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Digitale Datenbanken - Eine Medientheorie im Zeitalter von Big Data
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Digitale Datenbanken324 Lebenserwartung (vgl. Rosling 2010).80 Gezeigt wird hierbei, dass die durch- schnittliche Lebenserwartung von Menschen mit dem gesellschaftlichen Wohl- standsniveau steigt. Die Visualisierung dieses Zusammenhangs in dem animierten Blasendiagramm von Gapminder World macht dies auf einfache und evidente Weise deutlich. Ob die Abhängigkeit der Lebenserwartung vom gesellschaftlichen Wohl- stand hinsichtlich anderer Indikatoren zu relativieren ist, das kann man dem Dia- gramm allein jedoch nicht entnehmen. Das Erkunden von Informationsressourcen mithilfe von Visualisierungen und die Kommunikation von Erkenntnissen durch Visualisierungen situiert diese in unterschiedlichen medialen Praktiken. Ist das Erkenntnispotenzial der Information Visualization in den Prozess der Visualisierung eingebettet – d.h. in den Prozess der abduktiven Erstellung, deduktiven Ableitung und induktiven Überprüfung von Visualisierungen, wie im Rekurs auf die peircesche Diagrammatik dargelegt wurde – so basiert das kommunikative Potenzial auf dem Resultat dieses Prozesses, nämlich der medialen Konstellation (Diagramm), dem eine bestimmte Gültigkeit zugesprochen wird. Als Beleg für die Richtigkeit des dargestellten Zusammenhangs ist ein Diagramm nicht hinreichend. Es bedarf, wie Mersch herausstellt, des sprach- lichen Diskurses, der den Evidenzcharakter der Visualisierung begründet: »Das Bild beglaubigt sich allein durch den Text, und Evidenz existiert nur, wo Gründe gegeben sind, die sie als solche rechtfertigen« (Mersch 2005: 327).81 Aber dies wird beim kommunikativen Gebrauch von Informationsvisuali- sierungen tendenziell verdeckt, wenn der Prozess der Information Visualization nicht mitreflektiert wird. Dann scheint es, als könnten Visualisierungen selbst ver- bürgen, dass die im Diagramm erscheinenden Zusammenhänge ein Korrelat in der Wirklichkeit haben bzw. reale Sachverhalte adäquat abbilden. Hierin besteht der suggestive Selbstevidenzcharakter technischer Bilder, welche vermeintlich »das Ideal einer ›nichtintervenierenden‹ Objektivität« (Mersch 2005: 332) realisieren. 80 | Dieses Beispiel ist paradigmatisch, da es als Standardvisualisierung dient, die beim Öffnen der Software Gapminder World angezeigt wird. 81 | Bereits in den 1980er Jahren hat der Bildwissenschaftler Ernst H. Gombrich auf einen weiteren Aspekt der Beglaubigung wissenschaftlicher Bilder hingewiesen. Seines Erachtens ermöglichen es technische Bilder, »eine Unzahl von Fragen zu beantworten – allerdings immer unter der Voraussetzung, daß die technischen Spezi- fikationen des Instruments, Vergrößerung, Auflösevermögen usw., genau bekannt sind« (Gombrich 1984: 242). Gombrichs Fokus galt repräsentativen Bildern, aus deren Darstellung man Eigenschaften über das dargestellte Objekt rekonstruieren kann, sofern die Herstellungsbedingungen des Bildes bekannt sind. Gerade dies erweist sich bei Informationsvisualisierungen problematisch, da das dargestellte Objekt im Zuge der Visualisierung mitkonstituiert wird. Dennoch erweist sich das Wissen über die angewandten Visualisierungsverfahren sowie über die zugrunde gelegten Daten als notwendig, um Informationsvisualisierungen kritisch bewerten zu können.
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Digitale Datenbanken Eine Medientheorie im Zeitalter von Big Data
Titel
Digitale Datenbanken
Untertitel
Eine Medientheorie im Zeitalter von Big Data
Autor
Marcus Burkhardt
Verlag
transcript Verlag
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-8394-3028-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
392
Kategorie
Informatik

Inhaltsverzeichnis

  1. Medium: Zwischen Konstellationen und Konfigurationen 21
  2. Die Frage nach den Medien 22
  3. Wann sind Medien? 33
  4. Über Medien reden: Medienepistemologie 58
  5. Computer: Zwischen Oberfläche und Tiefe 73
  6. Phänomeno-Technische Konfigurationen 75
  7. Spielräume der computertechnischen Informationsvermittlung 95
  8. Datenbank: Zwischen digitalen Sammlungen und Sammlungstechnologien 117
  9. Was sind Datenbanken? 121
  10. Datenbanklogiken: Zur Datenbank als symbolischer Form 131
  11. Gegen die Datenbank als Prinzip: Mikrologiken der digitalen Datenhaltung 145
  12. Banken, Basen, Reservoirs: Information Storage and Retrieval 149
  13. Information: Zwischen begrifflicher Abstraktion und technischer Konkretion 150
  14. Kommunikation mit Informationssammlungen 167
  15. Daten und Information: Begriffsklärung 187
  16. Techno-Logik: Apparaturen, Architekturen, Verfahren 205
  17. Direct Access: Zur Festplatte als Herausforderung digitaler Datenbanken 206
  18. Datenbankmodelle: Architekturen für Datenunabhängigkeit 221
  19. Data + Access: Datenmodelle und Algorithmen 242
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