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Strom gibt’s an der Tankstelle #

Immer mehr Menschen würden gern ein E-Auto fahren. Aber woher soll der Strom kommen? #


Von den Salzburger Nachrichten (Montag, 15. Mai 2017) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Barbara Morawec


E-Auto
E-Auto
Foto: SN/LASSEDESIGNEN - FOTOLIA

WIEN. Laut Verkehrsclub Österreich fährt der durchschnittliche Autofahrer in Österreich täglich 34 Kilometer. Das geht sich mit Elektromobilität bei einer gesicherten Reichweite von mehr als 150 Kilometern locker aus. Für Überlandfahrten bedarf es dann aber einer so genannten Schnellladeinfrastruktur, wie sie etwa die Firma SMATRICS in Österreich anbietet. Dabei soll ungefähr alle 60 Kilometer eine Schnellladestelle zu finden sein, mit der das Elektrofahrzeug mit bis zu 50 Kilowatt geladen werden kann. Das Fahrzeug kann binnen 20 Minuten, also während eines Kaffeestopps, zu 80 Prozent wieder aufgeladen werden (bei etwa 20 Kilowattstunden).

„Wie groß das Ladestellennetz für Österreich sein müsste, ist eine schwierig zu beantwortende Frage. Vermutlich wird es sich bedarfsgerecht von selbst entwickeln“, meint Dominik Fasthuber vom Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe an der TU Wien. Da im ländlichen Bereich die meisten Autobesitzer eine eigene Garage hätten, werde es hier vorrangig Heimladestationen mit geringerer Leistung geben, welche die Fahrzeuge über Nacht aufladen.

An den Autobahnen und natürlich in den Städten brauche es aber ausreichend Schnellladeinfrastruktur, um die Stromflotte versorgen zu können. „Das ist vielleicht auch ein Grund, warum sich die OMV mit 40 Prozent bei SMATRICS eingekauft hat“, sagt Fasthuber.

Und er rechnet vor: In Österreich gibt es vier Millionen Autos. Wenn nun die Hälfte auf Elektromobilität wechseln würde und man von einer durchschnittlichen jährlichen Kilometerleistung von 12.400 Kilometern ausgeht (34 Kilometer an je 365 Tagen), so ergibt sich bei einem Elektrofahrzeug mit einem Verbrauch von 0,18 kWh/km ein Energiebedarf pro Fahrzeug von 2232 kWh im Jahr. Das wäre ein Gesamtenergiebedarf von knapp 4,5 TWh (Terawattstunden) pro Jahr.

Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht in Österreich 4100 kWh pro Jahr an elektrischer Energie. Ein Elektroauto würde den Verbrauch dieses Haushalts also um etwa 50 Prozent heben.

Fasthuber: „Das Kraftwerk Freudenau produziert eine Terawattstunde pro Jahr.“ Also benötige man für die 4,5 TWh zusätzlich 4,5 Mal ein Wasserkraftwerk der Größe Freudenaus. Oder man installiert die doppelte Kapazität an Windrädern, die 2016 rund 5,7 Terawattstunden pro Jahr betrug.

Diese Neubauten aber, so betont Fasthuber, seien gar nicht unbedingt nötig, da ja einige Kraftwerke wie etwa das steirische Gas- und Dampfkraftwerk Mellach derzeit wegen wirtschaftlicher Faktoren gar nicht voll liefen, aber rein rechnerisch für eine Versorgung der EMobilität im Land ausreichen würden. Zwar liefere ein Gaskraftwerk keinen Ökostrom, es sei in der Klimabilanz aber immer noch besser als Diesel- oder Benzinfahrzeuge.

Laut Fasthuber funktioniert die Elektromobilität auch im Winter relativ gut, zumindest bei den aktuellen Serienfahrzeugen. „Im Vergleich zum Verbrenner produziert ein Elektroauto kaum Abwärme, die zur Beheizung genutzt werden kann“, sagt der Experte. Daher muss Strom zum Heizen verwendet werden – und „das kostet natürlich Reichweite“. Neuere Fahrzeuge würden mit Wärmepumpen heizen, was deutlich effektiver sei. Tiefe Temperaturen bescheren Batterien zudem eine beschränkte Leistungsabnahme als auch -aufnahme. Eine Garage für das Stromauto wäre daher ideal. Im Winter muss man laut Fasthuber etwa 20 Prozent an Reichweite abziehen.

Bei einem modernen E-Auto wie dem Renault ZOE 40mit einem Batteriepaket von 41 kWh ergibt sich eine theoretische Reichweite von 400 Kilometern. Die „effektive“, also tatsächliche Reichweite liegt bei 300 Kilometern, im Winter sinkt sie auf 200 Kilometer.

Daten & Fakten#

Die potenziellen Käufer eines Elektroautos sind jung. #

Das Angebot einer Zusatzleistung wie etwa ein Park-&-Ride-Parkplatz beim Kauf eines E-Autos fördert die Bereitschaft, in E-Mobilität zu investieren. Das zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamts (UBA). Natürlich spielt auch der Preis eine ganz wesentliche Rolle. Je teurer das Fahrzeug, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, ein E-Auto zu wählen. Obwohl die Preise für E-Autos sinken, sind sie doch noch höher als die für ein vergleichbares benzinbetriebenes Fahrzeug. Sie beginnen bei etwa 22.000 Euro.

