →  Termino- logie den neuen Begriff slowenisch statt des bis dahin üblichen →  windisch ein (→  Ethnonym Slowene im Deutschen). Er hielt Vorlesungen auf der Grundlage seiner in Graz erschienen Bücher Abeceda za Slovence [Abecedarium für Slowenen] (1812) und Nemško- Slovénske branja [Deutsch-slowenische Lektüre] (1813), doch musste er bereits im Herbst 1813 krankheitsbe- dingt seine Vorlesungen aufgeben. Mit Vorlesungen am Lehrstuhl setzte erst 1823 Koloman Kvas fort, die er bis zu seiner Pensionierung 1867 hielt. Einige Vorle- sungen in slowenischer Sprache wurden auch auf der medizinischen Fakultät gehalten, wo von 1808 bis 1818 Matija Gorjup über Geburtshilfe, und zwischen 1809 und 1849 der aus Ljubljana stammende Ivan Nepomuk Kömm über Hebammenaufgaben und Geburtshilfe la- sen, Letzterer ab 1840 nach seinem Lehrbuch Bukve od porodne pomoči [Buch zur Geburtshilfe], das er in Graz herausgebracht hatte. Das Grazer Lyzeum wurde dank der Vorlesungen in slowenischer Sprache zunehmend attraktiver für slowenische Studenten. Unter ihnen traten bereits in der zweiten Hälfte der 20er-Jahre des 19. Jh.s Persön- lichkeiten wie Anton Murko, Jurij Matjašič, Jožef →  Muršec und Štefan Kočevar hervor. Ein lebhaf- tes Zentrum der slowenischen studentischen Jugend wurde die Stadt ab Herbst 1830, als Stanko →  Vraz und Franz →  Miklosich nach G. kamen. Um sie herum bildete sich 1832 die Slovenska družba [Slowe- nische Gesellschaft], in der eine Bibliothek zum Stu- dium der slawischen Sprachen und Kultur eingerichtet wurde. Eine bedeutende Rolle nahm in diesem Kreis auch Anton Murko ein, der zwischen 1825 und 1843 in G. lebte. Seine beiden Handwörterbücher Slovénsko-
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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