Mittersill

Mittersill
Wappen von Mittersill
Mittersill (Österreich)
Mittersill
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: Zell am See
Kfz-Kennzeichen: ZE
Fläche: 132,02 km²
Koordinaten: 47° 16′ N, 12° 28′ O47.26666666666712.466666666667790Koordinaten: 47° 16′ 0″ N, 12° 28′ 0″ O
Höhe: 790 m ü. A.
Einwohner: 5.443 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 41,23 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 5730, 5731
Vorwahl: 06562
Gemeindekennziffer: 5 06 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stadtplatz 1
5730 Mittersill
Website: www.mittersill.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Viertler (VIERT)
Gemeinderat: (2009)
(25 Mitglieder)
18
7
18 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
  • VIERT Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Kürzel: 18
  • SPÖ: 7
Lage der Stadt Mittersill im Bezirk Zell am See
Bramberg am Wildkogel Bruck an der Großglocknerstraße Dienten am Hochkönig Fusch an der Großglocknerstraße Hollersbach im Pinzgau Kaprun Krimml Lend Leogang Lofer Maishofen Maria Alm am Steinernen Meer Mittersill Neukirchen am Großvenediger Niedernsill Piesendorf Rauris Saalbach-Hinterglemm Saalfelden am Steinernen Meer Sankt Martin bei Lofer Stuhlfelden Taxenbach Unken Uttendorf Viehhofen Wald im Pinzgau Weißbach bei Lofer Zell am See Salzburg (Bundesland)Lage der Gemeinde Mittersill im Bezirk Zell am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Mittersill ist eine Stadt im Bundesland Salzburg. Sie ist mit 5443 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) der größte Ort im Oberpinzgau.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Mittersill liegt in 790 m Seehöhe am Schnittpunkt der Hauptverkehrswege durch das Salzachtal und der Nord-Süd-Verbindung über den Pass Thurn nach Tirol und Bayern, bzw. durch den Felbertauerntunnel nach Süden. Dennoch hat es seinen Charme als Bergstädtchen bewahren können. Seine zentrale Lage zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und den Kitzbüheler Alpen macht Mittersill zu einem beliebten Urlaubsort. Mittersill war bis 2002 Teil des Gerichtsbezirks Mittersill und gehört seit 2003 zum Gerichtsbezirk Zell am See.

Gliederung des Gemeindegebietes

Im Kataster setzt sich die Gemeinde aus folgenden Katastralgemeinden zusammen:

  • Mittersill Markt
  • Mittersill Schloß
  • Paßthurn
  • Schattberg
  • Spielbichl

Zum Gemeindegebiet gehören außer Mittersill selbst die Ortsteile:

  • Arndorf
  • Burk
  • Felben
  • Feldstein
  • Jochberg
  • Oberfelben
  • Paßthurn
  • Rettenbach
  • Schattberg
  • Spielbichl
  • Thalbach
  • Unterfelben
  • Weißenstein

Der bevölkerungsmäßig kleinste Ortsteil ist Arndorf mit 2 Einwohnern, der größte ist Mittersill (1900 Einwohner), gefolgt von Burk (1004 Einwohner).[1] Kreuzfeld ist mit ca.120 Einwohnern ein eher kleinerer Ortsteil im Südwesten von Mittersill.

Nachbargemeinden

Jochberg (Bez. KitzbühelTir.)
Hollersbach im Pinzgau Nachbargemeinden
Stuhlfelden

Uttendorf
Matrei in Osttirol (Bez. Lienz, Tir.)

Geschichte

Die Umgebung Mittersills war spätestens seit der Bronzezeit (um 2200 v. Chr.) besiedelt. Urkundlich erwähnt wurde der Ort erstmals 963 und er war Sitz dreier Amtsträger: des Kellners, des Landrichters und des Pflegers als Statthalter des Landesherrn. Bekanntester Pfleger war Ignaz von Kürsinger, der bei der Erstbesteigung des Großvenedigers (3662 m ü. A.) wesentlich beteiligt war.

Als Verkehrsknoten gewann Mittersill im 14. Jahrhundert weitere Bedeutung, als die Pferde- und Maultiertransporte mit Salz, Eisen oder Kupfer über den Felber Tauern (2481 m) nach Südtirol und Friaul zunahmen. Von dort wurden Weine, Früchte, Samt und Seide geliefert. Heute hat der Felbertauerntunnel den Pass für Warentransporte ersetzt, nicht aber für die vielen Wanderer und Bergsteiger, die durch das Felbertal in die Bergwelt der Venedigergruppe aufsteigen.

