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Grafenauer, Bogo
Grafen von Cilli, Wappen
nach Megiser, Das neundte
Buch der Chronik, S. 980 ter Barbara den ungarischen König Sigismund. Ihr
Ansehen festigten die G. v. C. auch durch die Über-
nahme einiger wichtiger Funktionen in Ungarn und
konnten so ihr Ansehen noch erhöhen. 1423 mussten
die Habsburger auf die Lehensoberhoheit über die
G. v. C. verzichten. Diese gehörten nun zu den Reichs-
herrschaften des römisch-deutschen Kaiserreiches. Zu
einer inneren Krise, die den Aufstieg bremste, kam es
durch die Heirat Friedrichs II. mit Veronika von
Desenic (Vernonika Deseniška) und seiner zeitweiligen
erzwungenen Abstinenz von der Leitung der Famili-
enpolitik. Eine Phase der Konsolidierung beruhigte die
Situation. Den Höhepunkt ihrer Macht erreichten die
G. v. C. durch die Planpolitik Hermanns, allerdings
erst nach dessen Tod 1436, als die G. v. C. zu Reichs-
fürsten durch den deutschen König Sigismund erho-
ben worden waren, womit die Gründung des Fürsten-
tums Cilli einherging. Die Erhebung hatte den Konflikt
mit dem Habsburger Friedrich III. zur Folge ebenso
wie gegenseitige Angriffe, die bis 1443 andauerten.
Zwischen den Streitparteien wurde ein gegenseitiger
Erbvertrag geschlossen. Die Habsburger anerkannten
formal den Fürstenstatus der Grafen von Cilli. Fried-
rich II. besorgte die innere Verwaltung, sein Sohn
Ulrich widmete sich der europäischen Politik und
wollte damit das Ansehen der Familie festigen und
vergrößern. Seine Frau war Katharina Gräfin von Cilli
(geb. Kantakuzena Branković), die Tochter des
serbischen Despoten Djuradj Branković, Nichte der
Despina Olivera (die 1389–1402 mit Sultan Bajezid
I. verheiratet gewesen war) und Schwester der Kaiserin/
Carica MARA (der Frau des Sultans murad II. und
Stiefmutter des Sultans Mehmed des Eroberers). Ul-
rich hatte zur Zeit Albrechts II. für einige Monate
die Funktion des Stellvertreters in Böhmen inne. Nach
Albrechts Tod aber nahm er aktiv am Bürgerkrieg
in Ungarn teil. Seine Absicht war es, sich über Ladis-
laus Postumus, den Sohn seiner Kusine, dessen Re-
gentschaft er innehatte, als De-facto-Herrscher durch-
zusetzen. Ein Teil des ungarischen Adels mit Johann
Hunyadi an der Spitze widersetzte sich dem, und der
Streit endete mit der Ermordung Ulrichs in Belgrad
am 9. November 1456, wodurch die Herrschaft G.
v.
C.
ihr Ende fand. Seine Witwe katharina versuchte die
Herrschaft für die Kinder zu retten, wurde aber von
den Habsburgern militärisch besiegt, worauf sie 1369
mit Erlaubnis des Sultans an den Hof ihrer Schwester,
der Sultanin Mara, übersiedelte. Die Bestimmungen
des Erbvertrages für Steiermark/Štajerska und Krain/ Kranjska setzte der Habsburger Friedrich III. im Jahr
nach ulrichs Tod um. In Kärnten/Koroška kam es zu-
nächst zu Zusammenstößen mit den Grafen von Görz,
die er 1460 mit dem Frieden von Pusarnitz (Požarniški
mir < Požarnica) beilegen konnte. Nach dem Tod von
Ladislaus Postumus 1458 übernahm in Ungarn Jo-
hann Hunyadis jüngerer Sohn Matthias Corvi-
nus (slowenisch die mythologische Figur des → kralj
Matjaž) die Macht.
Mit Kärnten/Koroška verband die G. v. C. in erster
Linie ihr dortiger Besitz. Bis Mitte des 14. Jh.s misch-
ten sie sich in das Geschehen in Kärnten/Koroška
kaum ein. Sie beschränkten sich eher auf zeitweise
Kriegsbündnisse. Ihre ersten Besitzungen gehen auf
die Heunburger zurück. Hinzu kamen in der zweiten
Hälfte des 14. Jh.s noch einige kleinere Besitzungen. In
Kärnten/Koroška festigten sie sich erst nach der Beer-
bung der Grafen von Ortenburg 1418 bzw. 1420. Der
Schwerpunkt ihrer Politik lag in den letzten Jahrzehn-
ten ihres Bestehens in Ungarn und am Balkan, wo-
durch ihre Herrschaft in Kärnten/Koroška keine tiefe-
ren Spuren hinterließ, allerdings wurde erst mit ihrem
Aussterben 1456 die Ausbildung einer festen habsbur-
gischen Landeshoheit in Kärnten/Koroška ermöglicht.
Lit.: ES ; OVSBL. – J. Orožen : Zgodovina Celja in okolice. I. del.: Od
začetkov do leta 1848. Celje 1971 ; C. Fräss-Ehrfeld : Geschichte Kärn-
tens. Das Mittelalter. Klagenfurt 1984 ; K. Sturm-Schnabl : Mara, Ka-
tarina Kantakuzena. In : Prosopographisches Lexikon der Paialogenzeit.
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Zbornik mednarodnega simpozija (Hg. Fugger Germadnik Rolanda).
Celje 1999 ; J. Mlinar : Podoba Celjskih grofov v narativnih virih.
Ljubljana 2005.
Janez Mlinar ; Üb.: Katja Sturm-Schnabl
Grafen von Görz (Goriški grofje) → Herzöge von
Kärnten/Koroška.
Grafenauer, Bogo (* 16. März 1916 Ljubljana, † 12.
Mai 1995 ebd.), Historiker, Professor an der philoso-
phischen Fakultät der Universität Ljubljana.
Mit Kärnten/Koroška war G. familiär verbunden.
Sein Vater Ivan → Grafenauer kam aus dem → Gail-
tal/Ziljska dolina nach Ljubljana, bei seinem Großvater
verbrachte er als Volks- und Gymnasialschüler zahlrei-
che Ferien. Nach der Matura in Ljubljana studierte G.
an der Universität Ljubljana Geschichte und Geogra-
fie, diplomierte 1940 und promovierte 1944. Während
des Krieges war er einige Zeit in Italien interniert. Ab
1941 befasste er sich mit der slowenischen Nordgrenze.
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Untertitel
- Von den Anfängen bis 1942
- Band
- 1: A – I
- Autoren
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Abmessungen
- 24.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 542
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55