Schloss Mittersill

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Mittersill
Mittersill Schloss 1.png
Burgentyp: Hangburg; Festung, heute Landschloss
Erhaltungszustand: im Betrieb (Konferenz-, Studien- und Ferienzentrum; Heimatmuseum)
Ständische Stellung: fürsterzbischöfl. Pflegegericht
Ort: Mittersill
Geographische Lage 47° 17′ 0″ N, 12° 29′ 7″ O47.28333333333312.485277777778Koordinaten: 47° 17′ 0″ N, 12° 29′ 7″ O
Mittersill (Land Salzburg)
Mittersill

Schloss Mittersill liegt unweit des Ortes Mittersill im Oberpinzgau, Bezirk Zell am See des Landes Salzburg. Das Schloss ist in der baulichen Gestalt des 16. Jahrhunderts trotz mehrerer Brände bis heute erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am Nordhang des Salzachtales, gelegen auf einem Sporn hoch über dem Talgrund, diente das Schloss seit dem Mittelalter zur strategischen Kontrolle der Talstraße des Oberpinzgaues und der Passstraßen nach Tirol, die sich von dort zum Pass Thurn im Norden und zum Felber Tauern im Süden ziehen. Die Gegend war zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert für den transalpinen Verkehr besonders wichtig.

Mittelalter und frühe Neuzeit

An der heutigen Stelle des Schlosses, 140 Meter über dem Tal, stand um 1150 eine Burg, die Sitz des Pfleggerichts der Grafschaft Oberpinzgau war. In den Bauernkriegen niedergebrannt, wurde sie danach wieder errichtet. Um 1000 gehörte sie den Grafen von Matrei, 200 Jahre später den Herzögen von Bayern, kam aber im 12. Jahrhundert durch Tausch an das Erzstift Salzburg.

Das Schloss Mittersill ist eine Gründung der Grafen von Lechsgmünd, die den Oberpinzgau zu Lehen hatten. Sie nannten sich aber je nach ihrem Aufenthalt Grafen von Sulzau, ab 1180 Grafen von Mitersele. Den Anfang dürfte das Schloss wohl so um 1150 genommen haben.[1]

1526 wurde die Burg im Zuge eines Bauernaufstandes zerstört. Erzbischof Matthäus Lang schlug mit einem Söldnerheer den Aufstand nieder und zwang die Bauern, die Burg wieder aufzubauen, nun im Besitz der Erzbischöfe von Salzburg. Die nun schlossartig erweiterte Burg erhielt verstärkte Befestigungen. Für den Fall von Belagerungen wurde im Burghof ein Brunnen gegraben. Über dem Torbogen des Eingangs ist die Jahreszahl 1528 (Fertigstellung) eingemeißelt. Die Burgkapelle war 1533 fertiggestellt; Jahreszahl und Wappen des Erzbischofs sind an der Kapellendecke angebracht.

Zeit nach Auflösung des Erzstifts Salzburg

Nach Ende des Erzbistums Salzburg wechselten die Besitzer sehr häufig.

1881 wurde das bis dahin in österreichischem Staatsbesitz befindliche Schloss an einen Privatmann verkauft, 1936 erwarb es ein adeliger Unternehmer. Schloss Mittersill wurde zum Sitz des Internationalen Sport- und Schieß-Clubs, zu dem viele Adlige, Industrielle und Filmstars gehörten. Im Juli 1938 brach im Schloss ein Brand aus, vermutlich durch Blitzschlag, die Baulichkeiten erlitten starke Schäden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine vollständige Instandsetzung.

Nach dem deutschen Einmarsch 1938 wurde Schloss Mittersill beschlagnahmt; das Reichsinstitut Sven Hedin für Innerasienforschung, Unterabteilung des Vereins Ahnenerbe e. V. des SS-Hauptamtes Persönlicher Stab Reichsführer SS bezog dort Räumlichkeiten. Dort waren in einem Außenkommando des Konzentrationslagers Mauthausen ab dem 24. März 1944 auch weibliche Zwangsarbeiterinnen untergebracht. Es handelte sich um sechs Zeuginnen Jehovas, die ursprünglich im KZ Ravensbrück inhaftiert waren. Am 8. Mai 1945 wurden die Frauen von den Amerikanern befreit; ein Teil von ihnen wurden nach Mauthausen rücküberstellt und dann dort entlassen, zwei Frauen sind augenscheinlich in Mittersill verblieben.[2]

Nach 1945

Nach der Renovierung waren ab den 1950er Jahren berühmte Gäste auf dem Schloss zu Gast – unter anderem der Schah von Persien und das holländische Königspaar, König Faruq von Ägypten, der Duke of Windsor, Aristoteles Onassis, Aga Khan, Henry Ford II., Rita Hayworth, Gina Lollobrigida und Clark Gable.[3]

Mitte der 1960er Jahre entschied sich die Leitung des Sport und Schieß-Clubs, das Schloss zu verkaufen. Davon hörte C. Stacey Woods, der damalige Generalsekretär des International Fellowship of Evangelical Students (IFES). Mit Hilfe großzügiger Spender gelang es dem IFES, das Schloss 1967 zu erwerben, das als Konferenzzentrum diente, wobei der Leiter Andrzej Turkanik war.

Im Dezember 2009 erwarben zwei einheimische Familien das Schloss. Es ist somit erstmals in Pinzgauer Hand, und nach sorgfältiger Restaurierung, ohne jedoch das äußere Erscheinungsbild zu verändern, seit Ende 2011 als 4-Sterne Hotel auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Weblinks

Nachweise

  1. Lahnsteiner: Oberpinzgau.
  2. Heide Gsell: Die Bibelforscherinnen im KZ-Mauthausen. In Andreas Baumgartner, Ingrid Bauz, Jean-Marie Winkler (Hrsg.), Zwischen Mutterkreuz und Gaskammer. Täterinnen und Mitläuferinnen oder Widerstand und Verfolgung?. Wien, 2008, edition mauthausen.
  3. Eine kurze Geschichte von Schloss Mittersill Blogseite des Schlosses, abgerufen am 24. November 2010