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Vordernberg#

Vordernberg Wappen
Vordernberg Wappen aus dem Wappenbrief von 1516
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Bundesland: Steiermark Vordernberg, Steiermark
Bezirk: Leoben
Einwohner: 1.045 (Stand 2018)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 839 m
Fläche: 27,74 km²
Postleitzahl: 8794
Website: www.vordernberg.steiermark.at


Die Marktgemeinde Vordernberg (Bezirk Leoben) liegt am Fuß des Präbichl (1.232 m) in den Eisenerzer Alpen an der Steirischen Eisenstraße.

Erstmals urkundlich genannt wurde "Leubnerisches Eisen" und somit das Vordernbergertal ("Liuben", "Lubene" oder "Loiben" genannt) im 12. Jahrhundert. Die ersten Schmelzöfen dürften ab dem frühen 13. Jahrhundert am Oberlauf des Vordernbergerbachs, der "Leuben", gestanden sein.
Der zunehmende Eisenbedarf erforderte höhere Schmelzleistungen – die Öfen wurden größer und entwickelten sich zu Stuckofen mit Wasserradantrieb. Der stärkeren Wasserkraft folgend wurden die Schmelzstätten talwärts verlegt und auch die dazugehörige Siedlung wurde ins Tal verlegt.
Der Name Vordernberg (als "mons anterior") tauchte erstmals 1314 in einer Urkunde auf. (In dieser Urkunde verbot Herzog Friedrich III. den Gewerken südlich des Erzberges, ihr Eisen anderswohin zu liefern als nach Leoben. Damit wurde das Leobener Eisenprivileg festgeschrieben.) In Vordernberg wurde ein großer Teil des am nahen Steirischen Erzberg abgebauten Erzes zu Roheisen geschmolzen. Die schnell wachsende Siedlung wurde 1453 vom Landesherrn mit eigenem Wappen und Privilegien zum Markt erhoben. Als Zentrum der Eisenverhüttung war Vordernberg jahrhundertelange einer der bedeutendsten Industrieorte in Mitteleuropa.

Während 1625 nördlich des Präbichls die Radwerke, der Erzabbau, die Roheisen-Verarbeitung und der Eisenhandel in der "Innerberger Hauptgewerkschaft" zusammengefasst wurden, blieben die Radmeister und die Eisenverleger südlich des Präbichls weiterhin selbständig.
In Vordernberg war 14 "Radwerke" - Ofenanlagen, bei denen ein Wasserrad das Gebläse für Verbrennungsluft antrieb - in Betrieb. 1822 wurde Erzherzog Johann Vordernberger Radmeister und kaufte das "Meranhaus" (heute Hauptstraße 85) als Wohnhaus. Nach einer schweren Krise der Vordernberger Eisenindustrie wurde 1829 auf Anregung von Erzherzog Johann die "Vordernberger Radmeisterkommunität" gegründet. ( Unter Erzherzog Johanns Einfluß wurden der Erzabbau und die Erzförderung auf dem steirischen Erzberg reorganisiert und modernisiert. ) 1840 wurde die von ihm initiierte Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt eröffnet, die 1849 nach Leoben verlegt wurde und aus der sich die Montanuniversität Leoben entwickelte.

1891 wurde im 15 km entfernten Donawitz der erste Kokshochofen in Betrieb genommen; diese wirtschaftlichere Art der Eisenerzeugung erzwang nach und nach die Einstellung der noch mit Holzkohle betriebenen Radwerke in Vordernberg. (1912 wurde das letzte Radwerk geschlossen und später zu einem Eisenmuseum umgestaltet.)

Das Laufkraftwerk Vordernberg wurde zwischen 1986 und 1987 errichtet; 2014 wurde hier das Anhaltezentrum in Betrieb genommen. (Dies ist eine Einrichtung des österreichischen Innenministeriums, in der Ausreisepflichtige, deren asyl- bzw. fremdenrechtliches Verfahren eine freiheitsbeschränkende Sicherung notwendig erscheinen lässt, untergebracht werden.)

Heute ist Vordernberg eine Gemeinde mit Kleingewerbe. Die Reste der alten Eisenindustrieanlagen bestimmen noch heute das Ortsbild und den Ortsausgang prägt der mächtige Ofenstock.


Sehenswert im Ort bzw. der Gemeinde sind u.a.

  • Pfarrkirche Maria Himmelfahrt (erweitert 1644 und 1661) mit Marienaltar von 1715 und Kanzel mit Reliefs (1765)
  • gotische Laurentiuskirche (ehemalige Wehrkirche, um 1453, erneuert Ende des 19. Jahrhunderts) mit gotischen Fresken und 2 Steinreliefs (um 1510-15, heute Kopien)
  • Dreifaltigkeitssäule (1717)
  • Rathaus (16. und 17. Jahrhundert, Saal mit Stuckdecke)
  • Barbarasäule
  • alte Gewerkenhäuser, meist aus dem 17. Jahrhundert (Prinzen-Amtshaus, Erzherzog-Johann-Haus, Steyrer Gewerkenhaus mit Stuckdecke, u.a.)
  • Raithaus: hier wurde 1840 die von Erzherzog Johann initiierte Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt eröffnet.
  • Hochofenmuseum Radwerk IV (1846): der einzige noch vollausgestattete Holzkohlenhochofen Österreichs

Weiterführendes#

Literatur#

  • W. Schuster, Vordernberg und seine technischen Denkmale, 1978
  • H. J. Köstler, Führer durch Vordernberg und seine montanhistorischen Stätten, 1995