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vom 26.08.2018, aktuelle Version,

Filialkirche Kleinsöding

Die Filialkirche im Juli 2015

Die Kirche hl. Sebastian[1] ist eine römisch-katholische Filialkirche in der Ortschaft Kleinsöding der Gemeinde Söding-Sankt Johann in der Weststeiermark. Sie ist der Pfarrkirche Mooskirchen untergeordnet. Ihre Geschichte führt bis in den Beginn des 16. Jahrhunderts zurück. Bis heute finden jedes Jahr am Ostersonntag Prozessionen aus den umliegenden Dörfern in der Erinnerung an die Pest statt.

Geschichte

Die Kirche wurde laut einer Urkunde der Diözese Seckau im Jahr 1508 vermutlich am Standort eines kleinen Pestheiligtums erbaut. Das Geld zur Errichtung der Kirche kam durch den sogenannten „Kühzins“ zusammen, das heißt durch den Schwur der pestgeplagten Bauern der Umgebung, im Laufe ihres Lebens eine Kuh an die Kirche zu spenden. Zuerst dürfte der Chor errichtet worden sein, an den 1562 ein Kirchenschiff mit flacher Holzdecke angebaut wurde. Im Jahr 1676 wurde das spätgotische Bauwerk barockisiert und das Kirchenschiff eingewölbt. Aus derselben Zeit stammt die im Osten an die Kirche angebaute Kreuzkapelle. 1970 wurden die Außenseite sowie die beiden Seitenaltäre restauriert.[2][3]

Als Erinnerung an die Pestzeit finden bis heute jedes Jahr am Ostersonntag Marterprozessionen, die sogenannte „Maschta“[4], aus den umliegenden Dörfern statt. Zu diesen Dörfern gehören Attendorf, Fluttendorf, Großsöding, Kleinsöding sowie Stögersdorf. Die Prozessionen tragen dabei ein Marterkreuz vor sich her und singen beim Einzug in die Kirche die sogenannten „Maschtagesänge“.[2]

Beschreibung

Die an die Kirche angebaute Kreuzkapelle
Blick in Richtung des Hochaltares

An der Westseite der Kirche steht der viergeschossige Kirchturm mit Zeltdach. Seine Geschosse sind durch steinerne Kaffgesimse voneinander getrennt. In diesem Turm hängen eine 1675 von Lorenz Selner gegossene sowie eine 1710 von Florentin Streckfuß gegossene Glocke. Das westliche, spitzbogige Kirchenportal ist verstäbt und im unteren Teil gerautet. In einer Nische neben dem Portal steht eine sandsteinerne[2] Figur des heiligen Sebastian und über dem Eingang ist ein Relief aus dem 16. Jahrhundert angebracht, das Grabwächter zeigt. Das rundbogige Südportal ist profiliert. An der Außenwand des Chores befindet sich die 1676 angebaute Kreuzkapelle, die mit einem Gitter aus Schmiedeeisen verschlossen werden kann. In der Kreuzkapelle stehen ein Kruzifix sowie zwei um 1676 gefertigte Statuen der Heiligen Rochus und Sebastian.[3]

Das fünfjochige Kirchenschiff wird durch einen niedrigen, eingezogenen Fronbogen vom dreijochigen Chor getrennt. Sowohl das Langhaus als auch der Chor sind von einer Stichkappentonne überwölbt. Der Chor hat einen Dreiachtelschluss sowie einfache gotische, zweibahnige Maßwerkfenster. Die Kirchenfenster im Langhaus wurden barockisiert. Die nördlich an den Chor angebaute Sakristei aus dem 17. Jahrhundert ist tonnengewölbt. Die dreiachsige, gemauerte Empore im westlichen Teil des Langhauses wurde laut einer Inschrift 1562 errichtet. Sie wird von Säulen getragen und ist von einem Kreuzgratgewölbe unterwölbt. Von der Empore gelangt man durch ein Schulterbogenportal in den Kirchturm.[3]

Der im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts aufgestellte steinerne Hochaltar weist durchbrochene Mittelstücke auf. Im unteren Mittelstück steht eine Figur der heiligen Anna selbdritt, deren Darstellung der Maria später überarbeitet worden ist. Im Altaraufsatz steht eine Statue des heiligen Florian. Des Weiteren stehen zwei Reiterfiguren der Heiligen Georg und Martin sowie Figuren der Heiligen Paulus, Petrus und Rochus am Hochaltar. Die beiden Seitenaltäre wurden aus Teilen eines spätgotischen Schnitzaltares gefertigt, der aus der Pfarrkirche Hitzendorf stammt.[2] Die Reliefs auf den beiden Altären zeigen Szenen aus dem Leben Marias und stammen aus der Zeit um 1510 bis 1520. Sie wurden im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts in ihre heutige Form gebracht und mit gesprengartigen Aufsätzen sowie Seitenwangen und Schleierbrettern versehen. Die Reliefs am linken Altar zeigen den Marientod, die Flucht nach Ägypten sowie die Darstellung Jesu im Tempel und sind seitlich mit einem teilweisen Stammbaum Jesu gerahmt. Die Reliefs am rechten Altar zeigen die Verkündigung des Herrn, die Heimsuchung Mariä sowie die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige. Die Kanzel wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgestellt.[3]

Am Fronbogen stehen eine lebensgroße, im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts angefertigte Statue des heiligen Sebastian und darüber zwei in der gleichen Zeit gefertigte Engelsfiguren. Im Chorschluss stehen zwei Figuren der Heiligen Laurentius und Oswald, die aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen.[3]

Literatur

  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 528.
  Commons: Filialkirche Söding  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Pfarre Mooskirchen. www.katholische-kirche-steiermark.at, abgerufen am 22. Januar 2016 (deutsch).
  2. 1 2 3 4 Geschichte Södings. www.kultur-soeding.at, abgerufen am 22. Januar 2016 (deutsch).
  3. 1 2 3 4 5 Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 528.
  4. Maschta bedeutet wahrscheinlich Marter, d. h. seelische oder körperliche Qual.