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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 509 -
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Seite - 509 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I

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509 Identität, territoriale Aus der Perspektive der slowenischen Kulturgeschichte wird deshalb vielfach auf die Sprache und andere As- pekte der →  Volkskultur, der →  Mythologie und etwa der Rechtsgeschichte oder auf die diversen regionalen territorialen Identitäten der Slowenen in den verschie- denen habsburgischen Kronländern, in den Ländern der ungarisch-kroatischen Krone oder unter Venezia- nischer Oberhoheit abgestellt und es wird nicht aus- schließlich an eine moderne Staatsgeschichte der Slowenen ab Mitte des 19. Jh.s geknüpft (eine solche Reduktion der slowenischen Kulturgeschichte auf die Prozesse ab dem 19. Jh. oder nur auf die Identitätsbe- wussten Slowenen – im Gegensatz zu vermeintlichen →  »Windischen« – wäre wohl als ahistorisch und schlicht als widersinnig zu betrachten). Für die slowenische Kulturgeschichte durchaus re- levanter Aspekt der t.  I. ist jener der verschiedenen Sprachgruppen in Istrien/Istra im 19. Jh. (Slowenen, Kroaten, Italiener, Friulaner und Aromunen/Vlachen), mit der sich bereits Franz →  Miklosich befasste. Die Società agraria Istriana, die diese regionale (territoriale) Identität versinnbildlichte, förderte die regionale wirt- schaftliche Entwicklung und gemeinsame regional- istriotische Interessen und pflegte zudem die Einzel- sprachen und Kulturen (vgl. dazu Sturm-Schnabl). Da ab den →  Freisinger Denkmälern von slowe- nischer Sprache gesprochen wird – die sich über die Jahrhunderte noch wandeln sollte (→  Karantanerslo- wenisch, →  altslovenisch, →  altslowenisch, →  Slowe- nisch in Kärnten/Koroška, →  Dialektgruppen) –, ist zu unterscheiden zwischen : 1. den verschiedenen, auf feu- dal- und kirchenrechtliche Prozesse zurückgehenden territorialen Identitäten, 2. der sprachlichen Identität aufgrund der →  Muttersprache sowie 3. zwischen der Benennung der Sprache eines Sprachdenkmals, welche der jeweilige Autor oder die jeweilige Gruppen spra- chen. So ist das Sprachdenkmal →  Buge waz primi [Gott zum Gruß] aus 1227, das von Ulrich von Liech- tenstein niedergeschrieben und Herzog Bernhard von Spannheim zugeschrieben wird : a) territorial u. a. zu Kärnten/Koroška zu zählen (Ulrich selbst war wahrscheinlich aus dem Gebiet der heutigen Ober- steiermark), während die subjektive t.  I. des zitierten Sprechers Bernhard in diesem Kontext irrelevant ist. b) Sprachlich ist das Zitat eindeutig slowenisch (keinesfalls als →  Alpenslawisch oder →  Slawisch zu benennen). Weiters ist etwa der umgedrehte Basisteil einer römisch-ionischen Säule aus Virunum, der als →  Fürstenstein in die Geschichte einging, über Inkul- turationsprozesse integrierender Bestandteil der ka- rantanischen, Kärntner und österreichischen (Rechts-) Geschichte. Durch dessen →  Inkulturation wurde der Fürstenstein zudem ab dem Zeitpunkt, wo man von Slowenisch spricht, integrierender Bestandteil der slo- wenischen (Sprach- und Staats-)Geschichte und zu einem slowenischen Rechtsdenkmal, und zwar unab- hängig davon, ob sich in späteren historischen Epochen die Landesidentität und die im Ort →  Karnburg/Krn- ski Grad gesprochene Sprache gewandelt haben oder welche spezifische t.  I. die Slowenen vom →  Zollfeld/ Gosposvetsko polje oder darüber hinaus hatten. Die territoriale Identitätsbezeichnung »echter Kärntner« meint aufgrund ethnopolitischer Interessen vielfach nur die vermeintlich »rein« Deutschsprachigen, hat folglich eine eindeutige ethnische Konnotation und wird somit psycholinguistisch reduzierend eingesetzt (→  Windischentheorie, →  »Entethnisierung«, →  Ge- schichtsschreibung und kognitive Dissonanz, →  Assi- milationszwang). Andererseits findet offensichtlich im neueren ge- sellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs in Slowenien ein Paradigmenwandel im Hinblick auf die t.  I. und auf deren Bezeichnung statt. Hier kommt es aufgrund der jüngeren staatsrechtlichen Geschichte der Republik Slowenien zumindest teilweise zu einer Beschränkung des Konzeptes der »Geschichte der Slo- wenen« auf die Geschichte des Territoriums der heuti- gen Republik Slowenien, wobei in der historischen Di- mension bisweilen implizit nur auf →  Krain/Kranjska und den Völkerfrühling des 19. Jh.s Bezug genommen wird. Dieser Paradigmenwechsel betrifft die Slowenen in Kärnten/Koroška insbesondere im Hinblick auf den transkulturellen Dialog. Die slowenischen Mutter- sprachler, die in unterschiedlichen Staaten lebten bzw. leben und folglich unterschiedliche staatliche Traditi- onen »erlebt« haben (Staatsbürger Österreichs, →  Ju- goslawiens, Sloweniens, Kroatiens, Italiens, Ungarns), subsumieren im Slowenischen unter demselben Begriff Slovenec bzw. slovensko [Slowene/slowenisch] unter- schiedliche kontextuelle Inhalte. Per definitionem ist etwa ein slowenisches Rechts- oder Sprachdenkmal in Kärnten/Koroška eben nicht »slowenisch« im Sinne von »zum Territorium der heutigen Republik Slowe- nien gehörend«, wie der Begriff u.  U. auch interpretiert werden kann. Gleichermaßen hat das →  Ethnonym »Slovenci« im Slowenischen eine historische Dimension sowie, insbesondere seit der staatlichen Unabhängig-
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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