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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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451 Grafenauer, Ivan Ivan Grafenauer, NUK und der kulturhistorischen Richtung in der Ethnolo- gie. Am stärksten kam dieser Ansatz zum Ausdruck in seiner Abhandlung Prakulturne bajke pri Slovencih [Legenden aus der Urkultur bei den Slowenen]. Ge- gen einige Bedenken hinsichtlich seiner Erkenntnisse zu Studien insbesondere des slowenischen Volksliedes stellte er klar : »Wenn wir vom Alter unserer Volkslieder, Erzählungen, Legenden u. Ä. reden, dann bezieht sich das nie auf die Form des Liedes oder der Erzählung, in der sich diese Lieder, Erzählungen und Legenden bis zur heutigen Zeit erhalten haben, denn diese Form kann alt oder aber auch sehr jung sein. Es geht vielmehr um das Alter des Substrats der Fabel, um das Alter des Motivs und der Verbindungen untereinander, um die Motivschemata, die Motivfolge und um ihren sachli- chen, tatsächlichen und historischen Hintergrund […] Auch bei den Volksliedern muss also unterschieden werden zwischen dem Alter der Liedform und dem Al- ter des Substrats und des historischen Stoffs« (Spokor- jeni grešnik, Ljubljana 1965, 100–101). Im Bereich der Folklore verwendete er am meisten Energie für die Erforschung des historischen Wandels der Stoffe, die Grundlage für die ausgezeichneten Bal- laden und Romanzen mit spanischen Motiven bilde- ten (Slovenska narodna romanca o Romarju sv. Jakoba Kompostelskega [Die slowenische Volksromanze über den Jakobspilger]). Der Jakobspilger enthält eine inter- nationale Motivik der europäischen mittelalterlichen Volkspoesie. Dabei handelt es sich um eine Frau hohen Standes, die als singender Pilger/Mönch mit Musik- spiel ihren Mann aus der Sklaverei befreit. Die Vorlage entstand und verbreitete sich wahrscheinlich bis zum 12. Jh., d. h. in der Zeit, als das älteste Epos des El Cid als Echo auf die Ritter- und Kreuzfahrerkriege im Nahen Osten und in Spanien entstanden war. In den sloweni- schen Ländern verbreitete sich der Stoff in einer Zeit, als die Kreuzfahrergeschichten aus dem Heiligen Land noch ein allgemeines Interesse hervorriefen. Die slowe- nische Fassung verfasste jemand, der lesen und schrei- ben konnte. Er sprach auch Fremdsprachen und lernte den Stoff auf der Reise durch Spanien, Frankreich und Italien kennen. Die spanischen Mauren wurden erst gegen Ende des 15. Jh.s durch die Türken ersetzt. Die Handlung der Romanze spielt im Zeitraum vom 8. bis zum 12. Jh. Ähnlich wurde der fremde Stoff auch in der Ballade Zarika in Sončica [Zarika und Sončica] aufge- nommen. Eine spanische Königin vergiftet aus Eifer- sucht eine türkische Sklavin, doch als sie erkennt, dass dies ihre eigene Schwester war, stirbt sie vor Traurig- keit. Es handelt sich um die verwobenen Verhältnisse der Polygamie im Harem bei den Mohammedanern im 12. Jh., als die afrikanischen und spanischen Sara- zenen fast noch ungehindert an den westlichen Küsten des Mittelmeeres plündern konnten. Zumindest aus dem Hochmittealter, wenn nicht älter, sind nach G. die Lieder, in denen die epische Persönlichkeit des »spa- nischen Königs« vorkommt (Sveta Uršula [hl. Ursula], Sveta Barbara [hl. Barbara], Mlada Breda [Die junge Breda]). In Wirklichkeit handelt es sich dabei um den Herrscher der Sarazenen, Araber und Mauren. Seine Rolle übernahm ab den osmanischen Einfällen der »türkischer Zar«. Im Gegensatz zu den Liedern, in denen die Tragö- die der christlichen Personen die Folge der Übeltaten der Sarazenen ist, bestehen auch erzählende Lieder mit einem glücklichen Ende, so z. B. Marija, ptica pevka in zamorska deklica [Maria, der Singvogel und das Mohr- Mädchen]. Das Lied ist ein Echo aus dem Volk auf die Verbreitung der Mariengebete im 12. und 13. Jh. Damals entstanden auch einige bekannte slowenische Wallfahrtsziele (die Insel Bled, Šmarna Gora, Velesovo, Stična) und diese wiederum förderten das Entstehen von Marienlegenden (→  Wallfahrten). Die Methode der vergleichenden Erforschung der Legenden mit dem Motiv des reumütigen Sünders zeigt die Ver- wandtschaft des slowenischen und des irischen Stoffes auf, der im 12. und im 13. Jh. entstand. Die schwere Buße mit einem wundersamen Ende beweist, dass die Erzählung nicht mehr aus dem realen Leben ent- stammt, sondern dass sie ein erhebendes Beispiel dafür ist, dass auch der schwerste Sünder Sühne erwirken kann (Spokorjeni grešnik. 1965). G. verfolgte mit großer Aufmerksamkeit die ein- zelnen Motive, die Teil der slowenischen Fassung der →  Lepa Vida sind und widmete sich auch eingehend der Tradition des guten Königs Mathias (→  kralj Matjaž) und deren historischem Hintergrund. Marija Stanonik ; Üb.: Bojan-Ilija Schnabl Werke : Zum Akzente im Gailthalerdialekte. AslPh 27/1 (1904/05) 195–228 ; »Duhovna bramba« in »Kolomonov žegen«. ČZN 4 (1907) 1-70 ; Fortsetzung in : Razprave SAZU 1 (1943) 201–339 ; Zgodo- vina novejšega slovenskega slovstva 1–2. Ljubljana 1909, 1911 ; Kratka zgodovina slovenskega slovstva 1–2. Ljubljana 1917, 1919 (združena in dopolnjena izdaja 1920) ; Valentin Vodnik – pesnik. Ljubljana 22 (1918) 104–169 ; Naglas v nemških izposojenkah v slovenščini (Donesek k zgodovini slovenskega naglasa), Razprave Znanstvenega društva za humanistične vede. Ljubljana 1923 ; Poglavje iz najstarejšega slovens- kega pismenstva. ČJKZ 8 (1931) 68–117 ; O pokristjanjenju Slovencev
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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