1936 wurden die Gemeinden Mittersill-Markt und Mittersill-Land vereinigt,[2][3] wobei einige Gebiete (von Arndorf, Rettenbach, Lämmerbichl und Jochberg) an Hollersbach abgetreten wurden.[4] 1939–45, als nach dem Anschluss allerorten in Österreich Großgemeinden konstruiert wurden, war dann Hollersbach komplett nach Mittersill eingemeindet.[5]

Während des Zweiten Weltkrieges befand sich im Schloss Mittersill ein Konzentrationslager, das dem KZ Mauthausen zugeordnet war.

Im Jahre 1918 gründete die Familie Arnsteiner eine Tischlerei, aus der dann später die bekannte Skifabrik entstand. Toni Arnsteiner fertigte nach seiner Rückkehr aus dem II. Weltkrieg die ersten Ski und spezialisierte sich ab 1945 mehr und mehr von der Tischlerei auf die Skiproduktion. Der Durchbruch gelang 1953 mit dem neuen Namen Blizzard. Die Mittersiller Blizzard Ski wurden schnell zu einer der führenden Ski-Weltmarken.

1939 wurde in Mittersill eine Heeresschule für den Seilbahnbau ins Leben gerufen. 1943 begann man mit dem Bau einer Seilbahn über den Gebirgskamm, die den Materialtransport dienen sollte. Zu ihr gehörten auch eine 80 Meter hohe Seilbahnstütze aus Holz und eine gleich hohe Seilbahnstütze aus Stahl. Erstere dürfte die höchste je aus Holz gebaute Seilbahnstütze der Welt gewesen sein. Wegen des Kriegsendes konnte die Seilbahn nicht mehr fertiggestellt werden. Im Jahre 1955wurden die Stützen demontiert.[6]

Nachdem Hubert Baron von Pantz 1948 den legendären und exklusiven Sport & Shooting Club Schloss Mittersill gegründet hatte, den damals teuersten Club der Welt, avancierte Mittersill schnell zu einem Jetset-Treffpunkt. In den 1950er bis Mitte der 1960er Jahre waren der Schah von Persien und Soraya, die holländische Königsfamilie, König Faruq von Ägypten, der Duke of Windsor (Eduard VIII.), Aristoteles Onassis, Aga Khan, Henry Ford II., Rita Hayworth, Gina Lollobrigida, Clark Gable und viele weitere Angehörige der High Society in Mittersil zu Gast.

Im Jahr 1951 wurde in Mittersill das Werkschulheim Felbertal als private Internatsschule gegründet, welches 1964 an seinen heutigen Standort in Ebenau bei Salzburg übersiedelte.

Im Jahr 1968 textete und komponierte der Mittersiller Arthur Ensmann das volkstümliche Lied: Die Alpenrose aus Mittersill, gesungen wurde es von seinem Bruder, dem Mittersiller Bäckermeister Erich Ensmann. Dieses Lied wurde schnell zu einem Volksmusik-Hit seiner Zeit und wird bis heute aufgeführt.

Im Jahr 2007 wurde in Mittersill das Salzburger Nationalparkzentrums Hohe Tauern errichtet. Das Nationalpark-Besucherzentrum „Nationalpark Welten” beherbergt die Nationalpark Welten, das Science Center Nationalpark Hohe Tauern und die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern GmbH.

Bei einer Bürgerabstimmung am 24. Juni 2007 sprachen sich 89 Prozent der Wähler für eine Erhebung Mittersills zur Stadt aus. Am 8. August 2008 wurde die Stadturkunde an Mittersill überreicht.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung hat in den letzten 130 Jahren stetig zugenommen. Zwar hat sich der Anstieg zuletzt verflacht, doch auch bei der Volkszählung 2001 war gegenüber der vorangegangenen Zählung 1991 ein Zuwachs von 2,9 % zu verzeichnen, wobei die negative Wanderungsbilanz (-3,9 %) durch die Geburtenbilanz (+6,4 %) wettgemacht wurde.