Junge Menschen stehen der EMobilität positiver gegenüber als ältere.

Mit zunehmendem Alter der Lenker sinkt die Wahlwahrscheinlichkeit des Kaufs eines emissionsarm betriebenen Fahrzeugs.

Am skeptischsten sind ältere Personen gegenüber erdgasbetriebenen Fahrzeugen, gefolgt von Ethanol- und Elektrofahrzeugen. Bei der Realisierung einer ernst zu nehmenden Elektromobilität sehen Experten die größte Möglichkeit zunächst einmal in den Städten.

Der potenzielle Käufer eines EAutos ist männlich, hat Familie und nutzt sein Fahrzeug täglich.

Mit dem Grad der Ausbildung und der Höhe des Einkommens nimmt die Wahrscheinlichkeit, ein alternativ betriebenes Fahrzeug zu kaufen, zu. Am wenigsten begeistern erdgasbetriebene Autos. An der Spitze liegen E-Autos.

Und noch ein interessantes Detail der UBA-Studie: Je weniger Autofahrer in einem Haushalt wohnen, desto eher wird ein konventionelles Fahrzeug bevorzugt.

Bewusstseinsbildende Maßnahmen sind der allerwichtigste Anreiz, sich für ein Elektrofahrzeug zu entscheiden.

Laut UBA-Studie steigern solche Maßnahmen die Bereitschaft um50 Prozent. Dieser Effekt wirkt noch positiver als ein CO2-orientiertes Bonus-System für Besitzer von EFahrzeugen.

Wenn Treibstoff immer teurer wird und das Netz der Ladestationen dichter, werden auch in Österreich immer mehr Menschen ein EFahrzeug kaufen.

Vor- und Nachteile des Elektromotors #

Die Fahrzeugtechnik ist bei Stromautos einfacher als bei der Verbrennungskraftmaschine. Die Infrastruktur (Strom) ist prinzipiell vorhanden. Die größten Hürden der Elektromobilität sind derzeit wohl die geringe Energiedichte der Akkus im Auto, die sich negativ auf die Reichweite auswirkt, und das noch löchrige Stromtankstellennetz, das sich derzeit auf Initiative des Umweltministeriums erst im Ausbau befindet.

Auch wenn nur jeder zwanzigste Weg, der mit dem Auto zurückgelegt wird, länger als 50 Kilometer ist, so halten derzeitige Durchschnittsreichweiten von 100 bis 150 Kilometern viele Autofahrer davon ab, auf Stromumzusteigen. Für die allermeisten Mobilitätserfordernisse ist jedoch die derzeit angebotene Reichweite völlig ausreichend. 50 Prozent der Fahrten sind sogar kürzer als fünf Kilometer.

Autos mit elektrischem Antrieb werden als klimafreundliche Alternative zu fossil betriebenen Fahrzeugen propagiert. Die Techniker des Umweltbundesamts erklären, warum das so ist: Die Effizienz der Antriebe ist weit höher als bei herkömmlichen Motoren. Wandeln moderne Verbrennungsmotoren etwa 40 Prozent der Energie in Antriebsleistung um, sind es bei Elektromotoren etwa 95 Prozent.

Und noch ein Effekt macht die Elektrofahrzeuge besonders sparsam: Beim Bremsen kann die Energie in den Akku zurückgeladen werden, hier wirkt der Elektromotor als Generator. Bei normalen Bremssystemen geht sämtliche Bremsenergie in Form von Wärme verloren. Diese Effekte führen dazu, dass E-Fahrzeuge in Summe etwa drei bis vier Mal effizienter und somit energiesparender sind als herkömmliche Fahrzeuge.

Ein zusätzlicher positiver Effekt ist die absolute Schadstofffreiheit des Antriebs. Die Umwelteffekte sind aber stark von der Art der Stromerzeugung abhängig. Wird zur Produktion von Strom Energie aus erneuerbaren Energieträgern verwendet, so ist die Gesamtbilanz sehr gut.

Stammt die Energie hingegen aus fossil betriebenen Kraftwerken, so vermindern sich die positiven Effekte.

Aber auch wenn Strom aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird, überwiegen wegen der hohen Effizienz der Elektroautos die Vorteile. Schadstoffe bei der Stromgewinnung könnten zentral bei den Kraftwerken vermieden werden.

Das ist weitaus effizienter und billiger als unzählige Abgasnachbehandlungsanlagen bei den benzin- oder dieselbetriebenen Autos.

Teurer Sprit ist bei der Entscheidung, ein E-Auto anzuschaffen, vor allem in ländlichen Gebieten ausschlaggebend.

In Regionen mit mittlerer Dichte hingegen ist eine Reichweitenerhöhung des E-Autos wichtiger. Die größte Nachfrage von Elektrofahrzeugen gibt es in Städten oder Regionen mit mittlerer Dichte.

Salzburger Nachrichten (Montag, 15. Mai 2017)

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