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Gentechnik#

Gentechnik bedeutet die künstliche Veränderung der Erbanlagen durch direkte Manipulation des Erbmaterials (DNA). Dies ist seit dem EU-Beitritt 1995 durch das Gentechnikgesetz geregelt und in verschiedenen Aspekten durch Verordnungen laufend näher behandelt.

Für gentechnische Arbeiten gibt es mehrere Sicherheitsstufen: Meldepflicht gilt grundsätzlich für alle Arbeiten, in den höheren Sicherheitsstufen ist eine behördliche Genehmigung erforderlich (zum Teil befristet). Besonders strenge Bestimmungen betreffen gentechnische Manipulationen an der menschlichen Keimbahn, die absolut verboten sind.

Die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen (derzeit fast nur Pflanzen) außerhalb spezieller Labors ("Freisetzung" bzw. "Inverkehrbringen") ist in jedem Fall genehmigungspflichtig und kann zunächst nur in geringen Mengen unter intensiver Überwachung ("Monitoring") erfolgen. Produkte, die durch Gentechnik veränderte Organismen oder Teile davon enthalten, müssen in Österreich und in der EU gekennzeichnet werden, insbesondere auch Lebens- oder Futtermittel. die aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden.

Arbeiten auf dem Gebiet der Gentechnik werden in Österreich hauptsächlich an Universitäten, Kliniken, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und von der Pharmaindustrie durchgeführt.


Ohne Zulassung darf in der EU und damit auch in Österreich kein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verwendet werden: Weder gentechnisch verändertes (GV) Saatgut für landwirtschaftliche Nutzpflanzen, noch die GV Lebens- und Futtermittel, die daraus hergestellt werden. Seit 2004 ist in der EU ein überarbeitetes Rechtssystem in Kraft, das in allen EU-Mitgliedstaaten gilt.

Auf EU-Ebene sind zahlreiche GVOs, zumeist gentechnisch veränderte Pflanzen, bereits zugelassen (Stand September 2011: 39 verschiedene GV-Pflanzen). Im vorangegangenen Jahr wurden 8 neue GV Pflanzenlinien, zumeist aus verschiedenen GV Maislinien kombinierte GVOs für die Vermarktung sowie für die die Verwendung als Lebens- und Futtermittel zugelassen. (Die meisten dieser GVO-Produkte werden allerdings in die EU importiert, weil nur ganz wenige GVO für Anbauzwecke zugelassen sind. Derzeit sind das 2 GV-Mais- und 1 GV-Kartoffellinie.)

Eine Übersicht über in Österreich zugelassene GVO findet sich im Österreichischen Gentechnikregister. In Österreich wurden GVO bisher weder zu kommerziellen Zwecken angebaut, noch gab es Testanbau für wissenschaftliche Zwecke ausserhalb geschlossener Bereiche (z.B. Gewächshäuser). Für GV-Pflanzen, die in der EU eine Anbauzulassung haben, bestehen in Österreich Anbauverbote. Die Verwendung einer Reihe von importierten GV-Produkten, z.B. gentechnisch veränderten Sojabohnen, ist allerdings erlaubt. (Derartige GVO bzw. aus ihnen hergestellte Erzeugnisse werden überwiegend als Futtermittel für Nutztiere verwendet. )

In Österreich ist derzeit (2017) das Inverkehrbringen von 3 gentechnisch veränderten Maislinien, einer gentechnisch veränderten Kartoffellinie, sowie einer Reihe von gentechnisch veränderten Rapslinien verboten.


Die Ablehnung aller gentechnisch veränderten Pflanzen ist z.B. nach den unten angeführten Beiträgen von Blanz/Maurer und Torgersen kaum mehr haltbar. Zudem hat sich die Situation nicht zuletzt durch die "Genschere" (CRISPR) grundlegend geändert, wie die anderen Beiträge belegen.

Neuere Videos zum Thema (vor allem CRISPR)#

Frühe Videos zum Thema#


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Gentechnik im Vormarsch (16.2.2006)

(mit freundlicher Genehmigung des ORF und EuScreen)



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Eco - Gentechnikfrei (13.10.2005)

(mit freundlicher Genehmigung des ORF und EuScreen)


Literatur#

  • E. P. Fischer, Treffen sich zwei Gene: Vom Wandel unseres Erbguts und der Natur des Lebens, 2017
  • R. Trojok, Biohacking: Gentechnologie für alle, 2016
  • R. D. Schmid, R. Hammelhele, Taschenatlas der Biotechnologie und Gentechnik, 2016
  • O. Luger, A. Tröstl, Über Gentechnik und Klone: Eine Übersicht, 2015
  • A. Reinecke, Gentechnik: Grundlagen, Methoden und Anwendungen, 2004
  • H. Ibelgaufts, Gentechnologie von A bis Z, 1993
  • D. Heberle-Bors, Herausforderung Gentechnik, 1996