Religionen

Die Einwohner Mittersills sind überwiegend (81,9 %) römisch-katholisch. Zweitgrößte Religionsgemeinschaft ist der Islam mit 7,4 %, gefolgt von der evangelischen Kirche (5,9 %). Andere Glaubensgemeinschaften bleiben unter jeweils 1 %. Ohne religiösem Bekenntnis sind 3,8 % der Bevölkerung.

Politik

Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung von Mittersill hat 25 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeindevertretungswahl 2009 wie folgt zusammen:

Direkt gewählter Bürgermeister ist Wolfgang Viertler (VIERT).

Wappen

Wappen Mittersill.svg

Das Wappen der Gemeinde istbeschrieben:

Ein von Weiß und Rot geteilter Schild, in dessen oberer Hälfte eine schwarze Gämse aus der Teilungslinie hervorwächst.


Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Ein Personenzug am Bahnhof Mittersill

In Mittersill kreuzen sich zwei alte und bis heute wichtige Verkehrsrouten, die in Ost-West-Richtung durch das breite Salzachtal mit der Nord-Süd-Verbindung über den nahen Pass Thurn und den Felber Tauern.

Die Ost-West-Verbindung ist durch die Bundesstraße 168 in Richtung Osten und die Bundesstraße 165 in Richtung Westen erschlossen.

Die Nord-Süd-Richtung ist durch die Bundesstraße 161 in Richtung Norden über den Pass Thurn und in Richtung Süden über die Felbertauernstraße (B108) erschlossen.

Die Pinzgauer Lokalbahn verkehrt in Ost-West-Richtung, von Zell am See mit Anschluss an das ÖBB-Hauptbahnnetz nach Vorderkrimml. Am Bahnhof Mittersill wurde ein Kundenzentrum des Salzburger Verkehrsverbundes (SVV) eingerichtet.

Transalpine Ölleitung

Die Transalpine Ölleitung (auch Transalpine Pipeline) von Triest nach Ingolstadt wurde Mitte der 1960er Jahre gebaut. Die 465 km lange Erdöl-Pipeline durchquert unter dem Felbertauern in einem 7,3 km langen Stollen den Alpenhauptkamm und führt über Mittersill weiter Richtung Hahnenkamm-Stollen (6,8 km) bei Kitzbühel. Auf diesem Weg werden jährlich ca. 30 Millionen Tonnen[7] Rohöl durch Mittersill zu den großen Raffinerien in Süddeutschland transportiert.

Hochwasserschutz

Die Salzach in Mittersill bei normalem Wasserstand

Die Salzach ist in den Monaten Juni bis September nach langen Regenfällen bei einer anschließenden negativen Wetterlage besonders für Hochwasser anfällig. In den ersten Juliwochen 2005 sorgte eine Regenperiode für durchnässte Böden, und ein Höhentief, das sich nur langsam über die Alpen nach Osten bewegte, ließ ab 10. Juli flussaufwärts von Mittersill innerhalb von drei Tagen 50 bis 160 Liter Regen pro Quadratmeter niedergehen. Auch eine hohe Schneefallgrenze sorgte für großen Wasserzustrom. Der Pegel stieg binnen eines Tages von einem Mittel- zu einem Hochwasser und erreichte 16 Stunden später am 12. Juli nach Mitternacht den Höchststand mit einem Durchfluss von 320 m³/s, was mit der höchste gemessene Durchfluss ist.

