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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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408 Germanisierung (→  Vertrag von Saint-Germain). Der Landesverweser Arthur Lemisch definierte bereits am 25. Oktober 1920 in einem Beitrag in der Kärntner Landsmannschaft, wenige Tage nach der →  Volksabstimmung und den leeren Versprechungen der →  Volksabstimmungspro- paganda, die Assimilierung der Slowenen, d. h. die G. des Landes als Landesideologie und als Aufgabe, für die eine Generation, ein Menschenalter Zeit sei, und bekräftigte dies in einer Rede im Kärntner Landtag am 25. November 1920. Nach Hösler betrieb etwa der Verein Südmark eine aktive Besiedlungspolitik (sprich Kolonisierungspolitik), für das er ein Viertel seiner Gesamtausgaben aufgewendet habe. Mit dem Ziel, zunächst eine ethnisch deutsche Landbrücke zwi- schen Šentilj und →  Maribor zu schaffen sowie später einen Zugang zur Adria (wozu auch wirtschaftspoli- tische und Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau der Südbahn durchaus insturmentalisiert wurden). Die ver- fassungswidrigen Diskriminierungen und Menschen- rechtsverletzungen durch staatliche Einrichtungen wurden somit wirtschaftlich flankiert (→  Glas pravice, →  Internierungen 1919, →  Vertreibung 1920). Slowe- nen wurden vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen (→  As- similationszwang), slowenische Gehöfte wurden plan- mäßig in Konkurs getrieben bzw. auf solchen Gehöften planmäßig deutsche Ansiedler angeworben. (Höslers Analysen oben können durchaus analog für Kärnten/ Koroška angewendet werden. Wadl bestätigt dies an Beispielen in seiner Gemeindechronik von Magdalens- berg/Štalenska gora am →  Klagenfurter Feld/Celovško polje, so etwa : »Wie viele andere Gutsbetriebe in der engeren Umgebung von Klagenfurt wurde auch der Farchenhof in der Wirtschaftskrise der frühen dreißi- ger Jahre von einem Reichsdeutschen […] erworben« [S. 151]. Wadl führt als diesbezügliches Beispiel in seiner Gemeindechronik auch den Gutshof/Schloss Freudenberg/Frajnperk an, geht jedoch diesbezüglich auf andere ähnlich gelagerte Fälle nicht ein. Vgl. auch →  Emigration). Dabei brachten diese deutschsprachi- gen Zusiedler in der Vorkriegszeit und während des Krieges, unabhängig ihres individuell zu bestimmen- den aktiven politischen deutschnationalen Sendungs- bewusstseins, in vielen Fällen de facto die deutsche Sprache erstmals in zahlreiche Orte in →  Südkärnten/ Južna Koroška, wo bis dahin das Deutsche noch keines- wegs →  Lingua franca gewesen war. Der Maler Werner Berg wird als ein (seltenes) Vorbild für dessen Inte- gration in die slowenische Gesellschaft im →  Jauntal/ Podjuna dargestellt. Diese als neuzeitliche, ethnopolitisch motivierte Kolonisierung zu wertende und nach Grafenauer »ethnozidäre« Politik führte in slowenischen Orten durch gesellschaftliche, psychosoziale und wirtschaft- liche Zwänge zur Assimilierung slowenischer Bevöl- kerungsteile (G. im eigentlichen Sinn, da sie in ihrer oben beschriebenen Planmäßigkeit die individuelle Niederlassungsfreiheit überstieg). Die systematische Verfolgung der Slowenen gipfelte im Nazi-Terrorre- gime. Auf der Grundlage eines ideologisch und pseu- dowissenschaftlich begründeten Rassenwahns, wie er im →  »Generalplan Ost« methodisch verwirklicht werden sollte, wurden zunächst 1838/39 →  »ethni- sche Säuberungen« in den Reihen der Kirche vorge- nommen und zahlreiche slowenische Priester entweder zwangsweise nach Nordkärnten versetzt oder in KZs verschleppt (→  Verfolgung slowenische Priester ab 1938 in Kärnten/Koroška). Dem folgten systematische, auf das gesamte slowenische Sprachgebiet in Kärnten/ Koroška verteilte →  Deportationen 1942. Durch die gesellschaftliche Umkehr der Täter-Opfer-Rollen nach 1945 kam es kollektiven Erscheinungsformen post- traumatischer Belastungsstörungen bei den Kärntner Slowenen und zu deren massiver →  Assimilation, was zur G. ganzer Landstriche führte (→  Sprachenzählung, →  Umgangssprache). In der Historiografie wird, nach Grafenauer (1984), mit der Rückverlegung der Resultate der Po- litik der aktiven G. des 20. Jh.s in die graue Vergan- genheit gleichsam die Verantwortung dafür abgelegt (→  »Entethnisierung« ; →  Geschichtsschreibung und kognitive Dissonanz ; →  Minderheit). Die statistische →  Germanisierung wiederum ist ein rechtspolitisches Instrument der nachhaltigen G. Quellen : O. Gutsmann : Windische Sprachlehre. Klagenfurt 1777, 61829 ; Naseljenost Slovencev in narodnostno razmerje na koroškem (slov. uradno ljudsko štetje leta 1910.). (Karte. Nachdruck) : Izdala : Založba Amalietti & Amalietti, d.n.o. Ljubljana, marca 2006 (=  Karte, NUK, Inv.-Nr./.282-4-72) ; Narodnostna karta Koroške – Lastno štetje 1910. (=  Karte, NUK, Inv.-Nr./.282-4-6) ; Naseljenost Slovencev na Koroškem po cerkvenem šematizmu leta 1917/18 (Karte, NUK, Inv.- Nr./.282-4-10). Lit./Web : ES (B. Grafenauer : Germanizacija). – Ante Beg : Narodni kataster Koroške. V Ljubljani, dne 2. julija 1910, 60 ff. (http://www.si- story.si/SISTORY :ID :27172) ; M. Kos : Zgodovina Slovencev od na- selitve do reformacije. Ljubljana 1933 ; B. Grafenauer :  Germanizacija treh Avstrij. In : B. Grafenauer, L. Ude, M. Veselko : Koroški zbor- nik. Ljubljana, 1946, 149–275 ; B. Grafenauer :  Narodnostni razvoj na Koroškem od srede 19. stoletja do danes. In : B. Grafenauer, L. Ude, M. Veselko : Koroški zbornik. Ljubljana založba Slovenije, 1946, 117–
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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