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Atomenergie#

H. Maurer, Mai 2016

Es war eine Revolution, als Einstein mit seiner berühmten Formel E= mc2 mehr oder minder aussagte, dass Energie und Masse eng verwandt sind und sich vielleicht sogar ineinander verwandeln lassen, wobei bei der "Auflösung von Masse" ungeheure Mengen von Energie frei werden würden, umgekehrt bei der Erzeugung einer Masse sehr viel Energie notwendig sein würde, um nur eine ganz kleine Menge Masse zu erzeugen.

Praktisch können wir beides nur in bescheidenem Ausmaß in den heutigen Kernreaktoren. Dennoch, Ende 2014 standen weltweit in 31 Ländern 439 Kernkraftwerke in Betrieb, die ca, 6% des weltweiten Strombedarfs deckten.

Freilich ist der Einsatz von Urankraftwerken wegen möglicher Unfälle wie jener in Tschernobyl, aber auch wegen der noch nicht gelösten Endlagerung der lange und stark strahlenden radioaktiven Abfälle noch immer umstritten, obwohl statisch gesehen die Gefahr durch kalorische Kraftwerke, die durch Luftverschmutzung viele Menschen töten, sehr viel höher ist. Im übrigen wird in einigen Ländern intensiv und optimistisch am Problem der Endlagerung gearbeitet.

Ferner wird übersehen, dass viele Produktionsprozesse gefährlichen Abfall erzeugen, dessen sichere Lagerung auch nur durch ständige Beobachtung und fallweise "Neuverpackung" möglich ist, oder auch ignoriert wird: So wird z.B. Kohleasche oft in offene Deponien gekippt, wo durch Regen Schwermetalle ausgewaschen werden und das Grundwasser verseuchen; es gibt weltweit (auch in Österreich) unzählige Giftmülldeponien, wo hochgiftiges Material in Fässern aufbewahrt wird, wobei die Inhalte vor der vollständigen Korrodierung der Fässer umgefüllt werden müssen. Oder es wird Giftschlamm einfach in Teichen gespeichert (von denen bekanntlich vor wenigen Jahren einer in Ungarn brach und eine ganze Ortschaft verwüstete). Insofern sind die weit verbreiteten Sicherheitsbedenken gegen Atomkraftwerke durch Medienberichte künstlich hochgeschaukelt, haben sich aber psychologisch so tief eingegraben, dass das Thema fast ein Tabu ist.

Atomkraft bedeutet nicht unbedingt Urankraftwerke. Weniger gefährliche Thoriumreaktoren sind denkbar (und Forschung in diese Richtung wird vor allem in Indien, das über große Thoriumvorkommen verfügt, vorangetrieben), die wirkliche Zukunft liegt aber in der Fusionsenergie, in der Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium, wodurch ja die Energie der Sonne (und die zerstörerische Gewalt von Wasserstoffatombomben) entsteht.

Wird es den Menschen gelingen, diesen Vorgang so zu zähmen, dass er in Fusionsreaktoren noch in diesem Jahrhundert zum gefahrlosen Einsatz kommen kann?

Unter Physikern besteht kein Zweifel, dass die Fusion beherrschbar sein wird. Ob allerdings die so erzeugte Energie wirtschaftlich mit anderen Methoden der Energiegewinnung konkurrieren wird können ist unklar.


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