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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 516 -
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516 Illyrische Provinzen war die Region in Verwaltungsdingen recht autonom, und die dort ansässige Bevölkerung organisierte ihr po- litisches und kulturelles Leben nach üblichem Brauch weiter. Aus heutiger Sicht war die Entstehung der I.  P. ein strategischer Schachzug Napoleons I. Die Region bot nämlich einen exzellenten geopolitischen Kontroll- punkt. »[…] der besondere Status der I.  P. wirft einige Fragen auf. Die Erklärung, die sich spontan als Erstes anbietet, ist die karolingische, und zwar als Militärischer Vorposten, Verteidigungslinie und Basis für Offensiven zugleich. Hier treffen die Einflusssphären dreier Groß- mächte aufeinander. Das Franco-italienische Ensemble, Österreich und die Türkei ; dazu kommt der Kontakt zu England, welches die Adria über seine Kriegsschiffe kontrolliert und die Nachbarschaft mit Russland, wel- ches in Korfu und Kotor präsent war und seinen Ein- fluss in Serbien und Montenegro über die orthodoxe Solidarität ausübte. […] Es versteht sich, dass Napo- leon Interesse an dieser strategischen Region hatte, be- sonders da damals bereits der Zerfall des Osmanischen Reiches als imminent angesehen wurde« (Zwitter, Préface). Die kulturelle Befreiung der südslawischen Völ- ker zu Zeiten der I. P. Die willkürliche Fremdherr- schaft, welche den südslawischen Völkern durch Krieg und die Okkupation aufgezwungen worden war, trug dazu bei, dass die Südslawen sich als unterdrückte und unmündige Volksgruppen einander annäherten. Als 1809 die politischen Ereignisse in Europa den Südsla- wen die Chance boten, sich der erdrückenden Entmün- digung zu entledigen und eine autonome kulturelle Entwicklung anzustreben, wurde diese genutzt, um die Weichen für die künftige jugoslawische Nationsbildung zu legen. Der Gebrauch der eigenen Sprache als Amts- sprache. Eine der entscheidenden Maßnahmen der französischen Administration war der Beschluss, die Sprache der Landesbevölkerung zur administrativen Sprache zu erklären und diese auch an den Schulen der I.  P. unterrichten zu lassen ; sodass die kommende Generation in der eigenen Muttersprache gebildet sein würde. Gleichzeitig ermöglichte die neue Administra- tion, dass die Volkssprache über Mittel wie die Presse und Fachpublikationen literarisch in Umlauf gebracht wurde. Dabei wurden Grammatik-Literatur sowie Wörterbücher und historische Literatur vermehrt ge- druckt. Die Möglichkeit des intellektuellen Austau- sches und des wissenschaftlichen Diskurses in der ei- genen Sprache verhalf den südslawischen Völkern zu einem neuen Selbstbewusstsein, indem sie auf rheto- risch ebenbürtige Weise zu den deutschsprachigen und französischsprachigen Administrationen ihre Wissen- schaft und ihre sozial-politischen Anliegen kommuni- zieren konnten. Dazu bereiteten diese Bildungsmaß- nahmen den Weg für künftige Literaten, und somit legten sie die Grundlage für die südslawische Belletris- tik. In Hinkunft würde nicht allein die fremdsprachige Obrigkeit geistige und amtlich gültige Erkenntnis pro- duzieren und diese nach eigenen Bedingungen, in eige- ner Sprache weitergeben, sondern die Südslawen wür- den selbst als schaffende Kraft an der Wissensfindung und Lehre mitwirken. Diese kulturelle Entwicklung hing einerseits eng mit der Nationswerdung der fran- zösischen Bevölkerung zusammen, andererseits wurde sie ohne Zweifel vom Zeitgeist der Romantik inspiriert, welche damals vor allem in deutschen Fürstentümern florierte. Ihre Vertreter des »nationalen (deutschen) Idealismus«, genannt seien Johann Gottfried Herder, Johann Gottlieb Fichte, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Hegel und Friedrich Schelling, basierten die gesellschaftliche Identitätsgrundlage auf der Nut- zung einer gemeinsamen Sprache und ihrem gepflegten Gebrauch. »Als die französischen Autoritäten den Gebrauch ›der Sprache des Landes‹ in die Administration und in die illyrischen Schulen gebracht haben und die Ver- breitung von Presse und Publikationen von Fachlitera- tur (Grammatik, Wörterbücher, historische Literatur) unterstützt haben, handelten sie im eigenen Interesse, gaben aber gleichzeitig der linguistischen Problematik einen bis dahin unbekannten politischen Inhalt. Pro- fessor Zwitter beweist auf detaillierte Art, dass die Slo- wenen und die Kroaten (in minderer Weise) Dank den Franzosen aus ihren Bestrebungen, ihre eigene Sprache zu sprechen, den Kern gebildet haben, um welchen herum sich ihr nationales Bewusstsein formiert hat« (Zwitter, 10). Weitere umfangreiche administrative Maßnah- men der Franzosen in Illyrien. Nach dem Vorbild ihrer französischen Heimat setzten die französischen Truppen auf Geheiß Napoleons das Prinzip der Gleich- heit der Bürger und Bürgerinnen vor dem Gesetz um. Dazu wurden die ungleichen Steuerbelastungen unter den einzelnen Regionen aufgehoben, ein uniformes Steuereinnahmegesetz eingeführt und jegliche Privi- legien in diesem Bereich gestrichen ; Adelssitze und der katholischen Kirche zugehöriger Grund waren da- bei nicht ausgenommen. Eine weitere einschneidende
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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