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vom 20.06.2017, aktuelle Version,

Othmar Jaindl

Othmar Jaindl (* 16. September 1911 in Sankt Veit an der Glan; † 1. Jänner 1982) war ein österreichischer Bildhauer.

Leben

Othmar Jaindl besuchte bis 1928 die Bundeslehranstalt für Bau und Kunstgewerbe im Fach Holzbearbeitung in Villach. 1929 war er Gehilfe beim Bildhauer Max Domenig in Hallein. Von 1929 bis 1932 studierte er an der Kunstgewerbeschule Wien bei Anton Hanak und von 1932 bis 1939 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Anton Hanak und Albert Bechtold. Von 1940 bis 1945 leistete er Kriegsdienst. Ab 1946 arbeitete er als freischaffender Künstler im Elternhaus in St. Ruprecht in Villach. Mit 1950 baute er eigenhändig sein Atelierwohnhaus in St. Andrä in Villach, das sich bis heute im Originalzustand am Villacher Othmar-Jaindl-Weg 1, zu Füßen der Burgruine Landskron, befindet. Von großen Bäumen geschützt, überrascht es durch seine runde Fassade und das Flachdach, das zur Zeit seiner Erbauung in den 1950er Jahren bahnbrechend modern gewirkt haben muss.

Othmar Jaindl (rechts) vor seinem Haus und Atelier in Landskron. In der Mitte sein Freund Georg Fohn und dessen Tochter Helga Mrkvicka.
Signatur
Sculpture, Othmar Jaindl (1911–1982), Landskron/Villach, Austria
Holy Family, ca. 1966, Othmar Jaindl (1911–1982), Sculptor from Landskron/Villach, Austria

Holzskulpturen, die im Freien um das Haus stehen, begrüßen den Besucher und ragen wie Mahnmale empor. Jeweils aus einem Stamm herausgearbeitet, machen sie Erhabenheit und Stolz spürbar und wirken trotz ihrer Größe und Masse geradezu leicht und von Leben erfüllt. Wer das Haus betritt, wird vom Geist des Künstlers, der in jeder einzelnen seiner anmutigen Skulpturen lebt, erfasst. Wie große und kleine Kinder stehen die zwischen 40 Zentimeter und mehreren Meter hohen Holzskulpturen im Atelier, jede einzigartig in Form und Holzart. Ein feuchter Holzgeruch durchdringt heute das seit 25 Jahren unbewohnte (dringend renovierungsbedürftige) Haus, das Jaindl nach eigenen Plänen erbauen ließ. Details, wie ein aus einem Stamm geschlagener Sessel, eine futuristisch wirkende Garderobe aus Astgabeln oder ein großzügiger Türgriff aus einem Ast, der in seiner natürlich gewachsenen Form beibehalten wurde, lassen den Besucher bewundernd verweilen. Wie hingebungsvoll der Bildhauer seinen lebenslangen Dialog mit dem Holz führte, zeigt die Tatsache, dass er kurz vor seinem Tod noch eigens einen Raum an sein Atelier anbaute, um darin die 3,20 Meter hohe Skulptur „Konzert“ (Linde, 1968) unterzubringen.

Othmar Jaindl wird als nonkonformistischer Außenseiter beschrieben, als einer, der sich ein Leben lang ausschließlich seiner Kunst hingab und dennoch nie in der Kunstszene Fuß fassen konnte. Im Zweiten Weltkrieg, durch den Jaindl einige Jahre in Norwegen und Finnland verbringen musste, inspirierten ihn die weitläufigen Wälder so sehr, dass er ab 1945 dem Werkstoff Holz als alleinigem Arbeitsmaterial den Vorzug gab. In den nächsten 15 Jahren entstanden archaische Figuren und Köpfe, im Wissen um den Wert des Lebens, das im Krieg nichts zählt. Er lebte im Einklang mit der Natur, schöpfte Kraft aus ihr, war begeisterter Bergsteiger und Mineraliensammler und liebte es, im Winter Eis laufend die Weiten des Ossiacher Sees zu erobern. Er besaß kein Auto, auch kein Moped, sondern war überzeugter Fahrradfahrer – heute würde man ihn wohl als „Aussteiger“ bezeichnen.

Wie sehr Jaindl seiner Zeit voraus war, zeigen Notizen aus den fünfziger Jahren. Das Entscheidende ist das Werden, denn die fertige Form ist der Beginn des Verfalls. – erklärte Othmar Jaindl und betrachtete die Holzstämme, die er oft unter größten materiellen Schwierigkeiten in den Bergen aussuchte und dann erwarb, mit Ehrfurcht und einem tiefen Naturverständnis.

Nur zwei Skulpturen des oft von existenziellen Nöten geplagten Künstlers, der ein erstaunlich vielfältiges und dennoch in sich geschlossenes Werk entwickelte, sind in seinem Wirkungskreis Villach und Umgebung auf öffentlichen Plätzen zu bewundern: vor dem Stift Ossiach, wo eine neun Meter hohe Eichenholz-Stele steht, und in Paternion, wo Jaindl ein Denkmal aus Krastaler Marmor schuf. Das Atelier des Bildhauers, das noch viele Skulpturen von Othmar Jaindl beherbergt, kann nach Voranmeldung bei seinen Verwandten besichtigt werden, der Garten ist frei zugänglich.

Werke

Ausstellungen

  • 1964 Retrospektive 1946–1963 in der Galerie 61 in Klagenfurt
  • 1967 gemeinsame Ausstellung mit Werner Berg in Kostanjevica na Krki
  • 1973 Retrospektive 1929–1973 im Künstlerhaus Klagenfurt
  • 1979 Galerie Slama in Klagenfurt
  • 1979 Oberösterreichisches Landeskulturzentrum Ursulinenhof in Linz
  • 2011 Werner-Berg-Museum Zum 100. Geburtstag
  • 2011 Dinzlschloss Zum 100. Geburtstag[2]

Publikationen

  • Plastiken. Einführung von Grete Misar, Hrsg. Kärntner Landesregierung und Stadtgemeinde Villach, Ritter Verlag, Klagenfurt 1975.
  • Peter Baum: Othmar Jaindl. 1911 - 1982. Bildband zu Plastiken, Ritter Verlag, Klagenfurt 1986, ISBN 3-85415-042-3.
  Commons: Othmar Jaindl  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lebenslanger Dialog mit dem Holz. Atelierbesuch zum Gedenken an den Bildhauer Othmar Jaindl (1911–1982). (Memento vom 9. Februar 2016 im Internet Archive)
  2. Zum 100. Geburtstag von Othmar Jaindl Stadt Villach, 25. August 2011