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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
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525 Inkulturation Dreikopf aus St. Martin am Silberberg, Foto Peter Schwarz, Landesmuseum Kärnten sich im Wesentlichen auf die baltischen Slawen und die Slawen der Rus konzentriert) und behandelt die 400 Jahre früher christianisierten Slawen des Alpenrau- mes/Karantaner nicht. Somit kann er auch nicht den Dreikopfstein vom Magdalensberg/Štalenska gora im Lichte einer eventuellen I. berücksichtigen, der jedoch mit der Darstellung des slawischen Gottes Triglav (dt. Dreikopf) Übereinstimungen aufweist (→  Mytholo- gie). In der Vitae Ottonis Episcopi Bambergensis wird allerdings berichtet, wie Otto von Bamberg 1127 noch im Zuge der Christianisierung der Slawen (Wen- den) im Pommerschen Szczecin (Stettin) die Statue des Triglav stürzen, zerstören und die Köpfe als Trophäe abhacken und nach Rom transportieren ließ (…  Hoc Stetinae factum non esse apparet ex Herbordo H, 31, apud quam legimus Ottonem Triglawi idolam fregisse triaque eius capita postea Romam misse [S. 851]). Da aber das hohe Alter der Skulptur außer Zweifel steht, muss sie jedenfalls verschiedene Prozesse der I. durchgemacht haben, um eben nicht als Denkmal und Götzenbild einer anderen Religion zerstört oder als Baumaterial geschändet zu werden. Geht man von einer weiteren Hypothese aus, der Dreikopfstein sei originär heidnisch-karantanisch (aus der Frühzeit Karantaniens), so müsste dieser sich in einer zentralen Kultstätte des norisch-karantanischen Raumes befindliche Kultstein von der iro-schottischen Mission im Zuge der Christianisierung in einem ers- ten Schritt toleriert und danach inkulturiert worden sein. Dabei wäre aber zu beachten, dass gerade die religiöse Konvertierung das zentrale Anliegen der iro- schottischen Mission von →  Virgil und →  Modes- tus war, und zwar bei Achtung lokaler sprachlicher und rechtlicher Traditionen (→  Personalitätsprinzip). Die →  Domitian-Legende, einer der wenigen histo- rischen Hinweise auf heidnische Kulte der Karantaner nach Kahl, deutet jedoch darauf hin, dass heidnische Kultobjekte im Zuge der Christianisierung auch in Ka- rantanien zerstört wurden, also auch dieser Kultustein der Zerstörung anheimfallen hätte müssen. Die in der Kirche selbst abzurufende Information, die wahrscheinlich wiederum auf Zablatnik zurück- zuführen ist, datiert den Dreikopfstein in die frühe Phase der Christianisierung der Karantaner vom Ende des 8./Anfang 9. Jh.s, die mit dem wiederholten Auf- leben von Widerständen übereinstimmt (→  Carmula, →  Liudevit-Aufstand). Diese Datierung führt zum gleichzeitig plausibelsten Erklärungsmodell, dass näm- lich diese Darstellung, die nach Kahl nicht der später üblichen Darstellung der Dreifaltigkeit entspricht, ei- ner I. des Triglav-Kultes in das neue christliche Reli- gionsbekenntnis der Karantaner Slowenen entspringt (gleichsam als christliches Weihwasserbecken mit ar- chaischer Motivik, um den Widerstand der Karantaner zu brechen und sie für die Bekehrung zu gewinnen). Damit gibt der Stein auch Zeugnis über die kulti- sche Kontinuität am Berggipfel ab und ist neben dem eindeutig ursprünglichen heidnisch-karantanischen Dreigesicht von St.  Martin am Silberberg und dem Ritzrelief von →  Keutschach/Hodiše eines der seltenen erhaltenen Denkmäler originär karantanischer Kunst am Übergang zum Christentum, das in seinem Kern einer »verkleideten« Darstellung der Triglav-Gottheit entspricht. Aufgrund der – in jeder der angeführten Hypothesen zum Ursprung des Kultsteines – notwen- digerweise stattgefundenen Inkulturationsprozesse gibt der Stein Zeugnis über das Bestehen einer (zentralen) karantanisch-heidnischen Kultstätte am Magdalens- berg/Štalenska gora ab. Da dieser Kultstein weiterhin für kultische Zwecke in Gebrauch war (in abgewan- delter Form im Vergleich zu seiner originären Bestim- mung), ist er zumindest durch I. auch als genuines slo- wenisches kulturgeschichtliches Denkmal anzusehen (→  Klagenfurter Feld/Celovško polje). Beim Dreige- sicht von St.  Martin am Silberberg wird hingegen der Inkulturationsprozess dadurch unterbrochen und been- det, dass er in die Friedhofsmauer eingemauert wurde
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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