Handelskai

Der Handelskai und die Donauuferbahn, im Hintergrund der Millennium Tower

Der Handelskai ist mit rund 8,5 Kilometer Länge eine der längsten Straßen Wiens. Er verläuft entlang des rechten Donauufers im 20. Wiener Gemeindebezirk, Brigittenau, und im 2. Bezirk, Leopoldstadt.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Der Handelskai beginnt bei der Schleusenbrücke der Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage im 20. Bezirk, wird vom Autobahnknoten bei der Nordbrücke unterbrochen und endet an der Abzweigung der Aspernallee im 2. Bezirk, wo er direkt in die Hafenzufahrtstraße und in weiterer Folge in die Freudenauer Hafenstraße übergeht, die an der Freudenauer Hafenbrücke Richtung Simmering endet. Fast der gesamte Straßenzug ist Teil der in Wien und Niederösterreich verlaufenden Landesstraße B 14.

Auf fast seiner gesamten Länge (ausgenommen nördlich der Nordbrücke, wo die Bahn landeinwärts der Straße verläuft) trennt ihn die Donauuferbahn vom Donaustrom und einer am Ufer verlaufenden Promenade. Der Handelskai unterquert alle Wiener Donaubrücken. Die Brückenauffahrten vom Handelskai an den historischen Brückenstandorten wurden platzartig gestaltet (Friedrich-Engels-Platz bei der Floridsdorfer Brücke, Mexikoplatz bei der Reichsbrücke).

Häuserblöcke im üblichen Sinn finden sich nur an der zentrumsnäheren Straßenseite (an der anderen verläuft die Bahn); auf einem Stadtplan um 1900 waren insgesamt vierzig (teilweise erst geplante) Häuserblöcke eingezeichnet, darunter viele Fabriksgelände (z.B. mehrere Lederfabriken).

Öffentlicher Verkehr

(in Fließrichtung der Donau angeführt)

Bis 1945 bestand auf der neben dem Handelskai verlaufenden, großteils 1876 eröffneten Donauuferbahn bescheidener Personenverkehr mit einigen Haltestellen.

Das Schifffahrtsunternehmen Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft hat seine Zentrale (Schiffahrtszentrum) am Handelskai bei Reichsbrücke und Mexikoplatz. Auch andere Schifffahrtsgesellschaften nützen im Personenverkehr vom Handelskai aus zugängliche Länden.

Adressen

Die Nummerierung beginnt im Nordwesten. Gebäude mit ungeraden Hausnummern befinden sich jenseits der die Fahrbahn begleitenden Donauuferbahn, Gebäude mit geraden Hausnummern stehen direkt an der Straße.

  • Gesamte Länge des Handelskais: Stromhafen
  • Nr. 94 und 96: Millennium Tower, das höchste Gebäude Österreichs
  • Nr. 265: Schifffahrtszentrum Wien der DDSG bei der Reichsbrücke
  • Nr. 269: Hotel Hilton Vienna Danube im ehemaligen Getreidespeicher[1]. Das Gebäude wurde 1911–1913 errichtet und 1986–1988 zum Hotel umgebaut. Vorerst Scandic-Crown-Betrieb, später Holiday Inn Crowne Plaza. Mit eigener Brücke über die Bahn.
  • Zwischen Nr. 302 und 338 / Engerthstraße 267 und 269: Ferry-Dusika-Stadion (Hallenstadion)
  • Nr. 343: Marina Wien, Sportboothafen und Schiffsführerschule, der U-Bahn-Station Donaumarina benachbart
  • Nr. 346: Bürohaus Donaumarina (in Bau)[2]
  • Nr. 348 / Johann-Böhm-Platz 1: Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB-Zentrale) und Berufsförderungsinstitut

Geschichte

Städtische Lagerhäuser am Wiener Handelskai, eröffnet 1876. Franz Kollarz: Zeichnung Über Land und Meer (um 1880)[3]

Der Handelskai entstand im Zuge der 1875 fertiggestellten Donauregulierung, bei der das gerade Flussbett gegraben wurde, das die Straße begleitet. Die offizielle Benennung erfolgte im Jahre 1884. Der Name leitet sich von den Lagerhäusern[4][5], Schiffsanlegeplätzen und Kaianlagen an der Donau ab, die man teilweise noch heute findet.

Ursprünglich war der Name historischen Stadtplänen zufolge für das unmittelbare, zu Kaianlagen ausgebaute Donauufer nördlich und südlich der Reichsbrücke in Verwendung. Später ging der Name auf die Durchgangsstraße entlang der Donauuferbahn über; die Kaianlagen selbst erhielten andere Namen, die allerdings nur von Experten und auf Stadtplänen verwendet werden, – in der Öffentlichkeit werden bis heute Straße und Kaianlagen als Handelskai bezeichnet.

Der Handelskai wurde bei starken Hochwässern der Donau manchmal ebenso wie die Donauuferbahn überflutet, zuletzt 1975. Mit der 1988 beendeten zweiten Donauregulierung wurde der Hochwasserschutz am rechten Donauufer verbessert, so dass Überflutungen seither nicht mehr stattfinden.

Einzelnachweise

  1. Website des Hotels Hilton Vienna Danube, abgerufen 28. Mai 2011
  2. Website des Bauherrn BAI, abgerufen 28. Mai 2011
  3. Die Ansicht zeigt das große Lagerhaus am Ausstellungsplatz mit Dampfeisenbahn, die Lagerhäuser an der Donaulände und das Innere mit Arbeitern bei der Einlagerung von Getreide.
  4. (Wiener Stadtlagerhaus.). In: Die Presse (1848-1896), 15. Juli 1876, S. S. 5, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr
  5. Die Gründung des Wiener Lagerhauses erfolgte gemäß Beschluss des Gemeinderates vom 7. Jänner 1876; die Eröffnung fand am 23. Oktober selben Jahres statt. — Statistische Monatschrift. Heft 20, 1894. Staatsdruckerei, Wien 1895, S. 552 [1]

Weblinks

 Commons: Handelskai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.23194444444416.396944444444Koordinaten: 48° 13′ 55″ N, 16° 23′ 49″ O