Kamptalbahn

Kamptalbahn
Hadersdorf am Kamp–Sigmundsherberg
Kursbuchstrecke (ÖBB): 820
Streckennummer: 174 01
Streckenlänge: 43,8 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: D4
Maximale Neigung: 21 
Minimaler Radius: 181 m
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Strecke – geradeaus
von Krems an der Donau
Bahnhof, Station
0,000 Hadersdorf am Kamp 202 m ü. A.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Absdorf-Hippersdorf
Haltepunkt, Haltestelle
2,101 Gobelsburg
Bahnhof, Station
4,180 Langenlois 212 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
5,875 Zöbing
Bahnhof, Station
8,776 Schönberg am Kamp
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kamp
Bahnhof, Station
11,920 Stiefern
Brücke über Wasserlauf (groß)
Tiefenbach
Haltepunkt, Haltestelle
13,504 Altenhof
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kamp
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kamp
Bahnhof, Station
16,958 Plank am Kamp 236 m ü. A.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Tobelbach
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kamp
Haltepunkt, Haltestelle
19,672 Buchberg 236 m ü. A.
Bahnhof, Station
22,635 Gars-Thunau 250 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
24,171 Kamegg
Brücke über Wasserlauf (groß)
Höllgraben
Haltepunkt, Haltestelle
25,540 Stallegg
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kamp
Brücke über Wasserlauf (groß)
Taffa
Bahnhof, Station
27,008 Rosenburg 265 m ü. A.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Taffa
   
31,300 Mold 30.9.1991 aufgelassen
Bahnhof, Station
34,340 Horn Zugleitbahnhof
Brücke über Wasserlauf (groß)
Breiteneicher Bach
Haltepunkt, Haltestelle
35,810 Breiteneich bei Horn 325 m ü. A.
   
41,880 Reichsbahn-Ausbesserungs-Werk
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Zellerndorf
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Wien
Bahnhof, Station
43,844 Sigmundsherberg 435 m ü. A.
Strecke – geradeaus
nach Gmünd

Die Kamptalbahn ist eine eingleisige, mit Dieseltriebwagen betriebene, 43,8 km lange Nebenbahn in den Bezirken Krems-Land und Horn in Niederösterreich. Sie verbindet die Bahnstrecke Absdorf-Hippersdorf–Krems an der Donau vom Bahnhof Hadersdorf am Kamp aus mit der Franz-Josefs-Bahn in Sigmundsherberg. Die zwischen Hadersdorf am Kamp und Rosenburg 27 km längs des Flusses Kamp verlaufende Bahn wurde 1889 eröffnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ab 1862 bemühten sich die im Kamptal gelegenen Gemeinden und die Städte Horn, Eggenburg und Retz um eine durch das Kamptal führende Eisenbahnverbindung an, die in der Folge St. Pölten mit dem Raum Znaim-Iglau verbinden sollte. 1865 entschied sich das für den Eisenbahnbau zuständige Konsortium jedoch, einer anderen Strecke nach Südböhmen, der Franz-Josefs-Bahn von Wien über Eggenburg nach Gmünd den Vorzug gegenüber der bautechnisch weit schwierigeren Kamptal-Variante zu geben. 1887 genehmigte das k.k. Handelsministerium in Wien den Antrag der privaten Österreichischen Localbahngesellschaft zum Bau der Kamptalbahn, einer Verbindungsbahn zwischen der Bahnstrecke Absdorf-Hippersdorf–Krems an der Donau und der Franz-Josefs-Bahn. Obwohl sich der Bau der Bahnstrecke wegen der zahlreichen Felsen, aber auch der Herausforderung, fünf Stahlfachwerkbrücken errichten zu müssen, schwierig gestaltete, konnte die Kamptalbahn bereits am 16. Juli 1889 mit einer ersten Fahrt von Sigmundsherberg nach Hadersdorf am Kamp eröffnet werden.[1].

Bahnhof Rosenburg im Kamptal mit Eisenbahnbrücke über die Taffa. Ansichtskarte um 1900.

