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Krapfen#

Faschingskrapfen.Foto: Doris Wolf, Wien 2013
Faschingskrapfen.Foto: Doris Wolf, Wien 2013

Krapfen zählen zum Kulinarischen Erbe Österreich.

1540 reimte der Meistersinger Hans Sachs in Nürnberg: "Ich hab zu Fastnacht euch hierher geladen, dass ihr euch Krapfen holt und Fladen."

"Krapfen" bezeichnet verschiedene, in Fett gebackene Mehlspeisen aus Germteig. Das "Herausbacken" war auf dem offenen Herd die einfachste und schnellste Zubereitungsart. In Niederösterreich wurden sie zu Taufe, Hochzeit, Namens- und Geburtstag, Dreikönig, im Fasching, zu Ostern, Pfingsten, Sonnenwende, Kirtag, Weihnachten, als Schnitter- und Drescherkrapfen oder Fastenspeise zubereitet. Bei Bauernkrapfen (Glöcklerkrapfen) kommt ein Esslöffel Schnaps in den Teig. Sie sind groß, flach, mit hohem Wulst und "Haube" in der Mitte und werden mit Marillenmarmelade und Zucker serviert. Bei Vanillekrapfen besteht die Fülle aus Vanillecreme. Nougatkrapfen haben eine Fülle aus Nüssen, Haselnüssen und Kakao. Venezianische Karnevalskrapfen sind mit Grappa-Rosinen und Pinienkernen angereichert. Man rollt sie in Zucker und serviert sie warm. Dreikönigskrapfen sehen wie Faschingskrapfen aus, sind aber in Sternform angezuckert.

Leopold Schmidt (1912-1981) nannte Krapfen "die Hauptmasse alten bäuerlichen Festgebäcks". Bei der Ernte oder für die Drescher "mussten ganze Berge von Krapfen herausgebacken werden". Bei Hochzeiten warf die Brautmutter auf dem Weg zur Kirche Krapfen aus. Glöckler und andere Heischegänger werden mit Krapfen (und Schnaps) bewirtet. Die feine Art des Germgebäcks mit Fülle ist eine städtische Weiterentwicklung. Legendär ist Cäcilia Krapf, die anno 1615 in Wien die Cilli-Kugeln erfunden haben soll.

Faschingskrapfen gab es nur zwischen Silvester und Aschermittwoch. An diesem Tag durften sie in Niederösterreich die Lehrlinge zum ersten Mal allein herstellen, die Krapfen wurden der Belegschaft und den Familien angeboten. Die "Original Wiener Faschingskrapfen" haben 1 EL Weinbrand im Teig und sind mit Marillenmarmelade gefüllt.Ein Alt-Wiener Brauch war, auf einen Faschingskrapfen einzuladen. Das zeremonielle Teilen eines Krapfens konnte einer Verlobung gleichkommen. Zur Zeit Kaiser Karl VI. (1685-1740) gab es bei Hof ein "Krapfenschießen". Zur Josephinischen Zeit hatte die Wiener Zeitung eine eigene Anzeigenrubrik für die Krapfenbäckerinnen. Es gab ungefüllte und gefüllte Krapfen zum Preis von einem bis drei Kreuzer. Studenten maßen sich im Wettessen, und sie sollen es auf je 30 Stück gebracht haben. Wirte lockten mit Gratiskrapfen, umso mehr, als in einzelne Exemplare Geldstücke eingebacken waren.

In Ost- und Südtirol sind am Allerheiligentag die Krapfenschnapper unterwegs. Am Nachmittag, bis 18 Uhr, ziehen Kinder undf Burschen von Haus zu Haus. Der Schnapper ist eine Holzstange, auf der sich ein geschnitzter Tierkopf mit beweglichem Unterkiefer befindet, der klappert. Die Heischegänger erhalten Geld, Krapfen und Süßigkeiten und bedanken sich im Namen der "armen Seelen". 2009/10 war der Brauch Inhalt eines von der EU finanzierten Interreg-Projekts. Chronisten in Osttirol und die Arbeitsgemeinschaft der Südtiroler Orts-Chronisten nahmen in den einzelnen Dörfern Kontakt mit den Ausführenden auf und dokumentierten deren Tun. Danach sollte "eine bessere Struktur" erzielt und versucht werden, "neuen Geist in diesen alten und tiefgründigen Brauch bringen und ihn möglichst zu einer sozialen Zielsetzung hinführen und versuchen, die jungen Menschen zu überzeugen, daß die Fortführung im Hinblick auf die Dorfgemeinschaft wesentlich ist."


Quellen: 
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1966. Bd. 1/S. 359
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 99
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S.166
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