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Bitcoin - Faktencheck#

Digitales Geld ohne jegliche Kontrolle #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Donnerstag, 25. Mai 2017)

Von

Roman Vilgut

Bitcoin
Der Wert von Bitcoin hat neue Rekorde erreicht
Foto: APA

Bitcoin sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Drogenschmuggler nutzen die Währungen, gleichzeitig wird die Technologie als Zukunft des Finanzwesens gesehen. Der Preis ist auf über 2000 Euro gestiegen. Was steckt hinter dem Hacker-Geld?


1. Was ist Bitcoin?

ANTWORT: Bitcoin ist ein Stück Computercode. Jedes Mal, wenn dieser Software-Schnipsel den Besitzer wechselt, wird das verschlüsselt in der sogenannten Blockchain aufgezeichnet. Es ist nahezu unmöglich, diesen digitalen Code zu hacken. Dieser Manipulationsschutz macht Bitcoin erst zu einer Art Alternativwährung.

2. Wer hat Bitcoin erfunden?

ANTWORT: Das lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. Das Referenzprogramm zur Schaffung von Bitcoin wurde von einem Hacker mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto 2008 veröffentlicht. 2016 behauptete der Australier Craig Steven Wright, hinter dem Pseudonym zu stecken. Eine digitale Signatur, die als Beweis dienen sollte, stellte sich jedoch als Kopie heraus. Die Community bezweifelt daher Wrights Darstellungen.

3. Wer steckt dann hinter Bitcoin?

ANTWORT: Es gibt keine „Zentralbank“ für Bitcoin. Die Währung wird von einem dezentralen Rechnernetzwerk verwaltet. Über eine Gratis-Software kann jeder teilnehmen. Das Programm speichert Transaktionen in Blöcken, die miteinander verkettet sind. Diese Blockchain ist auf allen Computern im Netz gespeichert. Sie ist verschlüsselt, deshalb wird Bitcoin als Kryptowährung bezeichnet. Die meisten Rechner des Bitcoin- Netzes stehen in China.

4. Woher kommen Bitcoins?

ANTWORT: Der Fachausdruck für die Schaffung von Bitcoins ist „mining“, also abbauen. Die Berechnung der Blockchain braucht einiges an Rechenleistung. Wer die Bitcoin-Software installiert hat, wird für jeden errechneten Block mit frischen Bitcoins belohnt. Doch die Rechner des Bitcoin-Netzes stehen nicht umsonst großteils in China. In Europa übersteigen Kosten für Hardware und Strom den Wert der Bitcoins, die man dafür bekommt. Es ist einfach kein gutes Geschäft.

5. Wo kann ich Bitcoins kaufen?

ANTWORT: Gehandelt werden Bitcoins auf öffentlichen Börsen. Am bekanntesten sind bitstamp, bitcoin.de und Kraken. In Graz kann man Bitcoins bei Coinfinity in der Mariahilferstraße kaufen. Dafür braucht man allerdings ein Wallet, eine Brieftasche für Bitcoins. Für den Computer eignet sich Electrum, am Smartphone ist Mycelium eine gute Alternative. In Klagenfurt eröffnete gerade die „Europäische Crypto Bank“ in der August-Jaksch-Straße.

6. Aber wozu der ganze Aufwand?

ANTWORT: Beliebt ist Bitcoin vor allem in Ländern, die strenge Bargeldkontrollen haben wie Indien und China. Darüber hinaus kann man mit Bitcoin weltweite Überweisungen binnen weniger Minuten erledigen. In Europa wird Bitcoin allerdings oft auch für illegale Geschäfte verwendet, wie Erpresser-Software und Drogenhandel.

7. Warum nutzen Kriminelle Bitcoin?

ANTWORT: Hauptgründe sind wohl einfache Handhabung und schnelle Überweisung. Allerdings gehen Kriminelle mit Bitcoin ein Risiko ein. Denn alle Überweisungen sind transparent. Wer sich gut auskennt, kann den Weg jeder Bitcoin verfolgen und kriminelle Netzwerke aufdecken. Die Behörden haben das nötige Know-how.

8. Wie stehen eigentlich Banken zu der digitalen Währung?

ANTWORT: Anfangs wurde Bitcoin eher belächelt. Inzwischen haben auch Finanzkonzerne das Potenzial erkannt. Ihnen geht es allerdings nicht um Bitcoins, sondern um die Blockchain. Banken könnten diese Technologie nutzen, um grenzüberschreitende Überweisungen schnell abzuwickeln.

9. Gibt es Alternativen zu Bitcoin?

ANTWORT: Bitcoin war die erste echte Kryptowährung. Die dahinterliegende Software ist frei zugänglich. Daher gibt es inzwischen eine Vielzahl an aktiven Alternativen zu Bitcoin, die technisch teilweise deutlich mehr können als das Original. Am populärsten sind Ethereum und Ripple. Eine Übersicht über alle Kryptowährungen und deren Marktkapitalisierung bietet die Webseite coinmarketcap.com.

10. Warum steigt der Kurs jetzt?

ANTWORT: Es gibt mehrere Erklärungen. Strenge Bargeldkontrollen in China und Indien können mit Bitcoin umgangen werden. In Japan wurde Bitcoin als Währung anerkannt. Die USBörsenaufsicht prüft die Zulassung eines Bitcoin-Fonds. Doch auch Kurse anderer Kryptowährungen steigen. Das lässt nur einen Schluss zu: ein gestiegenes Interesse von Spekulanten. Mit großen Summen kann hier viel bewegt werden. Irgendwann werden Gelder wieder abgezogen und die Gewinne realisiert.

11. Worauf muss man achten, wenn man in Kryptowährungen investiert?

ANTWORT: Bitcoin und Co. sind extrem volatil. Der Kurs kann sehr schnell steigen und fallen. Kryptowährungen sind keinesfalls eine sichere Anlage. Wer neugierig ist, kann mit kleinen Beträgen anfangen. Achtung: Es gibt unseriöse Anbieter. Bekannte Bösewichte sind das Schneeballsystem „OneCoin“ und die Multilevel-Marketing-Plattform „BitClub Network“.

Kleine Zeitung, Donnerstag, 25. Mai 2017

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