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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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450 Grafenauer, Ivan seiner Jugend nicht mehr dort wirkte. Kärntnerische Themen erörterte er in zwei seiner ersten größeren Pu- blikationen : zur Betonung im Gailtaler Dialekt (1905) und zu zwei exemplarischen Beispielen abergläubischer Schriften, →  Duhovna bramba [Geistliche Schild- wacht] und →  Kolomonov žegen [Colomanisegen] (1907). Bis ins Detail untersuchte er die →  Klagen- furter Handschrift/Celovški rokopis (1931, 1958), be- arbeitete das Wörterbuch von Oswald →  Gutsmann und dessen Sprichwortsammlung (1935). Er schieb über Anton Martin →  Slomšeks pädagogische Tä- tigkeit in Klagenfurt/Celovec, über den Volksverlag →  Mohorjeva (Hermagoras), über die bedeutenden li- teratur- und kulturengagierten Persönlichkeiten Urban →  Jarnik, Matija →  Majar, Anton →  Janežič, Jo- sip Lendovšek u. a.  m. Er beschäftigte sich mit dem Verhältnis zwischen Kärntnerischen u. a. slowenischen Volksliedern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs veröffentliche er eine Reihe literatur- und kulturtheo- retischer sowie ethnografischer Beiträge, mehrheitlich im Koroški koledar. An der Spitze all dieser Bestrebun- gen steht der synthetische Umriss der Kärntnerischen Literatur als Bestandteil der gesamtslowenischen Lite- ratur (1946). (Eine Auswahl von Aufsätzen mit Fokus auf Kärnten/Koroška erschien unter dem Sammeltitel Koroške zasnove [Kärntner Grundlage] in Grafe- nauer 1980, 439–631.) G. gehörte zum katholischen Kulturkreis und war häufig in seinen Organen aktiv. Während seiner Studi- enzeit arbeitete er als Koredakteur der Zeitschrift Zora, später publizierte er regelmäßig in den Zeitschriften Dom in Svet und Čas. Als Erstere 1917 in eine Krise geriet, widersetzte er sich gemeinsam mit Izidor Can- kar der dogmatischen Ausrichtung der Kunst, die Aleš Ušeničnik vertrat. In der Zwischenkriegszeit griff G. weniger in umfassendere Kulturdiskurse ein, sondern brachte seine Anschauungen v.  a. in fachspezifischen Polemiken zum Ausdruck. Aus ideologischen Grün- den kam ihm nach dem Zweiten Weltkrieg weder die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit noch ihre Anerkennung zu, welche sich G. aufgrund der hohen Qualität seiner wissenschaftlichen Arbeiten verdient hätte. Trotz allem verschaffte er sich Geltung als ei- ner der hervorragendsten Kenner des slowenischen Schrifttums, der älteren slowenischen Literatur und gleichzeitig als international anerkannter Forscher der Volksliteratur. Darko Dolinar ; Üb.: Maja Francé Während seiner Studienzeit veröffentlichte G. in der Zeitschrift →  Archiv für slavische Philologie Rezensio- nen zu sprachwissenschaftlichen und literaturwissen- schaftlichen Publikationen (siehe Werke). Seine be- deutendste Publikation in AfslPh ist die Studie Zum Accente im Gailthalerdialekte (1905), in der er die Beto- nung im Gailtaler Dialekt aufarbeitet. Als Grundlage dient G. dabei der slowenische Dialekt seiner Heimat- pfarre Egg/Brdo, südöstlich von Hermagor/Šmohor. In Zum Accente im Gailthalerdialekte vergleicht G. die Betonung im →  Gailtaler Dialekt (ziljsko narečje) u. a. mit der Betonung in der slowenischen →  Standard- sprache, in anderen slowenischen →  Dialekten, in dem štokawischen und čakawischen Dialekt des Serbokroa- tischen und im Russischen. Sein Zugang bezieht sich sowohl auf die synchrone (gegenwärtige) als auch dia- chrone (historische) Situation. Zum Accente im Gailtha- lerdialekte ist ein bis heute viel zitiertes Standardwerk in der slowenischen Sprachwissenschaft. Später widmete sich G. der Sprachwissenschaft nur mehr einmal einge- hend, und zwar in einer Studie zur Betonung der deut- schen Lehnwörter im Slowenischen (Naglas v nemških izposojenkah v slovenščini, 1923). Rezensionen in AfslPh.: Karásek, J.: Die serbo-kroatische Literatur, AfslPh 29 (1907) ; Ljapunov, M.: Neskoľko zamečanij o slovensko-ne- meckom slovare Pleteršnika, AfslPh 26 (1904) ; Ozvald, K.: Zur Phone- tik des Dialektes von Polstrau, AfslPh 27 (1905) ; Šašelj, I.: Bisernice iz belokranjskega zaklada 1. V Adlešičih, AfslPh 29 (1907) ; Tominšek, J.: Narečje v Bočni in njega sklanjatev, AfslPh 26 (1904). Reinhold Jannach Im Bereich der Philologie führten G. die Studien zum slowenischen mittelalterlichen Schrifttum (→  Freisin- ger Denkmäler, Stiški rokopis [Handschrift aus Stična], →  Klagenfurter Handschrift/Celovški rokopis) in den 30er-Jahren des 20. Jh.s zu Erforschung der sloweni- schen literarischen Folklore. Mit Hilfe deutscher Pa- ralleltexte zu ein- und zweigliedrigen slowenischen Bannsprüchen (slow. zagovor) konnte er ihr Entstehen zwischen dem 10. und dem 13. Jh. datieren. Das führte ihn dazu, erstens mit einer vergleichenden Analyse der slowenischen Liedmotive in anderen Sprachen und mit einem Vergleich der kulturellen und historischen Ver- hältnisse die tatsächliche Geschichte der slowenischen →  »Volkslieder« zu eruieren und zweitens in der litera- rischen →  Folklore deren mittelalterliche Elemente zu identifizieren. Darauf beruhten auch seine breit ange- legten Forschungen mit einer methodischen Kombina- tion einer vergleichenden literarhistorischen Methode
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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