Der Bau der Bahnstrecke bedeute für die im Kamptal gelegenen Orte einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. So konnten nicht nur landwirtschaftliche Produkte wie der Wein aus den Weinbaugemeinden im unteren Kamptal und Getreideprodukte aus den zahlreichen Mühlen des Tals im Güterverkehr nach Wien transportiert werden. Mit der leichteren Erreichbarkeit entwickelten sich zahlreiche Orte des Kamptals wie Langenlois, Schönberg am Kamp, Gars am Kamp und Rosenburg zu bedeutenden Sommerfrischen. In der Hochblüte der Sommerfrische verbrachten Frauen und Kinder meist den gesamten Sommer auf dem Land, während die Männer unter der Woche in der Stadt ihrer Arbeit nachgingen. Wegen der wöchentlichen Begrüßungs- und Verabschiedungsszenen an den Bahnhöfen und Haltestellen der Kamptalbahn entastand der Beiname Busserlzug.[2] Nach 1945 konnte das Kamptal nicht mehr an die Tradition der Sommerfrische anschließen. Veränderte Reisegewohnheiten, aber auch der Bau der Kamptal-Stauseen, der zu einem starken Temperaturrückgang des von zahlreichen Badeanstalten gesäumten Kamps führte, entzogen dem Tourismus im Kamptal seine wichtigsten Grundlagen.[3]

Eisenbahnbrücke in Rosenburg am Kamp. Ansichtskarte um 1910.

1955 wurden auf der Kamptalbahn erstmals Diesellokomotiven eingesetzt. Der fahrplanmäßige Verkehr mit Dampflokomotiven endete 1972. In den 1980er Jahren planten die ÖBB die Einstellung des Zugverkehrs. Eine Bürgerinitiative konnte - mit Unterstützung der Niederösterreichischen Landesregierung - dieses Vorhaben verhindern. 1998 wollten die ÖBB die fünf in einem schlechten baulichen Zustand befindlichen, das Landschaftsbild des Kamptals aber maßgeblich prägenden Stahlfachwerkbrücken durch einfache Stahlträgerbrücken ersetzen. Mit finanzieller Unterstützung der Niederösterreichischen Landesregierung entschieden sich die ÖBB nach langen Verhandlungen dafür, vier Brücken in ihrem bisherigen Erscheinungsbild neu zu errichten und die Eisenbahnbrücke in Rosenburg zu renovieren.[4] Im August 2002 führte ein Kamp-Hochwasser auch an der Strecke der Kamptalbahn zu erheblichen Schäden, die zu einer mehrwöchigen Sperre der Strecke führten.[5].

Strecke

Die Bahnstrecke führt vom Ausgangsbahnhof Hadersdorf am Kamp im unteren Kamptal am linken Kampufer durch die Weinbauorte Gobelsburg, Langenlois, Zöbing nach Schönberg am Kamp. Vor Stiefern quert die Strecke auf einer Stahlfachwerkbrücke erstmals den Kamp. Bei der erst 1991 eingerichteten Haltestelle Altenhof erfolgt im Abstand von nur wenigen hundert Metern ein zweimaliger Wechsel der Flussseiten. Vorbei an der Station Plank/Kamp, die für fahrplanmäßige Zugkreuzungen auf der eingleisigen Strecke genutzt wird, erfolgt kurz vor Buchberg am Kamp ein Wechsel auf die linke Seite des Kamps. In der nächsten Station, Gars-Thunau, sind ebenfalls Zugkreuzungen möglich. Vorbei an den Haltstellen Kamegg und Stallegg quert die Strecke ein letztes Mal auf der einzigen original erhaltenen Stahlfachwerkbrücke den Kamp und biegt wenige Meter vor dem Bahnhof Rosenburg im Kamptal nach Osten in das Taffatal ab. Vorbei an der 1991 aufgelassenen Bedarfshaltestelle Mold führt die Strecke weiter in die Bezirksstadt Horn NÖ. Über die Haltestelle Breiteneich b. Horn erreicht die Kamptalbahn nach einer Strecke von rund 43,8 km und der Überwindung von 233 Höhenmetern in Sigmundsherberg den Anschluss an die Franz-Josefs-Bahn. Entlang der Kamptalbahn liegen zahlreiche Sehenswürdigkeiten und touristische Attraktionen wie die von dem amerikanische Stararchitekten Steven Holl entworfene Weinerlebniswelt Loisium, der Heiligenstein, eine der besten Rieslinglagen Europas, mit dem Aussichtsturm Kamptalwarte, Gars am Kamp mit der Babenbergerfestung sowie die Rosenburg, das größte Renaissanceschloss Österreichs.

Fahrzeuge

Triebwagen 5047 der ÖBB im Bahnhof Gars-Thunau.