Ein provisorisch oberhalb von Mittersill an der Rettenbachstraße errichteter Hochwasserdamm konnte am 11. Juli 2005, gegen 21:30 Uhr, die aufgenommenen Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Am 12. Juli, gegen 01:30 Uhr, wurde das Ortsgebiet von Mittersill durch die aus Rettenbach nachkommenden Wassermassen zur Gänze überschwemmt. Der Mittersiller Marktplatz stand ca 1,5 Meter unter Wasser. Nach dem Sinken der Flut musste festgestellt werden, dass die Schäden mit 100 Millionen Euro fast zehn Mal höher als zunächst vermutet waren.[8][9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ortskern von Mittersill
  • Die Pfarrkirche St. Leonhard stammt aus dem 13. Jahrhundert, erhielt aber im Barock einen Zwiebelturm. Sie besitzt einen Rokoko-Hochaltar aus dem 18. Jahrhundert und eine steinerne Skulptur des Heiligen Leonhard von 1420.
  • Die St.-Anna-Kirche wurde im 18. Jahrhundert im tirolerischen Rokokostil erbaut.
  • Das Heimatmuseum Mittersill befindet sich im 900 Jahre alten Felberturm im Ortsteil Felben. Die reichhaltigen Sammlungen behandeln die Geschichte von Ort und Region, ferner Geologie und Alpinismus
  • Nationalparkzentrum des Nationalpark Hohe Tauern:[10] Die alpine Erlebniswelt, 266 Dreitausender, über 342 Gletscher und einen der mächtigsten Wasserfälle der Welt kann man seit dem Sommer 2007 unter Dach bewundern. Die neuen Nationalpark-Welten, das größte und modernste Nationalparkzentrum Europas, befindet sich in Mittersill. Acht Naturräume kann man durchwandern und dabei die außergewöhnliche Vielfalt des größten Schutzgebietes der Alpen (über 1800 km²) kennen und verstehen lernen.
  • Filialkirche St. Nikolaus im Ortsteil Felben: spätgotische Filialkirche aus dem 15. Jahrhundert; Innenausgestaltung in prächtigem Frühbarock und Rokoko.
  • Historischer Ortskern
  • Gedächtnis- und Grabstätte Anton von Weberns, der in Mittersill seinen tragischen Tod fand.
  • Schloss Mittersill, unweit des Ortes an der Tauernstraße gelegen. Es wird heute als 4-Sterne Hotel mit einem Restaurant im historisierendem Stil genutzt.

Sport

Zur Entspannung laden u.a. ein: das große Erlebnisfreibad, sechs Tennisplätze und einige Sporthallen, Bowling, 18-Loch Golfplatz und Fitnessparcours. Ferner werden diverse Hobbykurse, Jagd und Schießsport, Drachenflug, Paragleiten und geführte Bergwanderungen angeboten, im Winter neben der Schischaukel und Kursen auch Rodeln etc., Pferdeschlitten- und Kutschen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter:

Personen mit Bezug zur Stadt:

  • Ignaz von Kürsinger (1795–1861), 1834–1842 Pfleger in Mittersill, 1841 Erstbesteiger des Großvenedigers (3.657 m) – nach ihm wurde die hochalpine Kürsingerhütte im Obersulzbachtal und der Kürsingerdamm im Ortsgebiet entlang der Salzach benannt.
  • Anton Webern (1883–1945), österreichischer Komponist, 1945 in Mittersill gestorben
  • Hubert Baron von Pantz (*1909), Gründer des Skiortes Mittersill in New Hampshire (USA)[11] (1945) und des Sport & Shooting Club Schloss Mittersill (1948–1965).
  • Stephen Lawhead (* 1950), Schriftsteller

Panorama

Blick auf Mittersill

Weblinks

 Commons: Mittersill – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistik Austria: Volkszählung vom 15. Mai 2001 – Einwohner nach Ortschaften (pdf-Dokument, 8 KB; abgerufen am 13. Februar 2012)
  2. Chonik, mittersill.at, letzter Absatz
  3. Gemeinde Mittersill (Landgemeinde). Diese Gemeinde besteht aus 4 Dörfern und 14 Rotten, und zwar aus: Arndorf, Burs (Dorf), Feldstein, Felm (Dorf), Jochbergthurn, Klausen (Dorf), Lämmerbichl, Loferstein, Mayerhofen, Oberfelm, Unterfelm, Paßthurn, Reitlehen (Dorf), Rettenbach, Schattberg, Spielbichl, Thalbach und Weißenstein. Im Rayon derselben liegt das alte Schloß Mittersill mit den Amtslokalitäten des Bezirks- und Steueramtes, und in Felmthal der »Hintersee».“ Aimé von Wouwermans: Handels- und Gewerbeschematismus für das Herzogthum Salzburg. Verlag L. Taube, 1866, S. 109, Sp. 1 (Google eBook, vollständige Ansicht).
  4. Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs: Stadt und Land. Neuzeit und Zeitgeschichte. Band 2, 2. Auflage, Universitätsverlag Pustet, 1988, ISBN 978-370250197-6, Fußnote 34, S. 1358
  5. Chronik der FF-Hollersbach von 1938 bis 1945, ff-hollersbach.at
  6. Beschreibung auf skyscraperpage.com
  7. Transalpine Pipeline, tal-oil.com
  8. Hochwasser 2005, FF Mittersill
  9. Hochwasser Juli 2005, salzburg.gv.at
  10. Nationalparkzentrum Hohe Tauern
  11. Mittersill in New Hampshire (USA)