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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Seite - 533 -
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Seite - 533 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I

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533 Internierungen 1919. haltbarer Zustände in diesem Lager bezüglich äußerst mangelhafter Verpflegung und Schlafstätten in großen Gemeinschaftssälen auf dem bloßen strohbedeckten Boden musste nach einem diesbezüglichen Bericht Fürstbischof Adam →  Hefter in einer geharnischten Stellungnahme am 10. Mai 1919 (»beinahe alle Pfarren in Südkärnten entbehren ihrer Seelsorger«) bei Landesver- weser Arthur Lemisch intervenieren und schärfsten Protest einlegen. Lemisch veranlasste unverzüglich, dass sich der Landesbeamte Hofrat Hugo Henriquez zu einer Untersuchung nach Litzlhof und in andere Oberkärntner Internierungsorte begab. Zwischen dem 8. und dem 12. Mai wurden alle Internierten angehört, wegen fehlender Begründungen der Verhaftung wur- den Gendarmerieprotokolle angefordert. Die meisten Internierten, gegen die keine Gründe für ein ordentli- ches Gerichtsverfahren vorlagen, unter ihnen auch alle sieben Priester, wurden daraufhin in den nächsten Ta- gen entlassen ; die meisten von ihnen mussten sich über einen längeren Zeitraum täglich bzw. an jedem zweiten Tag bei der Gendarmerie melden. Neben Litzlhof gab es auch Internierungen in Oberdrauburg – mehrere Priester – sowie in Mallnitz und in Techendorf am Weißensee. Über das Schicksal der sechs Geistlichen, die im Pfarrhof in Oberdrauburg vom 4. bis 22. Mai, ei- nige sogar bis 14. Juni verbleiben mussten, berichtet der damalige Oberdrauburger Pfarrer S. Sulzer ein gutes Jahrzehnt nach den Ereignissen im Kärntner Tagblatt vom 10. Oktober 1930 unter dem Titel Im Übereifer. Am 22. Mai 1919 waren noch 16 Personen – 13 Männer und drei Frauen – in Litzlhof interniert. Sie wurden am 7. Juni nach Trebesing in eine Baracke na- mens »Kriegsquelle« überstellt. Kriegsquelle heißt das hier entspringende, stark kohlensäurehaltige Mineral- wasser deshalb, weil die Frontsoldaten der Monarchie das hier abgefüllte Wasser wegen seiner guten Haltbar- keit zur Marschverpflegung erhielten. Die Gefangenen kamen tatsächlich vom Regen in die Traufe. Am 9. Juni richteten sie ein wegen völlig unzureichender Ernäh- rung und demütigender Unterbringung begründetes Schreiben an die Landesregierung : Morgens »ungezu- ckertes gefärbtes Wasser, Kaffee genannt, mittags klare Suppe u  … 8 dkg Fleisch u. abends wieder wie mor- gens,  … die Unterbringung in einem gänzlich verwahr- losten und verlausten Raum  …, nehmen die Deutschen die Kultur und Humanität in Anspruch, so merken wir in unserer Lage nichts davon  …«. Das Schreiben, in dem die sofortige Freilassung gefordert wurde, wurde von Dr. →  Rožič Valentin, Johann Schaller, Viktor Ferjančič, Josef Renko, Franjica Arnejc, Michael Gabriel, Dr. Ferdinand Pirnat, Michael Schlei- cher (Gemeindesekretär), Matija →  Vospernig (→  Bürgermeister), Math. →  Prosekar, Paul Jo- hann, Katica Arnejc, Adele Schaffer, Martin Pasarić, Michael Zenz und einer weiteren Person (Name unleserlich) unterzeichnet. Diese Beschwerde war teilweise erfolgreich, verfügte doch die Bezirkshauptmannschaft Spittal an der Drau offensichtlich über Aufforderung durch die Landesre- gierung, dass die Internierten bereits am 17. Juni aus Trebesing in das sog. Alte Bürgerspital nach Gmünd gebracht und dort in drei Räumen untergebracht wur- den. Als Hauptgrund der Verlegung wurde in einem Bericht an die Landesregierung die starke Verlausung der Räume in Trebesing angeführt. Einem Inhaftierten – Matija →  Prosekar – gelang kurzzeitig die Flucht ; er wurde jedoch bald danach auf- gegriffen und in das Internierungslager zurückgebracht. In der Nacht vom 3. auf den 4. August 1919 entflohen laut einem Gendarmeriebericht Valentin Rožič und Josef Renko aus der Internierung in Gmünd, was für die Verbliebenen verschärfte Haftbedingungen zur Folge hat, wie Matija Vospernik in einem an seinen Bruder Janez →  Vospernik gerichteten Brief berichtet. Alle Bittgesuche und Eingaben von Angehörigen und Behörden an die Bezirkshauptmannschaft und die Landesregierung, die Internierten, denen man keiner- lei strafbare Handlung nachweisen und sie daher auch nicht vor Gericht stellen, geschweige denn bestrafen konnte, blieben erfolglos. Mit ein Grund, vielleicht der Hauptgrund dafür war die Tatsache, dass auch die südslawischen Behörden eine Reihe von deutschge- sinnten Kärntnern beider Landessprachen in Ljubljana internierten. Es dürften insgesamt an die 500 gewesen sein, wie man zeitgenössischen Berichten entnehmen kann. Deshalb stimmen die Kärntner Landesregierung und die Österreichische Bundesregierung auch einem vom SHS-Staat vorgeschlagenen Kopf-um-Kopf-Aus- tausch nicht zu. Schließlich aber bewirkte der Druck auf die beiden in Grenzstreitigkeiten und Grenz- kämpfe verwickelten Nachbarstaaten Österreich und dem Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) seitens der alliierten Kommission, nicht zuletzt auch die nicht unerheblichen Kosten der Internierungen und der Beschluss, am 10. Oktober 1920 eine →  Volks- abstimmung der Bevölkerung zunächst in der Zone A (vorwiegend südlich der Drau/Drava, dann – im Falle einer für den SHS-Staat günstigen Entscheidung auch
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Band 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Untertitel
Von den Anfängen bis 1942
Band
1: A – I
Autoren
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
542
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Inhaltsverzeichnis

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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