Seite - 444 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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Grafen von Cilli
Köstenberg/Kostanje, Grab-
stein von Jozi Kokot, Foto
Bojan-Ilija Schnabl
Am Beispiel der G. von Jožef → Pogačnik, Pries-
ter in Timenitz/Timenica, sowie Valentin → Božič,
Priester in Poggersdorf/Pokrče, zeigt sie deren Bedeu-
tung für biografische Forschungen sowie die lokale und
regionale →
Geschichtsschreibung.
Archive : Narodopisni inštitut Urban Jarnik, Klagenfurt/Celovec.
Lit.: ES ; Dehio. – P. Zablatnik : Od zibelke do groba, Ljudska vero-
vanja, šege in navade na Koroškem. Celovec 1982, 117 ; A. Feinig :
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November 1998 = Ethnological and anthropological approaches to
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Radiše – Preteklost in sedanjost kraja in njegovih ljudi/Radsberg – Ver-
gangenheit und Gegenwart des Ortes und seiner Menschen. Klagenfurt/
Celovec, Wien 2009 ; B.-I. Schnabl : Celovško polje, neznani zaklad os-
rednje slovenske kulturne pokrajine, Izsledki enciklopedijskih raziskovanj.
In : KK 2013. Celovec 2012, 107–122.
Bojan-Ilija Schnabl
Grafen von Cilli, slow. Celjski grofje, Dynastie, die ihren
Herrschaftsbereich von → Celje (Cilli) aus dominierte,
im 15. Jh. einen großen Teil des slowenischen Territori-
ums unter ihrem Szepter hatte und in der europäischen
und Balkanpolitik eine prominente Rolle spielte.
Die G. v. C. entstammen einer Adelsfamilie, die um
1130 erstmals mit dem Beinamen »de Sovne« schrift-
lich aufscheint. Ab 1173 nehmen sie als Familienna-
men den Vulgonamen ihres Schlosses Sannegg (San-
neck, Sonneck, slow. Žovnek) »de Sonekke« an. Ihr
allodialer Besitz dehnte sich zunächst über Sannegg
hinaus noch auf die Schlösser Schöneck (slow. Šenek),
Liebenstein bei Kaplja vas pri Preboldu (dt. St. Paul
bei Pragwald) und Osterwitz (slow. Ojstrica) im öst-
lichen Teil der Savinjska dolina (Savinjatal) aus. Sie
vergrößerten ihre Besitzungen vor allem in das obere
und mittlere Savinjatal, zum Teil über Notariatsrechte
an kirchlichen Besitztümern. Seit dem 13. Jh. kommt
es zu dynastisch-politischen Eheschließungen mit
steirischen Adelsgeschlechtern (Pettau [Ptuj], Mah-
renberg [slow. Marenberški in Radlje ob Dravi]) und
seit dem 14. Jh. mit serbischen Herrscherhäusern
(Branković), die selbst über dynastische Heiraten mit
dem byzantinischen Herrscherhaus (Kantskuzenos)
und der Pforte (Bajezid I., Murad II.) verschwägert
waren. Der gesellschaftliche und politische Aufstieg der G. v. C. steigerte sich im 14. Jh. rasch, sie nützten
dazu die Habsburger und die mit ihnen rivalisierenden
Luxemburger. Im Krieg um die böhmischen Krone,
den 1308 die Habsburger mit dem Kärntner Herzog
Heinrich von Görz-Tirol führten, standen sie auf
der Seite der Habsburger. Sie überließen den Habs-
burgern ihren allodialen Besitz als Lehen und erhiel-
ten ihn selbst wieder als Lehen zurück. Als die Grafen
von Heunburg (Vovbrški grofje) (1322) ausgestorben
waren, konnten sie ihren Besitz bis zum Mittellauf der
Savinja erweitern. Dieser Landstrich hatte zum Mit-
telpunkt Celje, das sie zu ihrer Residenz erhoben. 1336
ergänzten sie ihren Besitz noch mit Laško (dt. Tyffer)
als Pfand. Durch Zukäufe begannen sie gleichzeitig
ihren Besitz auch nach → Krain/Kranjska hin zu er-
weitern. Dies alles steigerte ihr Ansehen, so dass sie
1341 vom deutschen König Ludwig die Erhebung zu
Grafen mit dem Beisatz von Cilli erreichen konnten.
Dabei umfasste die Grafschaft nur das Gurker Lehen
Lemberg (slow. Lemberg). Der deutsche König Karl
IV. aber hob alle zum Schaden der Habsburger erteil-
ten Privilegien auf, die sein Vorgänger Ludwig von
Baiern ausgefertigt hatte, und so wurde die 1348 er-
folgte Erhebung der G. v. C. infrage gestellt. Karl IV.
erhob allerdings 1372 die Sannegger wiederum zu
Grafen, und zwar mit Celje und dem westlich davon
gelegenen Gebiet. In der Folge ging der steile soziale
Aufstieg weiter, allerdings entfernten sich die G. v. C.
zusehends von den Habsburgern. Ihr Aufstieg beruhte
auf der verstärkten wirtschaftlichen Macht durch die
Geldmittel, die sie sich durch die Feldzüge im Sold der
Ungarnkönige Ludwig von Anjou und Sigismund
von Luxemburg erworben hatten. Durch diese Feld-
züge waren sie auch zu Verbindungen mit den höchs-
ten Herrscherdynastien gekommen. Solche dynastische
Heiraten waren jene von Wilhelm I. mit Anna, der
Tochter des polnischen Königs Kasimir des Gros-
sen, sowie jene seiner gleichnamigen Tochter mit dem
verwitweten polnischen König Wladyslaw Jagiello
(1401). Die G. v. C. erreichten als Herrscherhaus ih-
ren Höhepunkt unter Hermann II. Dieser hatte sich
mit dem ungarischen König Sigismund verbündet
und war nach der Schlacht von Nikopolis 1396 zu um-
fangreichen Besitzungen in Ungarn gekommen. Ihre
politische Ausrichtung ging von da an vor allem nach
Südosten, folglich auch ihre dynastischen Verbindun-
gen. Der Sohn von Hermann, Friedrich, heiratete
Elisabeth Frankopan, seine Tochter Anna den
ungarischen Palatin Nikolaj Gorjanski, seine Toch-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55