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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 493 -
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493 Hildegard von Stein Hildegard von Stein/Liharda Kamenska, Drobtinice 1855 Liharda, www.svetniki.org Slowene gewesen sei). Nach der Rückkehr erfuhr so Albuin/Alboin von der bösen Kuhmagd Lupa von der vermeintlichen Untreue. Er stürzte sich im Zorn auf die betende H./L. und ihre Zofe Dorothea und warf beide aus dem Fenster über dem Abgrund. Engel hätten H./L. jedoch gerettet und sie auf ihre Burg am Felskegel von Stein/Kamen jenseits der Drau/Drava getragen. In Dankbarkeit für ihre wundersame Rettung beschloss H./L. fortan auf ihrer Burg Stein/Kamen zu leben. Albuin/Alboin, der das Wunder bzw. die we- gen des »Meineids« – eines im mittelalterlichen Recht schwerwiegenden Vergehens – versteinerte Magd kurz darauf erblickte, erkannte seine Untat und bereute sie zutiefst. Er bat um Verzeihung und darum, H./L. möge wieder auf Burg Prosnitza/Prosnica zurückkehren. Nach Slomšek erblindete er aufgrund der vielen ver- gossenen Tränen. H./L. hatte ihm jedoch bereits ver- ziehen und bat lediglich, er möge Buße tun. Erblindet, ging er auf eine Buß- und Pilgerreise, wo er alle zentra- len heiligen Stätten besuchte, →  Aquileia (Oglej), Rom, Santiago de Compostela und Jerusalem. Bei seiner Rückkehr starb er im Nahen Möchling/Mohliče, wo er in der Kirche zum hl. Paul begraben ist. Bei Singer und Till erblindet er, kurz nachdem er seinen Fehler erkannte, durch den Lichtstrahl, der erschienen war, als H./L. von Engeln getragen auf ihre Burg auf dem Fels- sporn von Stein/Kamen gerettet wurde und trat danach seine Bußreise an. Nach der Rückkehr bat er wiederholt um Vergebung. Als H./L. Albuin/Alboin vergeben und seine Lider sanft berührt hatte, erhielt Albuin/ Alboin das Augenlicht wieder und errichtete danach aus Dank die Kirche in Möchling/Mohliče. H./L. aber, die ihren Mann lange überlebte, versorgte ihre Kinder, diente Gott und half den Armen. Albuin/Alboin, ihr ältester Sohn, bekam 973 laut Ankershofen ge- mäß einer historischen →  Quelle die Burg Stein/Ka- men und acht »slavenische« Huben, womit ein weiterer Hinweis auf vielfältige rechtshistorische Inkulturations- und Rezeptionsprozesse gegeben ist (→  Rechtsinsti- tutionen, karantanerslowenische). Ihre Burg wurde zur Zufluchtstätte der Armen. Unter der Burg richtete sie ein Hospiz für Arme ein. Slomšek schreibt : Bila je us- miljena mati Slovencev, kateri so ob krajih Drave živeli, in tudi po svoji smerti jih pozabila nij, kajti je sporočila, naj se vsako leto na dan njene smerti ubogim gosti naredé, ki se na Kamenu pri božjem opravilu snidejo. [Sie war eine barmherzige Mutter der Slowenen, die beiderseits der Drau lebten, und sie vergaß sie auch nach ihrem Tode nicht, da sie vorsah, dass alljährlich an ihrem To- destage die Armen bewirtet werden sollen, die sich in Stein zum Gottesdienst einfinden]. Slomšeks Rezep- tion und Beurteilung der H./L. erklärt sich auch aus der Tatsache, dass sich Stein/Kamen lange Zeit tief im slowenischsprachigen Binnenland befand (→  Sprach- grenze, →  Lingua franca). Nach Slomšek starb sie fast 100-jährig am Tag der hl. Agatha (5. Februar) 1025, was ihre mythologische Bedeutung unterstreicht. Eine ihr zugeschriebene Armenstiftung ist in einer Urkunde aus dem 18. Jh. belegt und ist nach dem Ersten Welt- krieg erloschen. 1805 wurde ein Teil ihrer Gebeine in Klarissenkloster nach Graz übertragen, der Rest wird weiterhin in der im Kern romanischen Laurentius-Kir- che in Stein/Kamen verehrt. Die letzten Reste der Burg Stein/Kamen wurden 1780 abgetragen. Dieser Legende entspringt der Volksbrauch des Striezelwerfens (slow. metanje kržejev oder metanje štrucejev) am Fuße des Felskegels der ehemaligen Burg- meierei am ersten Sonntag im Februar nach der fei- erlichen Messe. Die Agathenstriezel (Lihardini kruhki, Lihardini kržeji, hlebčki oder štruceji bzw. auch Agatini kržeji), denen nach dem Volksglauben wundersame
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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