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unbekannter Gast

Alter Prunk in dunkler Gasse#

Die Bürgergasse – wo der Kaiser ruht, Edelleute ihre Palais bauten, Generationen von Grazern tanzen lernten und Graz die Gastlichkeit pflegt(e). #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung, 16. Juni 2018

Von

Christian Weniger


Eindrücke von der Bürgergasse
Eindrücke von der Bürgergasse
Fotos: KARL A. KUBINZKY (5) / BALLGUIDE/STEFAN PAJMAN (4)

Dunkel ist sie halt, sehr dunkel“, erzählte ein Bekannter, der seit Jahren in der Bürgergasse logiert. Bei blauem Himmel und wunderbarem Sonnenschein führte unlängst der Spaziergang zur Bürgergasse, die uns wahrlich keine Unbekannte ist, aber noch nie zuvor war es so aufgefallen: Ja, die Bürgergasse, die sich zwischen Palais vom Tummelplatz zur Stadtkrone mit Dom und Burgareal hinaufwindet, ist in weiten Teilen wie eine finstere Schlucht. Was vielleicht daran liegen mag, dass die Bauten in dieser Gasse im Kern vielfach aus finsterer Zeit stammen, dem Mittelalter.

Wobei man in die Bürgergasse aus lichter Höhe einsteigt, folgt man der Nummerierung. Diese beginnt nämlich oben gleich gegenüber dem Schauspielhaus mit Nummer 2, dem Gebäude der Alten Universität, die noch vor dem Dreißigjährigen Krieg Anfang des 17. Jahrhunderts als Bollwerk der Gegenreformation errichtet wurde. Wer im Trubel der Stadt ein wenig Ruhe sucht, findet diese im fantastischen Innenhof des Gebäudes, in dem sich das Priesterseminar befindet.

Die Seite gegenüber säumen der Dom und das Mausoleum, in dem der in Graz geborene Kaiser Ferdinand II., der das Ende dieses großen europäischen Krieges nicht mehr erlebte, beigesetzt wurde. Ein dreigeschoßiger Trakt mit Durchfahrt, der 1832 abgerissen wurde, verband einst die Alten Universität und den Dombereich.

Zu einer ganz besonderen Einsicht lädt Stadthistoriker Karl A. Kubinzky ein: Die Kluft zwischen Mausoleum und dem Domherrenhaus (Bürgergasse 1), mit Prunkportal und dem Herkulesbrunnen im Innenhof, macht Reste der uralten Stadtmauer sichtbar. Das danebenliegende, aus der Renaissance stammende Palais trägt einen klingenden Namen, den der Fürsten Schwarzenberg, die einst hier ihre Grazer Residenz hatten, das Wappen mit dem Fürstenhut ziert das barockisierte Portal.

Auch wenn sie Bürgergasse heißt, waren es die Adeligen, die hier ihre Palais errichteten“, erzählt Professor Kubinzky. Da ist das Palais Lengheimb, an der Ecke zur Santa Clara, mit den alten Arkadengängen und sogenannten Sgraffiti aus der Zeit, als Graz lutherisch war. Aber bekannter ist dieses Renaissancepalais mit Erker als Sitz der altehrwürdigen Gaststätte namens Stainzerbauer, in der sich gerne in Graz gastierende Künstler nach ihrem Auftritt entspannten. Udo Jürgens etwa galt als Stammgast des Hauses.

Schräg gegenüber, im Palais Trauttmansdorff, das Anfang der 90er-Jahre laut Altstadtschützern zuerst mutwillig demoliert und dann abgerissen wurde, hatte sich eine Institution etabliert, die manchen noch in Erinnerung sein dürfte – die Tanzschule Eichler, die dann zur Tanzschule Mirkowitsch wurde, in der Generationen junger Grazerinnen und Grazer den Walzerschritt erlernten. Den Neubau, die Trauttmansdorff- Passage, ursprünglich eine Art kleines Einkaufscenter, prägt ein Wechsel an Geschäften. Das großzügig angelegte Lebensmittelgeschäft schrumpfte, bis es ganz verschwand.

Was in Vergessenheit geraten sein dürfte, ist, dass sich im Haus Nummer 6 – dessen hinterer Bereich zum Restaurant Santa Clara wurde – das Versatzamt der Stadt Graz befand, das städtische Gegenstück zum Dorotheum. Und einige Schritte weiter, im Eckhaus Bindergasse, konnte man Hunger und Durst im Winterbierhaus stillen.

Der modern gefasste Ausläufer der Bürgergasse mündet in einer Grazer Bildungseinrichtung mit Tradition – dem Akademischen Gymnasium, das den Anschein erweckt, es würde den Tummelplatz krönen, tatsächlich aber trägt es die Adresse Bürgergasse 15, eine ehrwürdige Endstation für eine ehrwürdige Gasse. Und ein Anreiz, das Wissen zu erweitern – wie wäre es mit der Erforschung der Burggasse?