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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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468 Grenzfrage, österreichisch-jugoslawische in Kärnten/Koroška (1918–1920) Grabstein Mijo Mešiček in St. Michael ob der Gurk (Windisch St. Michael)/Slo- venji Šmihel, Foto Bojan-Ilija Schnabl Tageszeitung Draupost etc. (→  Publizistik). In der pro- jugoslawischen Volksabstimmungspropaganda enga- gierte sich eine Mehrheit der slowenischen Geistlich- keit, mit Ausnahme etwa von Valentin →  Podgorc, der für Österreich eintrat. Seit Sommer 1919 wurden Frauen im Rahmen der →  Zveza ženskih društev na Koroškem [Verband der Frauenvereine in Kärnten] ver- stärkt in das politisch-propagandistische Geschehen eingebunden. In den Gebieten unter österreichischer Oberhoheit fanden am 16. Februar 1919 Nationalratswahlen statt. Sie brachten mit knapp 50 % der Kärntner Stimmen bzw. rund 64 % der Stimmen im späteren Abstim- mungsgebiet einen Erfolg für die sozialdemokratische Partei, deren pro-österreichische Haltung in der Grenz- frage von großer Bedeutung war. Südslawische Trup- pen mussten sich bis zum 31. Juli 1919 aus der Zone B zurückziehen, österreichische Truppen rückten nach. Am 22. August 1919 wurde das zentrale Organ für die Volksabstimmungspropaganda geschaffen, die Lan- desagitationsleitung, die im März 1920 in den Kärnt- ner Heimatdienst umgewandelt wurde (→  Deutschna- tionale Vereine). Ein Netz von Vertrauensleuten und Gemeindeheimaträten wurde aufgebaut. Die proöster- reichische Agitation erfolgte durch Mundpropaganda, Verbreitung von deutsch- und slowenischsprachigen (auch dialektalen) Flugblättern und Publikationen wie Kärntner Landsmannschaft ; →  Koroško Korošcem etc. Die Propaganda sprach verschiedenste Themen an : In historischen Argumentationen berief man sich auf die slawische Vergangenheit Kärntens und →  Karanta- nien oder eine jahrhundertelange deutsche Geschichte (→  Geschichtsschreibung, →  Geschichtsschreibung und kognitive Dissonanz). Wirtschaftliche Argumente zeichneten die besseren Zukunftsaussichten im südsla- wischen oder deutschösterreichischen Staat. Die slo- wenische Seite betonte das nationale Argument, appel- lierte an die Gemeinsamkeit der →  Muttersprache und kritisierte proösterreichische →  Deutschtümler. Die deutsche Seite unterstrich die geografische, wirtschaft- liche und historische Landeseinheit Kärntens. Die »deutsche Kultur« wurde dem »unzivilisierten Balkan« gegenübergestellt, die republikanische Staatsform und fortschrittliche Sozialgesetzgebung Österreichs der südslawischen Monarchie mit serbisch-orthodoxem Königshaus und allgemeiner Wehrpflicht. Am 28. Sep- tember 1920 erklärte die Kärntner Landesversamm- lung, sie wolle den slowenischen Landsleuten ihre sprachliche und nationale Eigenart alle Zeit wahren und ihrem geistigen und wirtschaftlichen Aufblühen dieselbe Fürsorge angedeihen lassen wie den deutschen Bewohnern des Landes. Die Bestimmungen des Friedensvertrages von Saint-Germain traten am 16. Juli 1920 in Kraft. Die Abstimmungszonen wurden von österreichischen bzw. SHS-Truppen geräumt, Flüchtlinge konnten nach der Öffnung der Demarkationslinie Anfang August zurückkehren. Die in Klagenfurt/Celovec amtierende interalliierte Plebiszitkommission überwachte die Durchführung der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 in 51 Gemeinden der Zone A. Auf Österreich entfielen 22.025 (59,04 %) der gültigen Stimmen, auf den SHS-Staat 15.279 (40,96 %). Somit stimmten rund 12.000 Slowenischsprachige aus individuellen wirtschaftlichen, politischen und anderen Überlegun- gen für Österreich. Am 18. November 1920 kehrte die Zone A unter österreichische Souveränität zurück. Die österreichisch-jugoslawische Grenzfrage war und ist ein zentrales Thema der historischen Erinne- rung und Forschung. Lange nationalen Interpretatio- nen verhaftet, wurden »Sieg« bzw. »Niederlage« analy- siert und die Bedeutung des »Abwehrkampfes« bzw. des »Kampfes um die (slowenische) Nordgrenze« diskutiert. Die Kämpfenden wurden mit Auszeichnungen und Denkmälern geehrt und bei →  Volksabstimmungs-
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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