Auf der Kamptalbahn kommen seit 1987 Dieseltriebwagen der Baureihe 5047 zum Einsatz. Die ersten für die ÖBB fertiggestellten Fahrzeuge diese Typs wurden im Juli 1987 bei einer Pressefahrt nach Rosenburg vorgestellt. Ein Teil der auf der Kamptalbahn zum Einsatz kommenden Triebwagen wurde 2004 modernisiert und trägt die aktuelle Nahverkehrsfarbe der ÖBB in rot-grauer Lackierung.

Sonstiges

Interessensgemeinschaft Kamptalbahn

Die Interessensgemeinschaft Kamptalbahn, eine überparteiliche Plattform mit Sitz in Gars am Kamp, setzt sich für Verbesserungen auf der Bahnlinie ein. Sie fordert unter anderem eine Sanierung der Infrastruktur, den barrierefreien Ausbau der größeren Haltestellen, den Einsatz modernerer Triebwagen und die Verbesserung des Taktfahrplans. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, initiiert sie seit Ende 2011 die Resolution "Pro Kamptalbahn".[6]

Nostalgiefahrten

Die Zuggarnituren, die zu den Terminen, an denen die Sommerfrischler in das Waldviertel fuhren, wurden auf Grund der Begrüßungs- oder Abschiedszeremonien als Busserlzug bezeichnet. Mit dieser Bezeichnung verkehrten 2004 bis 2009 als Tourismusattraktion Dieselnostalgiezüge. Nachdem sich 2009 die ÖBB Personenverkehr AG als Partner des privaten Anbieters zurückgezogen hatte, kam es 2010 nur zu einigen wenigen Nostalgiefahrten.[7] 2011 bot die ÖBB wieder vereinzelte Sonderfahrte, so etwa zum "Schönberger Advent" an.[8]

Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg

1987 wurde in Sigmundsherberg das Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg eröffnet, das detaillierte Informationen zur Kamptalbahn, zur Franz-Josefs-Bahn und zu den verschiedenen ehemaligen und aktuellen Lokomotiven der ÖBB, BBÖ usw. vermittelt. Dieseltriebwagen der Kamptalbahn können ebenfalls besichtigt werden.

Bahnhöfe und Haltestellen der Kamptalbahn

Literatur

  • Josef Filsmaier: Loatwagen und Busserlzug. Das Kamptal um Schönberg als Landschaft für Winzer und Wiener. Ausstellung der volkskundlichen Sammlung des Niederösterreichischen Landesmuseum, 19. März bis 31. Mai 1982. Wien 1982.
  • Paul G. Liebhart: Die Eisenbahn im Kamptal und das Hochwasser 2002. In: Das Waldviertel, 51. Jg. (2002), S. 523-431.
  • Paul G. Liebhart, Wolfgang Andraschek, Gerhard Baumrucker: Die Kamptalbahn. Erfurt 2010, ISBN 978-3866806924.
  • Herbert Trautsamwieser: 90 Jahre Kamptalbahn. Festschrift. Gars am Kamp 1989.
  • Herbert Trautsamwieser: 100 Jahre Kamptalbahn. Festschrift. Krems an der Donau 1989.
  • Verein Waldviertler Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg: Festschrift 110 Jahre Kamptalbahn. Sigmundsherberg 1999.

Weblinks

 Commons: Kamptalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Paul G. Liebhart, Wolfgang Andraschek, Gerhard Baumrucker: Die Kamptalbahn. Erfurt 2010, S. 7-8, ISBN 978-3866806924.
  2. Josef Filsmaier: Loatwagen und Busserlzug. Das Kamptal um Schönberg als Landschaft für Winzer und Wiener. Ausstellung der volkskundlichen Sammlung des Niederösterreichischen Landesmuseum, 19. März bis 31. Mai 1982. Wien 1982>
  3. Susanne Hawlik: Sommerfrische im Kamptal. Der Zauber einer Flusslandschaft. Wien-Köln-Weimar 1995, ISBN 978-3205983156.
  4. Helmut Holzinger, Andreas Jeschko, Jörgen Robra, Günter Ramberger: Strengthening of an Old Arch Truss Bridge, Austria. In: Structural Engineering International, Bd. 12, H. 4, (November 2002), S. 276-280.
  5. Paul G. Liebhart, Wolfgang Andraschek, Gerhard Baumrucker: Die Kamptalbahn. Erfurt 2010, S. 9-10, ISBN 978-3866806924.
  6. Website der Initiative Kamptalbahn abgerufen am 3. Januar 2013
  7. Private Website über die Kamptalbahn abgerufen am 1. Februar 2011
  8. Website der ÖBB abgerufen am 18. Dezember 2011