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vom 16.06.2017, aktuelle Version,

ÖBB 2043

ÖBB 2043
Zwei Loks der Reihe 2043 im Juni 2004 in Wels (Oberösterreich)
2043.01–04 2043.05–34 2043.35–77
Anzahl 4 30 43
Hersteller Jenbacher Werke
Baujahr 1964–65 1966–70 1970–77
Bauart B’B’
Dienstmasse 68,0 t 67,0 t 68,0 t
Länge über Puffer 14.760 mm 15.760 mm
Drehzapfenabstand 7.000 mm 8.000 mm
Achsstand im Drehgestell 2.500 mm
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h 110 km/h
Motor 12 Zylinder-Diesel 1000/min
Leistung in kW 1104
Kraftübertragung hydraulisch
Treibraddurchmesser 950 mm
Spurweite Normalspur
Umbau zu 2043.5 (1979) 2043.55–58

Die ÖBB versuchten bereits Ende der vierziger Jahre Dampflokomotiven durch Dieseltriebfahrzeuge zu ersetzen. Der Bau von leistungsfähigen Dieselmotoren war aber aufgrund der unter den Kriegsfolgen leidenden österreichischen Industrie noch bis gegen Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts unmöglich. Ein Kauf im Ausland war aufgrund der Devisensituation erst nach 1955 und auch nur sehr eingeschränkt möglich. So konnten die ÖBB bis 1962 nur 20 dieselelektrische Lokomotiven der Reihe 2045 vom heimischen Hersteller Simmering-Graz-Pauker mit zwei 500 PS-Dieselmotoren und 18 ebenfalls dieselelektrische Lokomotiven der Reihe 2050 (GM-Lizenzbau) beschaffen. Anfang der sechziger Jahre planten die ÖBB ein großes Beschaffungsprogramm für (Nebenbahn-) Streckendiesellokomotiven (die Hauptstrecken sollten so rasch als möglich elektrifiziert werden). Die Jenbacher Werke (JW) lieferten dafür 1962 einen als 2043.01 bezeichneten und bei Beginn der Serienlieferung in 20143.501 umbezeichneten Prototyp mit hydrodynamischer Kraftübertragung und Einzelachsantrieb. Aus diesem Prototyp wurden die späteren Serienmaschinen weiterentwickelt, wobei man auf den Einzelachsantrieb verzichtete.

Die Serienlokomotiven der Reihe 2043 wurden ab 1964 als leichte Universallokomotiven für nichtelektrifizierte Strecken Österreichs gebaut. Mit einem Achsdruck von nur 17 t war sie vor allem für Nebenbahnen konzipiert, musste aber auch in Ermangelung stärkerer Typen lange im schweren Hauptstreckendienst aushelfen. Insgesamt lieferten die 77 Lokomotiven dieser Baureihe an die ÖBB. Simmering-Graz-Pauker lieferte von der Schwesternbaureihe ÖBB 2143, die sich durch andere Motoren und äußerlich durch andere Lüftungsgitter unterscheiden, ebenfalls 77 Lokomotiven.

Als Antriebsaggregat dient der Reihe 2043 ein ventilloser Zwölfzylinder-Zweitaktdieselmotor (JW-Eigenkonstruktion) mit einer eingestellten Leistung von 1104 kW (1500 PS). Ein ebenfalls ventilloser Achtzylinder-Zweitaktdieselmotor treibt den Zugheizgenerator an, dieser versorgt Personenwagen mit elektrischem Strom (Heizung / Batterieladung). Ein dritter Zweizylinder-Viertaktdieselmotor erzeugt die Druckluft, die beispielsweise für den Anlassvorgang des Fahrdieselmotors oder die Bremsanlage benötigt wird. Jeder Motor kann für sich alleine betrieben werden.

Die Kraftübertragung erfolgt mit einem hydraulischen Getriebe der Firma Voith. 2043.01–14 erhielten ein Getriebe mit drei Wandlergängen, ab 2043.15 wurde ein Zweiwandlergetriebe der Firma Voith St. Pölten eingebaut.

Als Deckanstrich des Lokomotivkastens wurde bis zur 2043.22 ein tannengrüner Farbton gewählt. Die folgenden Maschinen erhielten einen blutorangefarbigen Lokkasten, wobei die 2043.23 und 2043.24 abweichend einen grauen Rahmen hatten. Im Laufe der 1980er Jahre kam im Zuge von Neulackierungen bei Hauptuntersuchungen eine verkehrsrote Farbgebung hinzu.

Durch Neulieferungen von Lokomotiven der Reihe 2016 (Herkules) in den letzten Jahren werden die Lokomotiven der Reihe 2043 überflüssig und infolgedessen weitgehend abgestellt. Einzelne Maschinen sind aber auch 2017 noch fallweise im Einsatz.

Die Unter-Baureihe 2043.5 unterscheidet sich geringfügig von anderen 2043ern. Vier 2043er wurden 1978 speziell für den Steilstreckenbetrieb am Erzberg mit einer geschwindigkeitsabhängigen Magnetschienenbremse und einem Geschwindigkeitsüberwachungsgerät samt zusätzlichen Tachometer für die Talfahrt ausgestattet. Zu Beginn waren die Lokomotiven ausschließlich im Güterverkehr anzutreffen, ab dem 2. Juni 1985 wurde erstmals ein planmäßiges Personenzugpaar (4103–4104) bespannt. Da die Fahrgastfrequenz in den nächsten Jahren stark zurückging, wurden die Reisezüge ab dem 16. Februar 1987 wieder mit Schienenbussen der Reihe 5081.5 geführt. Danach wurden sämtliche Lokomotiven von Vordernberg nach Knittelfeld umstationiert. Im Zuge von größeren Ausbesserungen wurde die Erzberg-Sonderausrüstung aus den Lokomotiven 2043.556 (1993), 2043.557 (1993) und 2043.558 (2001) ausgebaut und die Fahrzeuge rücknummeriert.

Die aus dem normalen Betrieb ausgeschiedene 2043.53 fährt als Zugfahrzeug des Reblaus-Express bei der NÖVOG im Wald-/Weinviertel.

Literatur

  • Markus Inderst: Bildatlas der ÖBB-Lokomotiven. Alle Triebfahrzeuge der Österreichischen Bundesbahnen. GeraMond, München 2010, ISBN 978-3-7654-7084-4.
  • Günter Kettler: "Dieselhydraulische Lokomotiven der ÖBB", Verlag Pospischil, 1020 Wien, 1990
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