Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 518 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 518 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I

Bild der Seite - 518 -

Bild der Seite - 518 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I

Text der Seite - 518 -

518 Illyrismus L. Vukotinović. Sie formulierten das Konzept einer ethnischen, sprachlichen und kulturellen Einheit der Südslawen, das auf der Lehre des slowakischen Auf- klärers Jan Kollar von den vier Sprachzweigen des slawischen Volkes (Polen, Tschechoslowaken, Russen und Illyrer) gründete. Die Vertreter des I. betrachte- ten die Südslawen als direkte Nachfahren des antiken Volkes der Illyrer, das den Balkan besiedelte. Die Wahl der Bezeichnung »Illyrer« erklärte Gaj folgenderma- ßen : »Ein Serbe würde nie ein Kroate oder ein Krainer werden wollen, ebenso wie diese beiden letzteren nicht um die Welt Serben werden könnten.« Die Schaffung einer einzigen nationalen Literatursprache auf Basis des štokavischen Dialekts des Serbokroatischen, wel- chen die Serben und die meisten Kroaten sprachen, sollte nach Gaj als Fundament für die Vereinigung der südlichen →  Slawen (Illyrer) zu einem einzigen Volk dienen. Gaj modernisierte nach tschechischem Vorbild das kroatische Alphabet, das die Bezeichnung »Gajica« erhielt. Im Jahr 1836 publizierte V. Babukić in der Zeitschrift Danica die erste Grammatik der illyrischen Sprache. Gaj brachte im Jahre 1835 die Zeitung Ilirske no- vine und die Zeitschrift Danica ilirska heraus, zu- nächst in kajkavischem Dialekt, ab 1836 allerdings in štokavischer Sprachform. Zu den Organisationszentren der Illyrischen Bewegung entwickelten sich die Lese- hallen (→  Slovanska čitalnica), unter denen jene von Zagreb, im Jahr 1838 gegründet, die Hauptrolle spielte. Der dazugehörige Kulturfonds Matica ilirska wurde 1842 zur Herausgabe von Büchern gegründet. Der I. führte zum Aufblühen des kroatischen kulturellen Le- bens, er förderte die Entwicklung sowohl der Dichtung (→  Vraz ; Demeter ; Mažuranić) als auch der Prosa, vor allem der historischen (Vukotinović und Kukuljević), aber auch des Theaters, der Musik etc. In den illyrischen Ausgaben der Danica und des Kolo wurden zahlreiche Beiträge slawischer Kulturschaffen- der veröffentlicht, darunter auch slowenischer (Vraz ; →  Jarnik). In den ersten Jahren entwickelten sich die Ideen des I. im Rahmen der →  Aufklärung und verfolgten literari- sche und kulturelle Ziele. In den 40er-Jahren begannen die ungarischen Behörden jedoch mit einer massiven Magyarisierung der Kroaten. Im Jahr 1841 wurde die proungarische Partei Horvatsko-vugerska stranka gegrün- det ; als Antwort darauf riefen die Anhänger der Illyri- schen Bewegung ihrerseits eine eigene Partei, die Ilirska stranka, ins Leben. Bei den ungarischen Landtagswahlen in den Jahren 1841 bis 1843 erzielte die Illyrische Partei große Erfolge. Im Jahre 1843 jedoch wurde unter unga- rischem Druck die Bezeichnung »illyrisch« von der ös- terreichischen Regierung verboten. Diese Bezeichnung wurde in Folge durch den Begriff »Volks-« ersetzt. Das politische Programm der Illyrischen Bewegung fasste Gaj in folgender Losung zusammen : »Gott behüte die ungarische Verfassung, das Königreich Kroatien und das illyrische Volk.« Auf diese Weise präsentierten die kroatischen Patrioten bereits am Vorabend der Revolu- tion des Jahres 1848 ihr politisches Programm, ein Kö- nigreich Kroatien. Für sie war dies jedoch nur der erste Schritt. Noch in den 30er-Jahren schrieben die Verfech- ter der Illyrischen Bewegung von einem Großillyrien, welches neben den kroatischen auch die slowenischen Gebiete, Bosnien, Herzegowina, Serbien, Montenegro und die bulgarischen Gebiete umfassen sollte. Die Ideen der Illyrischen Bewegung fanden nicht nur unter den Kroaten, sondern auch unter anderen Südslawen Anklang : bei den Serben in Dalmatien, in der Vojvodina, der Militärgrenze (B. Petranović, M. Baltić, D. Nikolajević) sowie in Bosnien und Her- zegowina im Umfeld des Franziskanermönchs F. Jukić. Auch bei den Slowenen wurden illyrische Ideen auf- genommen. In Ljubljana studierten von 1839 bis 1843 die Seminaristen A. Žakelj, L. Pintar, J. Volčič, L. Jeran und andere die illyrische Sprache. Nach dem kaiserlichen Verbot der Bezeichnung »Illyrer« und nach dem Erscheinen von J. →  Bleiweis’ Zeitung Kmetijske in rodkodelske novice [»Bauern- und Hand- werkernachrichten«] (Novice) im Jahr 1843 begannen sie in slowenischer Sprache zu schreiben. Bei den Slo- wenen aus der Steiermark/Štajerska und aus Kärnten/ Koroška war das Interesse für die Illyrische Bewegung noch größer. Sie sahen darin einen Schutz vor der →  Germanisierung, die bei ihnen stärker zu spüren war als bei den Slowenen aus →  Krain/Kranjska. Anhänger der Illyrischen Bewegung in der Steiermark/Štajerska waren Stanko →  Vraz, O. Caf, Davorin →  Trsten- jak sowie F. →  Miklošič (Letzterer allerdings nur bis zu seiner Wiener Zeit). Vraz war der einzige Ver- treter der Slowenen, der Gajs Konzept der illyrischen Sprache zur Gänze übernahm. Er übersiedelte nach Zagreb und wurde ein führender kroatischer Dichter. In Kärnten/Koroška begrüßte Urban →  Jarnik die Ideen der Illyrischen Bewegung bereits 1837. In den Jahren 1839–1840 gab es in Klagenfurt/Celovec unter den Seminaristen einen »Illyrischen Kreis«. In einem Brief an Gaj nannte Š. Korošec unter dessen Mit-
zurück zum  Buch Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I"
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška