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Weltausstellungen in Wien#

Das Europa im 19. Jahrhundert war geprägt vom beinahe unbegrenzten Glauben an Technik und Wissenschaft. Die Zeugen dieses Fortschritts - Maschinen und deren Produkte - wurden stolz auf nationalen Industrieausstellungen präsentiert.

Die erste Weltausstellung[1] wurde auf Anregung Prinz Alberts 1851 im Londoner Hyde Park abgehalten, wo eigens für die Veranstaltung der Crystal Palace, ein Palast aus Eisen und Glas errichtet wurde.


Die Wiener Weltausstellung 1873#

Ab den 1850er-Jahren dachte man auch in Österreich daran, eine "Weltausstellung" abzuhalten, um Österreich als europäische Großmacht und die Kaiserstadt Wien als kulturelles und diplomatisches Zentrum zu präsentieren.

Im Zentrum der Bemühungen stand die Umgestaltung Wiens zur modernen Weltstadt - mit vielen städtebaulichen und verkehrstechnischen Maßnahmen, die die Abhaltung der Weltausstellung überhaupt erst ermöglichten: das Abtragen der alten Festungsanlagen, der Bau der Ringstraße, der Zusammenschluss der inneren Stadt mit den Vorstädten, die Donauregulierung und die Umgestaltung des Praters gehörten ebenso dazu wie die Erweiterung und Modernisierung des Straßen- und Schienennetzes oder die Errichtung von Spitälern.

Am 1. Mai 1873 öffnete die (bisher einzige) Wiener Weltausstellung ihre Pforten - für ein halbes Jahr wurde die Stadt zum Schauplatz einer Ausstellung, wie es sie noch nie zuvor geben hatte. Als fünfte in der Geschichte der Weltausstellungen und als erste im deutschen Sprachraum überhaupt übertraf sie ihre Vorgängerinnen bei weitem sowohl an Fläche als auch an Exponate:

Das Ausstellungsgelände umfasste eine Fläche von 233 Hektar, auf der sich rund 200 Einzelbauten befanden. Auf der Weltausstellung präsentierten 53.000 Aussteller aus 35 souveränen Staaten und dazugehörigen Kolonien Waren, Güter und Produkte. Zu erwähnen sei hier Hanns Köttl, der Begründer der Forellenzuchtanstalt Österreich-Ungarns, der hier erstmalig eine Broschüre über die künstliche Fischzucht vorstellte.

Im Zentrum lag der fast einen Kilometer lange Industriepalast mit dem damals größten Kuppelbau der Welt, der Rotunde, die mit ihrem Durchmesser von 108 Metern den Petersdom in Rom übertraf. Rundherum befanden sich, ein Neuheit bei einer derartigen Ausstellung, thematisch festgelegte Pavillons – man könnte sagen, dies war die Geburtsstunde der modernen Freizeitparks.

Besucher Weltausstellung 1873
Bericht aus einem Wiener Geschichtsbuch - Foto: Archiv

Statt der erwarteten 20 Millionen wurde die Weltausstellung "nur" von 7,2 Millionen Menschen besucht, wenn sich auch darunter die prominentesten Persönlichkeiten der Zeit befanden (Deutscher Kaiser, Zar von Russland, Könige von Belgien, Italien, Schweden und anderen). Auch auf Grund des Börsenkrachs vom 9. 5. 1873 ("Schwarzer Freitag") und einer Choleraepidemie erreichte sie nicht den erwarteten Erfolg und hinterließ ein großes Defizit.


Seilbahn auf den Leopodsberg
Standseilbahn auf den Leopoldsberg 1873 - Foto: Archiv

Von der Ausstellung selbst ist baulich kaum etwas übrig geblieben. Von all den Gebäuden überlebten nur der "American Pavillon" (heute das Café-Restaurant 'Meierei'), und die "Pavillons des amateurs", die als Bildhauerateliers des Bundes an Künstler vermietet werden.

Der zentrale Brunnen im französischen Stil wurde von der Stadt Graz erworben und steht noch heute im Grazer Stadtpark. Die Rotunde hingegen, lange eines der Wahrzeichen von Wien, wurde 1937 bei einem Großbrand zerstört.



Weiterführendes#


Button EXPO 95
Button 1990
Foto: P. Diem

Der Plan für eine EXPO 1995#

Beginnend mit 1987 wurde ein Verein zur Bewerbung um eine gemeinsame Weltausstellung Wien-Budapest unter dem Vorsitz von Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger gegründet. Nach erfolgreicher Bewerbung beim Pariser Weltausstellungskomitee (BIE) in Paris durch die beiden Generalsekretäre Gerhard Feltl und Ernst Stock wurde die EXPO-Vienna-AG mit der konkreten Planung und Umsetzung beauftragt. In Ungarn wurden akkordierte Vorbereitungen unter der EXPO-Regierungskommissärin Etelka Baresi-Pataki getroffen.

Das Prestigeprojekt, mit dem Wien nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" ein internationales Zeichen als Metropole setzen wollte – fand breite Unterstützung durch Politik, Wirtschaft und Medien. Mit der Nachnutzung des EXPO-Geländes wollte man zusätzlich einen zweiten Stadtkern an der Donau schaffen.

Die für 1995 geplante gemeinsame Weltausstellung scheiterte an den Finanznöten des ungarischen Partners und an der Ablehnung durch die Wiener Bürger in einer Volksbefragung im Mai 1991.

Wiener Donaucity
Donaucity von der Brigittenauer Brücke aus
Foto: P. Diem

So wurde statt der Weltausstellung das "Nachnutzungskonzept" realisiert – der neue Stadtteil "Donaucity Wien" wurde geschaffen.


(Alle Berichte / Studien von Dr. Gerhard Feltl zur Verfügung gestellt)



[1]Geschichte der Weltausstellungen

In der Zeit nach der Französischen Revolution 1789 wurden in Frankreich erste Messen veranstaltet, die nicht dem Handel dienten, sondern dem Vorführen neuer Erzeugnisse. Die Produkte von Manufakturen und den neu entstandenen industriellen Betrieben wurden von einer Jury bewertet und für ihre Qualität ausgezeichnet.

Im 19. Jahrhundert war ganz Europa geprägt vom beinahe unbegrenzten Glauben an Technik und Wissenschaft: Maschinen und ihre Erzeugnisse wurden stolz auf nationalen Industrieausstellungen präsentiert. Für Großbritannien - als führende Industrienation und imperialistische Kolonialmacht - lag es nahe, diesen Industrieschauen einen weltweiten Anspruch zu verleihen. Die erste "Weltausstellung" wurde auf Anregung Prinz Alberts 1851 im Londoner Hyde Park abgehalten, wo eigens für die Veranstaltung der "Crystal Palace", ein Palast aus Eisen und Glas errichtet wurde.

Die ersten Ausstellungen vereinigten alle Aussteller unter dem großen Dach eines einzigen Gebäudes. Mit der Ausstellung 1867 in Paris konnte der Platzbedarf so jedoch nicht mehr gedeckt werden, wodurch man sich gezwungen sah, für die teilnehmenden Länder separate Pavillons zu errichten - ein Konzept, das sich bis heute gehalten hat.

Die Weltausstellungen wurden ein großer Erfolg, da sie die Idee von technischer Faszination mit Unterhaltung verbanden. Oft wurden Erlebnisparks, Schauarchitekturen und Völkerschauen eingerichtet, die den Weltausstellungen den Charakter von großen Jahrmärkten gaben.

Als um 1900 gleichzeitig mehrere Weltausstellungen stattfanden, wurde der Ruf nach einer verbindlichen Regelung laut. Doch erst 1928 wurde mit dem "Bureau International des Expositions" (B.I.E.) in Paris eine Institution geschaffen, die über Häufigkeit und Kategorisierung der Ausstellungen entschied. Ab 1933 stufte das "B.I.E" die Ausstellungen nach Größe und internationaler Bedeutung entsprechend in unterschiedliche Kategorien ein

  1. Weltausstellungen der 1. Kategorie
  2. Weltausstellungen der 2. Kategorie
  3. Spezialausstellungen zu bestimmten Themen
  4. Ausstellungen, die nicht stattfanden (expositions n'ayant pas eu lieu)
Seit 1972 wird unterschieden zwischen
  1. Weltausstellungen
  2. Spezialausstellungen
  3. Ausstellungen, die nicht stattfanden

Liste der (von der "B.I.E." registrierten) Weltausstellungen#

1851LONDON, Großbritannien
1855PARIS, Frankreich
1862LONDON, Großbritannien
1867PARIS, Frankreich
1873WIEN, Österreich
1876PHILADELPHIA, USA
1878PARIS, Frankreich
1880MELBOURNE, Australien
1888BARCELONA - Spanien
1889PARIS, Frankreich
1893CHICAGO, USA
1897BRÜSSEL, Belgien
1900PARIS, Frankreich
1904ST. LOUIS, USA
1905LÜTTICH, Belgien
1906MAILAND, Italien
1910BRÜSSEL, Belgien
1911TURIN, Italien
1913GENT, Belgien

1915SAN FRANCISCO, USA
1929BARCELONA, Spanien
1933/34CHICAGO, USA
1935BRÜSSEL, Belgien
1937PARIS, Frankreich
1939/40SAN FRANCISCO, USA
1942Rom, ItalienABGESAGT
1949PORT-AU-PRINCE, Haiti
1958BRÜSSEL, Belgien
1962SEATTLE, USA
1967MONTREAL, Kanada
1970OSAKA, Japan
1992SEVILLA, Spanien
1995WIEN und BUDAPEST, Österreich und Ungarn ABGESAGT
2000HANNOVER, Deutschland
2004SEINE-SAINT-DENISABGESAGT
2008SARAGOSSA, Spanien
2010SHANGHAI, China
2015MAILAND, Italien